Eltern und Kinder demonstrieren für Grundschulstandort Neuenheerse Politiker wittern Verschwörung

Bad Driburg(WB). In der Debatte um die Grundschulstandorte in Bad Driburg wird seit Dienstagabend mit härteren Bandagen gekämpft. CDU-Fraktionschef Karl-Heinz Schwarze warf Schulrat Hubert Gockeln im Schulausschuss unter anderem mangelnde Objektivität vor.

Von Frank Spiegel
Den Satz »Wir sind 15 Kinder« bilden die T-Shirts der angehenden I-Dötze. Sie zählen auch ein Flüchtlingskind dazu
Den Satz »Wir sind 15 Kinder« bilden die T-Shirts der angehenden I-Dötze. Sie zählen auch ein Flüchtlingskind dazu Foto: Frank Spiegel

Im Fokus der Debatte steht die Grundschule Neuenheerse. Diese wird nach aktuellem Stand in diesem Jahr keine Eingangsklasse bilden können. Es fehlt ein Kind. »Nur eine Lösung mit drei Teilstandorten garantiert den Schulfrieden in Bad Driburg«, diese Meinung vertritt Schwarze. Sowohl in Neuenheerse als auch in Dringenberg und Pömbsen müsse es auch künftig Grundschulen geben.

Er mutmaßte, dass Gockeln in einem Vortrag vor Ratsmitgliedern in der vergangenen Woche das Ziel verfolgt habe, darzustellen, dass eine Lösung mit einer Grundschule in der Kernstadt und drei Teilstandorten von Nachteil sei. Er habe behauptet, hier bestehe die Gefahr, in jedem der kommenden Jahre an einem Standort eine Klasse nicht bilden zu können. »Das ist eine Fehlinformation«, erläuterte Schwarze seine Sicht der Dinge.

»Sollte sich das Gegenteil herausstellen, entschuldige ich mich schon jetzt für meine Worte«, sagte Schwarze und wiederholte dies am Abend noch weitere Male.

Nach Informationen des WESTFALEN-BLATTES hatte der Schulrat erläutert, dass es bei der Lehrerversorgung bei einer Lösung mit kleinen Teilstandorten Probleme mit der Lehrerversorgung geben könnte.

Schwarze will Teilstandorte

Schwarze warf dem Schulrat zudem vor, den Fokus allein auf die Standortfrage Dringenberg oder Neuenheerse gerichtet zu haben. Nur diese habe am Abschluss eines Vortrages des Schulrates in der vergangenen Woche gestanden. Es fehle eine Gesamtbewertung. Von sechs Varianten habe Gockeln nur noch zwei bewertet und damit subjektiv und nicht objektiv berichtet.

Dem Vernehmen nach hatte man sich nach WESTFALEN-BLATT-Informationen allerdings in Vorgesprächen mit dem Schulrat darauf geeinigt, den Schwerpunkt in der nicht öffentlichen Informationsveranstaltung auf die realistischen Varianten zu legen.

Karl-Heinz Schwarze warnte vor einer Lösung, die einen Hauptstandort mit maximal einem Teilstandort vorsehe. Offensichtlich sind sich die Christdemokraten in Bad Driburg bei diesem Thema nicht einig. In seinen Ausführungen erklärte Karl-Heinz Schwarze, die CDU Ortsunion favorisiere diese Variante, also nicht die von ihm bevorzugte mit drei Teilstandorten.

Verwaltung soll 15. Kind finden

Horst Verhoeven (SPD) äußerte den Verdacht, dass es Bestrebungen gebe – »ob vom Schulrat oder von Seiten der Verwaltung« – den Grundschulstandort Neuenheerse in diesem Jahr nicht mehr zum Zuge kommen zu lassen. »Die Gelegenheit diese Schule dicht zu machen, ist nur in diesem Jahr möglich«, sagte er. Die Verwaltung sei aufgefordert, das 15. Kind für Neuenheerse zu finden.

Bürgermeister Burkhard Deppe sagte zu, den Sachverhalt zu prüfen. »Das Thema ist ein sehr komplexes und wird noch in verschiedenen Gruppierungen diskutiert werden können«, kündigte er an. Bad Driburg wolle auch in Zukunft ein attraktiver Schulstandort bleiben. »Wir wollen weiterhin Verlässlichkeit und Perspektive bieten«, sagte der Bürgermeister.

Sehr deutlich wies er Mutmaßungen zurück, »dass hier irgendjemand das Ziel hat, irgendeinen Standort zu einem bestmöglichen Zeitpunkt zu schließen.« Es hätten sich die Rahmenbedingungen, insbesondere die Schülerzahlen geändert. Deshalb sei in den nächsten Wochen eine schwere Entscheidung notwendig.

Offene und ehrliche Diskussion

In die kommende Diskussion seien auch noch einmal der Schulrat und nach Möglichkeit auch die Bezirksregierung einzubinden. Er sicherte eine offene und ehrliche Diskussion zu mit den betroffenen Eltern.

Eltern und Schulkinder aus Neuenheerse hatten im Vorfeld der Sitzung vor dem Rathaus für den Erhalt der Grundschule im Ort demonstriert. »Wir sind 15« stand auf den T-Shirts einiger Kinder.

In Neuenheerse ruhen die Hoffnungen nun auf einem Flüchtlingskind und Kindern, die das erste Schuljahr wiederholen. Das Flüchtlingskind hielt bei der Demonstration ein Plakat in die Höhe mit den Worten »Ich möchte bei meinen Freunden bleiben. Bitte.«

Der Förderverein, der die Demonstration initiiert hatte, möchte, dass auch er der Einschulungsklasse in diesem Jahr zugerechnet wird. Eine Begutachtung ist allerdings zu dem Ergebnis gekommen, dass der Junge zunächst in die Integrationsklasse in Bad Driburg soll, um dort fit für die Schule gemacht zu werden – und dort würde er nicht zu den Neuenheerser Eingangsklassen-Kindern zählen, von denen Neuenheerse dringend 15 benötigt.

Schulaufsicht prüft

Auf Initiative der Neuenheerser wird zudem bei der Schulaufsicht die Frage geprüft, ob in Neuenheerse zurückgestufte Kinder rechnerisch den Neuzugängen zugeordnet werden dürfen. Die Schulaufsicht zählt sie nicht dazu.

Wie Schulamtsleiter Uwe Damer berichtete, ist der Stichtag für die Entscheidung, ob es eine Grundschulklasse in Neuenheerse geben wird, spätestens der 4. Juli. Das sei mit der Bezirksregierung so abgestimmt. Kinder, die dann in Neuenheerse angemeldet seien, würden am Hauptstandort in der Kernstadt eingeschult.

»Es sei denn, sie melden sich jetzt oder dann, dass sie nach Dringenberg wollen«, erklärte der Fachmann aus dem Rathaus. Schulleiterin Beate Bönnighausen habe angekündigt, schon in der kommenden Woche eine Entscheidung zum Thema treffen zu wollen.

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