Luzia Brödling hat Historie ihres Heimatdorfes Siebenstern dokumentiert Leben mit Glasgeschichte vor Augen

Bad Driburg(WB). Sie ist quasi mit der Siebensterner Glasgeschichte direkt vor ihren Augen aufgewachsen: Luzia Brödling (74) hat eine Sammlung alter Fotos, Postkarten und Dokumente zusammengestellt. Diese hat im ehemaligen Glasmacherdorf überaus großen Anklang gefunden.

Von Jürgen Köster
Luzia Brödling ist mit der Glashütte vor Augen aufgewachsen. Die Siebensternerin hat viel Arbeit investiert, um die Geschichte des Glasmacherdorfes zu dokumentieren. Sie möchte verhindern, dass die alten Dokumente verloren gehen.
Luzia Brödling ist mit der Glashütte vor Augen aufgewachsen. Die Siebensternerin hat viel Arbeit investiert, um die Geschichte des Glasmacherdorfes zu dokumentieren. Sie möchte verhindern, dass die alten Dokumente verloren gehen. Foto: Jürgen Köster

Die Fundstücke aus dem Bad Driburger Ortsteil füllen einige Aktenordner. Mehrere Familien hatten in Kisten und Kästen gekramt, Fotoalben durchstöbert und das Material zur Verfügung gestellt. Die schönsten Abbildungen hat Luzia Brödling ausgesucht, geordnet und an einem Abend im Gasthaus Kanne präsentiert. Frank Lippert hatte ihr dabei die notwendige technische Unterstützung geleistet.

Dorf im Wandel der Zeit

Nicht nur Siebensterner, sondern auch Dringenberger und Kühlsener haben interessiert zugeschaut und -gehört, was Brödling über ihr Dorf im Wandel der Zeit von 1870 bis 2015 zu berichten hatte.

Mit dem Wegzug des letzten kleine Geschäftszweiges von Bohemia Crystal endete die lange Glasgeschichte, die zurückgeht auf den Anfang des 16. Jahrhunderts. »Eine Ortschronik gibt es nicht, und ich wollte die Dokumente und Fotos für die Nachwelt erhalten«, beschreibt Brödling ihre Intention. Glas habe sie schon immer fasziniert, nicht zuletzt deswegen, weil ihr Elternhaus genau gegenüber der Glashütte stand, die 1978 abgerissen wurde.

Ihr Mann Meinolf war Glasmaler, ihr aus Böhmen stammender Großvater Glasmacher. »Und auch die sieben Luftblasen, mit der die Erzeugnisse aus der Hütte von Christian Becker gekennzeichnet wurden, haben mich schon als Kind fasziniert«, blickt die 74-Jährige zurück. Als junges Mädchen hat sie sich schon mal eine Rüffel der Eltern eingehandelt, wenn sie den Schornstein der Glashütte erklommen hatte. »Einer der Eisentritte hätte ja lose sein können«, weiß sie den Grund.

Kohlen wurden von Hand geschüppt

Gut im Gedächtnis hat sie auch, wie in den 50-er Jahren in der Hütte gearbeitet wurde. »Die Kohlen wurden noch von Hand angeschüppt«, berichtet sie. Das machte natürlich durstig. Ihre Mutter versorgte die Arbeiter durch eine Klappe im Zaun mit Bier. »Bezahlt wurde immer freitags, wenn es Geld gegen hatte«, sagt Luzia Brödling.

Zusammen mit ihrem Mann Meinolf hatte sie sich später als Glasmalerei selbstständig gemacht. Der Betrieb arbeitete auch für Glaskoch im Nachbardorf. Meinolf Brödling wechselte später zur Firma Leonardo und arbeitete dort bis zum Renteneintritt.

Die enge Bindung zur Glashütte endete für Luzia Brödling, als der neue moderne Betrieb Ende 1971 außerhalb des Ortes eröffnet wurde. »Dazu hatte ich keine Beziehung mehr. Ich glaube, ich bin in all den Jahren nur einmal zu einer Besichtigung da oben gewesen«, erzählt Luzia Brödling.

Über die reine Glasgeschichte hinaus hat sie auch viele Begebenheiten aus dem Dorfleben zusammengetragen: Sie reichen von der alten Schule bis zum Gasthaus Kanne, wo sie in Kindertagen Karneval gefeiert hatte. Auch diese Anekdoten bleiben nun der Nachwelt erhalten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.