Von-Galen-Förderschule kooperiert mit Reitverein Dringenberg Momente des Glücks im Sattel

Bad Driburg-Dringenberg (WB). Emily (8) und Gina (6) fiebern die ganze Woche hindurch dem Freitag entgegen – aber nicht, weil dann das Wochenende naht. »Am Freitag geht es aufs Pferd«, wissen die beiden Mädchen, die die Von-Galen-Schule in Frohnhausen besuchen.

Von Jürgen Köster
Unbeschwerte Momente erlebt Phil auf dem Rücken von Therapiepferd »Püppi«. Klassenleiterin Jennifer Dübbert reitet zusammen mit dem Jungen in der Dringenberger Reithalle. Dort soll bald eine Beregnungsanlage für noch bessere Bedingungen sorgen.
Unbeschwerte Momente erlebt Phil auf dem Rücken von Therapiepferd »Püppi«. Klassenleiterin Jennifer Dübbert reitet zusammen mit dem Jungen in der Dringenberger Reithalle. Dort soll bald eine Beregnungsanlage für noch bessere Bedingungen sorgen. Foto: Jürgen Köster

Die Nähe und Wärme des Tieres lässt auch Ahmed (hier mit Integrationshelferin Denise Münnighoff) aufblühen. Foto: Jürgen Köster

Diese hat eine Kooperation mit dem Reitverein Dringenberg und der Reittherapeutin Carena Ewen geschlossen. Die Vereinbarung beschert den geistig- und körperbehinderten Kindern kurze Momente des Glücks im Sattel der beiden Therapiepferde »Püppi« und »Mikado«.

Die Therapeutin, die Lehrerinnen, Jeanine Strumpf vom Reitverein und auch Schulleiter Alfred Kerlin staunen nicht schlecht, wie sich die Nähe zu den Pferden bei den Kindern äußert. »Da gibt es Jungen, die können nicht allein auf dem Stuhl sitzen, halten sich aber im Sattel des Pferdes aufrecht«, berichtet Kerlin.

Autisten suchen Blickkontakt

Die Kinder würden auf ganz unterschiedliche Weise gefördert, hat Carina Ewen (24) festgestellt. So suchten beispielsweise Autisten den Blickkontakt mit dem Tier, etwas was sie bei Menschen möglichst vermieden.

Carina Ewen ist mit Pferden aufgewachsen. Sehr früh bekam sie ihr eigenes Pony, mit 13 Jahren einen Friesen-Wallach namens »Karel«. »Mittlerweile tummeln sich sieben Pferde in allen Formen, Farben und Größen bei mir zu Hause auf der Wiese«, erzählt sie.

Während ihres Studiums der »Sozialen Arbeit« habe sie bereits bei den Diensten der Lebenshilfe gearbeitet und manchmal Klienten mit zu »Karel« genommen.

Tiere als Spiegel der Seele

Ewen: »Es war faszinierend, wie die Menschen auf ›Karel‹ und er auf die Menschen reagierte. Er ist ein guter Spiegel der Seele.« Nicht zuletzt wegen dieser Erfahrungen habe sie sich entschlossen eine Ausbildung zur Reittherapeutin zu machen. Nun ist sie Kooperationspartnerin des Vereins und der Schule.

Die Idee therapeutisches Reiten an der Schule anbieten zu können, sei bei einem Fest für die schwerstbehinderten Schüler vor zwei Jahren entstanden.

»Da hatten die beiden Physiotherapeutinnen ihre Pferde mitgebracht. Es war beeindruckend, wie die Schüler und Pferde miteinander umgingen«, berichtet Schulleiter Alfred Kerlin. Den Wunsch therapeutisches Reiten längerfristig anbieten zu können, ermöglichte eine Spende der Bäckerei Engel anlässlich deren 90-jährigen Bestehens.

Unterstützer gesucht

Nun hofft die Schulgemeinde auf weitere Unterstützer, um das Angebot aufrecht erhalten zu können. Zwei Mal pro Woche haben zwei Gruppen die Möglichkeit in der Dringenberger Reithalle zu üben.

Kerlin: »Der Kontakt zum Pferd beschert Erfolgserlebnisse. Defizite werden spielerisch ausgeglichen. Das Selbstbewusstsein wird gestärkt. Respekt und Verständnis füreinander werden erlernt. Die Bewegung schult die Sinnesfunktionen.«

Das bestätigt Carena Ewen: »Der Kontakt mit dem Pferd spricht verschiedene Emotionen an. Ängste werden überwunden, Körperspannung und Koordination verbessert.« Und auch für den gemeinnützigen Reitverein sei die Kooperation eine tolle Sache, wie zweite Vorsitzende Jeanine Strumpf erklärt. Informationen zum Projekt gibt Schulleiter Alfred Kerlin unter Telefon 05648/9289.

Carena Ewen mit Emily und Gina (rechts), die »Püppi« zu Beginn der Stunde mit Federn geschmückt haben. Foto: Jürgen Köster

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