Cornelia Scheel setzt ihrer Mutter Mildred ein literarisches Denkmal – Hella von Sinnen liest Nie die »Petersilie am Tellerrand«

Bad Driburg(WB). »Eines war sie nie: die Petersilie am Tellerrand«, sagt Cornelia Scheel über ihre Mutter Mildred. Dass die Ehefrau des Bundespräsidenten Walter Scheel noch viel mehr war, hat ihre Tochter in einem sehr persönlichen Buch festgehalten.

Von Jürgen Köster
Die eher zurückhaltende Cornelia Scheel und die extrovertierte Hella von Sinnen setzen nach der Lesung auch humorvolle Akzente im Austausch mit dem Publikum. Auf dem Tisch die Glücksbringer, wie sie für Mildred Scheel eine besondere Bedeutung hatten.
Die eher zurückhaltende Cornelia Scheel und die extrovertierte Hella von Sinnen setzen nach der Lesung auch humorvolle Akzente im Austausch mit dem Publikum. Auf dem Tisch die Glücksbringer, wie sie für Mildred Scheel eine besondere Bedeutung hatten. Foto: Jürgen Köster

»Ich wünsche mir, dass all diejenigen, die meine Mutter als unerschrockene Kämpferin gegen die Geißel Krebs erlebt haben, auch einen Einblick in die Seele dieser ungewöhnlichen Frau, Mutter und Freundin erhalten«, schreibt Cornelia Scheel (53) in dem Vorwort ihres Buches »Mildred Scheel – Erinnerungen an meine Mutter«.

Daraus hat im Gräflichen Park Hella von Sinnen gelesen. Sie war auf Einladung der Diotima-Gesellschaft zusammen mit der Autorin nach Bad Driburg gekommen, mit der sie bis zum November des vergangenen Jahres liiert war.

Die Komikerin trug in ihrer unnachahmlichen Art Passagen aus dem Werk der Frau vor, die 25 Jahre ihre Partnerin war. Cornelia Scheel kam zunächst nur kurz zur Begrüßung durch Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff auf die Bühne, um diese dann für eine gute Stunde Hella von Sinnen zu überlassen.

Kleine Glückssymbole

Kleine Glückssymbole an der Kante des mit weinrotem Samt überzogenen Tisches ließen die gut 150 Zuhörerinnen und Zuhörer zunächst stutzen. Hella von Sinnen löste kurz darauf das Rätsel.

Auch Mildred Scheel hatte eine kleine Armada von Glücksbringern. In einer festgelegten Reihenfolge hob sie die kleinen, Glück bringenden Figuren kurz von dem Sekretär in ihrem Schlafzimmer, um sie dann nach dreimaligen Klopfen wieder abzusetzen. Diese Klopfrituale fanden nicht nur einmal am Tag statt, sondern mehrmals.

Hella von Sinnen und Cornelia Scheel erfüllen Autogrammwünsche. Foto: Jürgen Köster

Es sind aber nicht nur kleine liebenswerte Marotten wie diese, über die Cornelia Scheel schreibt. »Ich wollte ihr ein Denkmal zwischen zwei Buchdeckeln setzen«, sagt sie. Die dafür erforderliche Reise zurück durch die Lebensjahre ihrer Mutter sei zu der schönsten Reise ihres Lebens geworden.

Fidelio

Hella von Sinnen lässt einige Augenblicke aus dem Leben der Familie Scheel mit ihrer ausdrucksstarken Art des Vortrages überaus lebendig werden. Der Zuhörer fühlt sich geradezu auf den vierten freien Platz des silbernen Mercedes versetzt, mit dem Walter, Mildred und Cornelia Scheel zur Aufführung des »Fidelio« nach Salzburg unterwegs sind. Wegen eines Malheurs, das der Tochter ob der rasanten Fahrweise des Vaters widerfährt, müssen sie umkehren. Die Plätze in der Oper bleiben frei – und die Erziehung der Tochter obliegt fortan ausschließlich der Mutter.

Autogramme

Es ist die Nähe zur großen Persönlichkeit, die das Buch und auch den Abend im Gräflichen Hotel so lange nachwirken lassen. Die zahlreichen Fans bitten darum ihre Bücher und Autogrammkarten zu signieren.

Und die Gastgeberin, Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff, bedankt sich auch bei Matthias Goeken, Präsident des Lions-Clubs Bad Driburg, der mit einer Spende für die Deutsche Krebshilfe ganz im Sinne ihrer Gründerin gehandelt hat.

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