Pläne zu Balkanflüchtlingen: Städte im Kreis Höxter in Sorge Bürgermeister äußern ihre Bedenken

Borgentreich/Bad Driburg (WB). Wie unterschiedlich die Gefühlslage in der Flüchtlingskrise sein kann, hat sich gestern auch in OWL gezeigt. Während sich im Kreis Höxter die Städte Borgentreich und Bad Driburg um die Zukunft ihrer Flüchtlingsunterkünfte sorgen, stand in Schloß Holte-Stukenbrock der große Dank an die Helfer in der Polizeischule im Mittelpunkt.

Von Ulrich Schlottmann und Jürgen Köster
In der ehemaligen Desenbergkaserne in Borgentreich sollen künftig 400 Balkanflüchtlinge und 200 Asylbewerber anderer Herkunft wohnen.
In der ehemaligen Desenbergkaserne in Borgentreich sollen künftig 400 Balkanflüchtlinge und 200 Asylbewerber anderer Herkunft wohnen.

Borgentreichs Bürgermeister Rainer Rauch kritisierte am Donnerstag im Gespräch mit Vertretern des NRW-Innenministeriums die Überlegungen, in der ehemaligen Desenbergkaserne zentral Flüchtlinge aus den Westbalkanstaaten unterzubringen. Diese Pläne sehen vor, hier künftig 400 Balkanflüchtlinge und 200 Asylbewerber aus anderen Staaten zu beherbergen.

»Damit würde die jetzt recht gut funktionierende Einrichtung eine andere Ausrichtung bekommen«, sagte Rauch im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Bürgermeister befürchtet neben erhöhtem Konfliktpotenzial, dass die Akzeptanz der Einrichtung schwinden könnte. Es bestehe die Gefahr, dass darunter die Spendenbereitschaft und die ehrenamtliche Hilfe leiden. »Meine Befürchtung ist, dass aus einer Vorbildeinrichtung das Gegenteil werden könnte«, sagte Rauch.

Während des Gesprächs im Borgentreicher Rathaus – an dem auch Vertreter der Bezirksregierung, Kreispolizeibehörde, Malteser und Ratsfraktionen teilnahmen, äußerte Rauch auch Sicherheitsbedenken. Borgentreich am Rande des Regierungsbezirks sei weit weg von leistungsfähigen Sicherheitsstrukturen. Eine mit 600 Flüchtlingen belegte Einrichtungen sei schon heute für die 2500 Einwohner zählende Kernstadt Borgentreich eine große Herausforderung. »Wenn diese Unterkunft nun eine andere Ausrichtung bekommen sollte, könnten wir damit überfordert sein.« Er kritisiere nicht die politische Entscheidung, Westbalkanflüchtlinge, die kaum eine Chance auf Asyl haben, zentral unterzubringen. »Das ist der richtige Weg. Die Frage ist aber, ob der Standort Borgentreich dafür der richtige Ort ist.«

Auch in Bad Driburg stießen die Pläne der Landesregierung auf Skepsis. Bis zu 75 Prozent soll der Anteil der Balkanflüchtlinge betragen, die im Clemensheim untergebracht werden sollen. »Eine solche Relation zwischen Menschen, die eine Perspektive haben und solchen, die darauf nicht hoffen dürfen, ist durchaus kritisch zu sehen«, sagte Bürgermeister Burkhard Deppe. Das Clemensheim habe in der derzeit betriebenen Form mit maximal 375 Plätzen eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. »Die Einrichtung läuft gut, es ist riskant, an der Konzeption des Hauses etwas zu ändern.«

Beide Städte setzen auf die Worte der Vertreter des Innenministeriums, dass noch keine Entscheidung gefallen und es aktuell ein »ergebnisoffener Prozess« sei.

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