Löschgruppe Steinbründorf wird in diesem Jahr 100 Jahre alt – Projektgruppe erstellt Chronik
Eigentlich soll gefeiert werden

Vlotho (WB) -

Wie so viele Geschichten in diesen Tagen beginnt diese mit dem Wort „Eigentlich“. Eigentlich hätte das vergangene Jahr für die Löschgruppe Steinbründorf mit Vorbereitungen auf ihr Jubiläum angefüllt sein sollen. Denn 2021 steht das 100-Jährige ins Haus – in normalen Zeiten wäre das ein Garant für Feierlichkeiten, Geselligkeit und eine umfassende Rückschau

Montag, 11.01.2021, 15:54 Uhr
Das Feuerwehrgerätehaus ist mit viel Eigenleistung der Steinbründorfer gebaut worden. Jetzt ist es 30 Jahre alt und braucht Modernisierungen und Erweiterungen. Foto: Jürgen Gebhard

Doch auch dem Festausschuss von Steinbründorf stellte die Corona-Pandemie Hürden in den Weg. Gerätehäuser wurden gesperrt, Dienstabende gestrichen, Treffen gezwungenermaßen abgesagt. Die Absagen betrafen auch eine Feier zum 30-jährigen Bestehen der Freundschaft mit der Löschgruppe aus Elsterwerda-Biehla, die 2020 an der Reihe gewesen wäre. Es ist eine der vielen offenen Fragen, wann diese Feier nachgeholt werden kann.

Klar ist aktuell nur: Einen Festakt zum Löschgruppenjubiläum soll es 2021 auf jeden Fall geben, und am liebsten analog. Ein Datum dazu gibt es noch nicht. Trotzdem waren die Steinbründorfer 2020 auch abseits vom Einsatzgeschehen alles andere als untätig. Unter Berücksichtigung der Hygienebestimmungen hat sich eine Projektgruppe seit Monaten mit dem anstehenden Jubiläum befasst – und an einer Chronik der vergangenen 100 Jahre gearbeitet. Sie ist nun beinahe fertig: Mehr als 30 Seiten stark ist der Textteil, und sie wird um Fotoseiten ergänzt.

Friedrich Wilhelm Böke, Christopher Lühr, Heiko Wiemann und Bianca Karger haben Material zusammengetragen, gesichtet und geordnet, immer wieder diskutiert und offenen Fragen nachgespürt.

Die Chronik wird sich in zwei Hälften teilen: Die erste Hälfte nach den Grußworten behandelt summarisch die Jahre bis 1971, wobei es Extrakapitel zum Moorbruch und zur Feuerwehrkapelle geben soll. Die zweite Hälfte ab 1971 befasst sich in thematischen Kapiteln mit Personalien, Bautätigkeiten und Anschaffungen, Festen und Ausflügen sowie mit der Freundschaft mit den Brandenburgern und der Ausbildung der Löschgruppe.

Ein umfangreiches Kapitel wirft einen Blick zurück auf besondere Einsätze der Löschgruppe: Darunter sind ebenso Einsätze bei wiederholt brennenden Misthaufen, ausgelaufener Gülle und Bränden auf Bauernhöfen nach Blitzschlag wie Wald- und Feldbrände, Unwettereinsätze, technische Hilfeleistungen und Einsätze bei schweren Unfällen oder ABC-Alarmlagen. An manchen Schilderungen ist zu erkennen, wie sehr sich die Abläufe in der Feuerwehr durch die technischen Entwicklungen verändert haben. Das zeigt sich schon alleine am Beispiel der Alarmierungsweise und der Kommunikation im Einsatz. Am 29. März 1990 kam es zum Brand auf einer Hühnerfarm Am Ruschberg. Das Protokoll der Löschgruppe hielt fest: „Das telefonische Alarmsystem wurde bemängelt. Wenn einer nicht erreichbar ist, muß der nächste angerufen werden, sonst bricht das System zusammen. Der Stbm. Dieter Rethmeier stellte in der nächsten Zeit Melder in Aussicht.“ Es gab im Laufe der Zeit immer wieder Großeinsätze, Hilfeleistungen in anderen Stadtteilen. Und es gab Tragödien, an die die Feuerwehrleute noch immer mit tiefer Trauer zurückdenken – wie den Brand in der Silvesternacht 2014, bei dem zwei Menschen ums Leben gekommen sind.

Wie anspruchsvoll, weil weitgefächert die Arbeit für die Freiwilligen der Feuerwehr ist, lässt sich anhand dieser Bandbreite ablesen.

Eine wichtige Starthilfe für die Chronik kam von der Geschichtswerkstatt Exter: August-Wilhelm König und Annegret Arnhölter übergaben den Freiwilligen Feuerwehrleuten ihre umfangreichen „Übersetzungen“ der ältesten gefundenen Dokumente der Löschgruppe aus den 1920er Jahren. „Die waren in Sütterlin geschrieben, das die Geschichtswerkstatt dankenswerter Weise für uns in lesbares Deutsch übertragen hat“, so Friedrich Wilhelm Böke.

So ermöglicht die Hilfe der Hobbyhistoriker der Steinbründorfer Chronik, dem künftigen Leser zum Teil detaillierte Einblicke in die Regelungen, die technische Ausstattung sowie auch in die Schwierigkeiten der Gründertage zu geben.

Dabei zeigt sich natürlich stets der historische Rahmen – Geschehnisse wie die Inflation, die Unruhen der Weimarer Republik, das nahende Dritte Reich, der Zweite Weltkrieg und die Neuorganisation der Gesellschaft in den 1940 und 1950er Jahren bildeten sich auch im Feuerwehrwesen ab.

Allerdings gibt es für die Zeit von 1939 bis 1945 kaum aussagekräftige Unterlagen – von Quittungen über Stiefelbestellungen und ähnlichem abgesehen. „Vieles aus dieser Zeit ist verloren gegangen“, sagt Friedrich Wilhelm Böke.

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