Einstimmiger Beschluss der Kreispolitiker – Landwirte warnen vor Flächenverbrauch
Neubaustrecke: Ablehnung wächst

Vlotho (WB/jg) -

Die Ablehnung einer ICE-Neubaustrecke durch die Region wird immer größer. Der Ausbau der vorhandenen Trasse wird als Alternative angesehen.

Donnerstag, 03.12.2020, 17:42 Uhr aktualisiert: 04.12.2020, 09:40 Uhr
Ähnlich wie hier in Vaihingen an der Enz könnte es in einigen Jahren auch in der Region Vlotho aussehen: Schnurgerade zerschneidet die ICE-Strecke die Kulturlandschaft. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Die Politiker im Herforder Kreisausschuss haben sich gerade mit dem Planungsverfahren beschäftigt. Auch der Landwirtschaftsverband und der CDU-Kreisverband äußern sich sehr kritisch.

 

Kreisausschuss

Die Politiker aus dem Herforder Kreistag favorisieren den Ausbau der bestehenden ICE-Trasse Bielefeld-Hannover und wollen enger in die Planungen der Deutsche Bahn (DB) eingebunden werden. In einem einstimmigen Beschluss hebt das Gremium aber auch hervor, dass der Ausbau möglichst flächenschonend geschehen solle und dass die Belange der Menschen im Kreisgebiet zum Beispiel beim Lärmschutz zu berücksichtigen seien.

Der Kreisausschuss favorisiert deshalb im gemeinsamen Beschluss den Ausbau der bestehenden Trasse. Die Deutsche Bahn wird nun aufgefordert, noch in diesem Monat Gespräche mit den Kommunen, Naturschutzverbänden, der Wirtschaft und weiteren Interessenverbänden und Betroffenen zu suchen und zu terminieren. Der Kreis Herford erwarte eine engere Einbindung in die Planungsphase mit Beteiligung der gesamten Region und hoffe auf eine transparente Informationspolitik der DB. Dadurch solle den Bürgerinnen und Bürgern eine Stimme gegeben werden.

 

Landwirtschaftsverband

Der Landwirtschaftsverband als Vertreter der Flächeninhaber und damit der zentralen Gruppe mit berechtigten Interessen am Verlauf und Ergebnis des Projektes wolle sich in der Diskussion konstruktiv-kritisch einbringen.

„Wir Landwirte in Herford und Bielefeld prägen unsere abwechslungsreiche Kulturlandschaft und möchten diese auch für die nachfolgende Generation erhalten“, erklärt Hermann Dedert, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes. Ohne Flächenverbrauch – sei es unmittelbar durch die Baumaßnahme selbst oder mittelbar durch naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen – werde dieses Großprojekt nicht funktionieren. „Wir sind nicht gegen eine innovative Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur und die geforderte Mobilitätswende“, betont Dedert. Jedoch sei der Verlust an wichtiger Ackerfläche als unersetzliche Produktionsgrundlage zur Erzeugung von Lebensmitteln immens.

Gleichzeitig gingen mit dem Flächenverlust wichtige Funktionen des Bodens für Natur, Umwelt und Klima, Wasser sowie Biodiversität unwiederbringlich verloren. Die weitere Zerschneidung der Landschaft zerstöre zudem bestehende Natur- und Erholungsräume. Hinzu komme der Verlust von Lebensqualität für die Menschen im ländlichen Raum. Es stelle sich daher die Frage, ob all diese negativen Auswirkungen weniger wiegen als 18 Minuten Fahrzeitverkürzung.

Hermann Dedert: „Keine Milliarden für wenige Minuten! Ein verantwortungsvoller Umgang mit Umwelt, Natur und den wertvollen landwirtschaftlichen Flächen sieht anders aus.“ Es sollte daher ernsthaft und konstruktiv über den Ausbau und die Ertüchtigung der vorhandenen Strecke diskutiert werden, statt voreingenommen eine Neubautrasse zu favorisieren.

 

CDU-Kreisverband

Auch der CDU-Kreisverband bezieht in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme Position zu dem aktuellen Verfahren. „Wir setzen uns dafür ein, dass die Variante ausgewählt wird, die die geringsten Eingriffe in Natur und Landschaft mit sich bringt. Eine Zerschneidung der Landschaft lehnen wir ab“, sagt Kreisvorsitzender Dr. Tim Ostermann. Die neue Trasse sollte die bisherige Streckenführung von Bielefeld nach Bad Oeynhausen nutzen und erst dort von der Bestandsstrecke abzweigen. So würde sie bereits nach wenigen hundert Metern an der A 2 entlanggeführt werden können.

Eine Neubaustrecke bereits ab Bielefeld-Brake würde bei einen relativ geringen zusätzlichen verkehrlichen Nutzen „unzumutbare Beeinträchtigungen für Mensch, Natur und Umwelt“ mit sich bringen. Auch mit der favorisierten Lösung seien die Verkürzung der Reisezeit, die Einführung eines Deutschland-Takts und die Steigerung der Kapazität für den Regionalverkehr möglich. Ostermann: „Wir sind uns sicher, dass dies für unsere Region ein wichtiger Pluspunkt wäre. Zudem ist eine Stärkung des Bahnverkehrs ein entscheidender Faktor für einen besseren Schutz unseres Klimas.“

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