Stadt und Mendel-Grundmann-Gesellschaft legen Kränze am jüdischen Friedhof nieder
„Das Gedenken aufrecht erhalten“

Vlotho (WB). Es ist eine ganz stille Gedenkstunde am Dienstagmorgen auf dem jüdischen Friedhof. Bürgermeister Rocco Wilken und Pfarrerin Angela Winkler von der Mendel-Grundmann-Gesellschaft sind gekommen, um Kränze am Ehrenmal am jüdischen Friedhof an der Wasserstraße niederzulegen. Anlass ist die Erinnerung an die Schrecken der Reichspogromacht, die am 10. November 1938 auch Vlotho erreichten.

Mittwoch, 11.11.2020, 04:30 Uhr
Bürgermeister Rocco Wilken und Pfarrerin Angela Winkler haben Kränze zum Gedenken an die von den Nazis ermordeten ehemaligen jüdischen Mitbürger niedergelegt.

Angesichts des derzeitigen Corona-Lockdowns war auf eine Gedenkstunde mit Publikum und – wie in den Vorjahren – mit Beteiligung der Weser-Gymnasiasten verzichtet worden. „Wir haben uns angesichts der Corona-Krise dennoch für diese kleine, stille Gedenkfeier entschieden, weil es wichtig ist, die Tradition des Gedenkens weiter aufrecht zu erhalten“, sagte der Bürgermeister. Gerade in Zeiten, in denen es immer weniger Zeitzeugen der damaligen Geschehnisse gebe und rechte Gruppen heute immer stärker und aggressiver aufträten, sei diese Erinnerungskultur wichtiger denn je. Wilken: „Wir müssen daher diese Räume aufrecht erhalten, in denen wir den Opfern des Nationalsozialismus gedenken können.“

Erinnerung vor Ort lebendig halten

„Unsere Aufgabe ist es jetzt, in Zeiten, in denen unter anderem Fahrten zu den Gedenkstätten in den ehemaligen Konzentrationslagern nur schwer möglich sind, die Jugend für dieses Gedenken zu interessieren und diese Erinnerung auch hier vor Ort zu leben“, ergänzte Pfarrerin Angela Winkler. Ein gutes Beispiel dafür sei ein derzeit laufendes Projekt am Weser-Gymnasium, bei dem sich die Schüler über die Beschäftigung mit den in Vlotho verlegten Stolpersteinen mit dem Schicksal der ehemaligen jüdischen Mitbürger Vlothos auseinandersetzten.

Auch die Stelen auf dem jüdischen Friedhof, an denen am Dienstag die Kränze niedergelegt wurden, erinnern an diese 43 ehemaligen jüdischen Mitbürger Vlothos, die während des Holocausts von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet worden waren. Die Stelen, auf denen diese 43 Namen zu lesen sind, waren im Jahr 1969 am Rande des jüdischen Friedhofs errichtet worden.

 

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