Buchhalterin aus Vlotho verurteilt: zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung
Fast 250.000 Euro abgezweigt

Vlotho (WB). Sie war in dem kleinen Vlothoer Betrieb alleine für die Buchhaltung verantwortlich. Sie hatte eine Vertrauensstellung und sie hat das Vertrauen ausgenutzt: Über einen Zeitraum von vier Jahren hat die Bürokauffrau insgesamt 244.115 Euro abgezweigt.

Dienstag, 03.11.2020, 04:07 Uhr aktualisiert: 03.11.2020, 04:10 Uhr
Im Laufe von vier Jahren hat die Buchhalterin fast 250.000 Euro aufs eigene Konto überwiesen. Foto: dpa

Im Laufe des Jahres 2015 buchte sie etwas mehr als 26.000 Euro auf ihre Konten um, im nächsten Jahr 51.000 Euro, dann 47.000 Euro und im Jahr 2018 knapp 120.000 Euro. Geld, das offensichtlich benötigt wurde, um Schulden ihres Mannes zu begleichen. Die Staatsanwältin sprach angesichts von 123 Fällen von „gewerbsmäßigem Handeln“, von „erheblicher krimineller Energie“ und von einem „ausgereiften System“ zur Verschleierung. Dieses System mit fingierten Lieferantenrechnungen und Lohnkosten habe so lange funktioniert, bis die Angeklagte es übertrieben habe.

Schuldanerkenntnis unterschrieben

Der Sparkasse Herford bemerkte den Betrug im Dezember 2018. Die Chefs fielen aus allen Wolken und stellten ihre langjährige Mitarbeiterin zu Rede. Die Frau erhielt die fristlose Kündigung und unterschrieb ein Schuldanerkenntnis. Am Montag ist sie vom Amtsgericht Bad Oeynhausen zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden – weil sei geständig ist und versucht, ihre Schuld zu begleichen mit einer Bewährungsfrist von vier Jahren. Der Richter folgte damit in etwa dem Antrag der Staatsanwältin, die hatte für eine um ein Jahr kürzere Bewährungsfrist plädiert.

„Es kommt nur selten vor, dass ich dem zustimme, was die Staatsanwaltschaft fordert“, sagte Verteidigerin Zeliha Evlice. Die Aussetzung der Freiheitsstrafe zur Bewährung berücksichtige in diesem Fall das Schuldanerkenntnis ebenso wie das Bemühen, den Schaden wieder gut zu machen. Die Angeklagte nahm das Urteil an. Unter Tränen sagte sie in ihrem Schlusswort: „Es tut mir Leid. Ich wollte, ich könnte es rückgängig machen. Ich wollte der Firma nicht schaden.“

Seit der Ausbildung im Betrieb

Die Frau kennt den Zwölf-Mann-Betrieb seit ihrer Ausbildung. Als vor ein paar Jahren in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Inhaber wechselten, waren die neuen Chefs froh, sich nicht auch um die Buchhaltung kümmern zu müssen. „Wir hatten gut zu tun, aber es fehlte trotzdem das Geld“, sagte einer der Geschäftsführer im Zeugenstand.

Als dann die Sparkasse anrief und auf „unplausible Buchungen“ auf das Konto der Mitarbeiterin hinwies, sei der Grund für die schwierige finanzielle Situation klar geworden. Seine Mitarbeiterin habe das in sie gesetzte Vertrauen missbraucht: „Sie hat gewusst, dass ich alle Hände voll zu tun habe, damit der Betrieb wieder läuft.“ Die Buchhalterin habe es ausgenutzt, dass sie ohne Rücksprache die Finanzen regeln konnte.

Neue Stelle in Aussicht

Wenige Tage, nachdem der Betrug aufgeflogen war, traf man sich beim Notar. Das dort unterschriebene Schuldanerkenntnis habe ihr die Augen geöffnet, sie gebe alles zu und sei bemüht, ihre Schuld in monatlichen Raten abzubezahlen, ließ die Angeklagte zu Beginn der Verhandlung durch ihre Verteidigerin erklären.

Die Buchhalterin lebt derzeit vom Arbeitslosengeld. Eine neue Stelle habe sie in Aussicht, sagte die Verteidigerin. Der neue Arbeitgeber mache die Zusage auch vom Ausgang dieses Strafverfahrens abhängig. Inzwischen sind 1.200 Euro in bar oder durch Pfändungen zurückgezahlt worden. „Der Rest wird Sie noch sehr lange begleiten“, stellte der Richter fest.

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