Abstände und Absagen: Vlothoer Chöre leiden unter den Folgen der Pandemie
Corona gibt den Takt vor

Vlotho (WB). Die Zeiten sind hart für die Vlothoer Chöre. Seit Beginn der Corona-Pandemie mussten die wöchentlichen Proben und zahlreichen Auftritte abgesagt werden, durfte in Gottesdiensten nicht gesungen werden. Dann vor einigen Wochen das große Aufatmen: Die Proben dürfen wieder stattfinden. Aber angesichts des geforderten Mindestabstands zwischen den einzelnen Sängerinnen und Sängern von anfangs drei Metern und mittlerweile zwei Metern ist es längst nicht allen Chören vergönnt, sich zum Singen zu treffen. Und die aktuell enorm steigenden Infektionszahlen auch im Kreisgebiet machen die Situation nicht einfacher.

Sonntag, 25.10.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 25.10.2020, 05:20 Uhr
St. Stephans-Kantorin Liga Auguste misst mit dem Zollstock die korrekten Abstände ab. Zwei Meter müssen zwischen den Sängerinnen und Sängern liegen. Foto: Sonja Töbing

Liedertafel Germania

Svetlana Hoffmann, die sowohl die Vlothoer Liedertafel Germania als auch den Herforder Chor TonArt19 leitet, hat gemeinsam mit Leni Niedernolte, Walther Magnus und Natalia Klat einen Brief aufgesetzt, um für Verständnis zu werben. Darin heißt es unter anderem: „Es ist eine demokratische Zumutung, so hat unsere Kanzlerin Angelika Merkel das Coronavirus genannt, aber es ist auch eine persönliche Zumutung. Seit Monaten unterdrückt es unser gemeinsames soziales Leben. Wir können nirgendwo singen, weil die Gefahr einer Ansteckung einfach zu groß ist und wir zu dem gefährdeten Personenkreis gehören.“ In den vergangenen Wochen hätten Leni Niedernolte und Walther Magnus alle Hebel in Bewegung gesetzt, um passende Räumlichkeiten für die Proben zu finden. Jedoch ohne Erfolg.

„Leider ist die Situation in Vlotho die, dass sämtliche große Räumlichkeiten wie Aulen, Gemeindesäle und Schützenhallen von anderen Institutionen belegt sind. Selbst die Stadt Vlotho muss für Ratssitzungen auf andere Räumlichkeiten als das Rathaus ausweichen.“ Leni Niedernolte habe sich sehr bemüht, sei aber leider nirgendwo erfolgreich gewesen. „Es stellt sich zudem die Frage, ob wir in dieser kritischen Zeit singen wollen und uns der Gefahr einer Infektion aussetzen oder doch lieber Einsicht, Rücksicht und Disziplin üben wollen.“

Solange sich die Situation nicht verbessere, werde es somit keine Proben für die Liedertafel geben. Hinsichtlich des Chores TonArt19 hofft Leiterin Svetlana Hoffmann, bald geeignete Räumlichkeiten in Herford zu finden. „Wir stehen in Verhandlungen, aber noch ist nichts sicher“, sagt die Vlothoerin.

Kantorei und Good News

Ein wenig besser sieht es bei der Kantorei und beim Gospelchor Good News der evangelischen Kirchengemeinde St. Stephan aus. Kantorin Liga Auguste hat beide Chöre in jeweils zwei Gruppen eingeteilt und misst vor jeder Probe die Abstände mit dem Zollstock aus. „Wir haben Glück, dass das Gemeindehaus hier genügend Platz bietet, aber soviel Glück haben viele Chöre nicht“, sagt die Musikerin. Trotzdem: Mehr als 15 Personen dürften sich nicht im großen Saal im ersten Obergeschoss aufhalten. Von Mitte März bis Ende August habe es keine Proben gegeben, viele Mitglieder hätten das Singen und das Miteinander vermisst. Seitdem die Proben wieder begonnen haben, ist die Zahl der Aktiven trotzdem stark zurück gegangen. „Die Kantorei hat normalerweise mehr als 40 Mitglieder, jetzt kommen nur rund 24 oder noch weniger“, ist Liga Auguste traurig über die Entwicklung. Viele Sängerinnen und Sänger wollten einander schonen, das sei natürlich verständlich.

Auf Probestunden via Zoom habe sie bewusst verzichtet. „Das wäre für mich nicht authentisch gewesen.“ Eigentlich wollten sie und ihre Schützlinge am ersten Advent das traditionelle Jahreskonzert geben, doch derzeit stehe der Auftritt noch in den Sternen. „Das Programm hatte ich schon entsprechend angepasst, weil wir so anspruchsvolle Stücke wie im vergangenen Jahr momentan nicht meistern könnten“, betont die Kantorin.

Nachdem der Kreis Herford nun auch zum Risikogebiet zähle, befürchte sie, dass die Proben von kommender Woche an abgesagt werden müssen. „Für die Sängerinnen und Sänger ist das natürlich schade. Die Stimme leidet darunter, wenn nicht regelmäßig geübt wird.“ Und ohne ein Ziel vor Augen, wie beispielsweise das Adventskonzert, fehle vielen die Motivation.

Highway-Singers

Anders als die anderen Chöre muss sich der Exteraner Gospelchor Highway-Singers momentan noch keinerlei Sorgen um Probenräume oder Abstandsregeln machen. Denn Leiterin Kristina Voß ist im Mai Mutter geworden. „Unser Chor befindet sich momentan in der Babypause“, sagt Voß und lacht. Allerdings wolle man Anfang des neuen Jahres wieder langsam mit dem Singen beginnen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7645662?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514631%2F
Weihnachtsferien sollen auf 16. Dezember vorgezogen werden
Stühle sind in einem Klassenzimmer hochgestellt. Die Weihnachtsferien sollen in diesem Jahr früher stattfinden.
Nachrichten-Ticker