Initiative Deutschlandtakt schlägt Prüfung einer langsameren ICE-Route vor
Alternative über Bad Oeynhausen

Vlotho (WB). Der Bau der ICE-Trasse über das Gebiet von Vlotho und Kalletal ist aus Sicht der Bahn eine sehr realistische Option . Es gibt aber eine Alternative, und die müsse von den Verantwortlichen ebenfalls sehr gut geprüft werden. Das sagt Rainer Engel von der Initiative Deutschlandtakt gegenüber dem WESTFALEN-BLATT.

Dienstag, 06.10.2020, 04:20 Uhr
Mit dem Deutschlandtakt soll das Reisen mit der Bahn im ganzen Land schneller werden. Foto: Christoph Soeder / dpa

Zwei Varianten

Die Alternative ist der Ausbau der vorhandenen viergleisigen Strecke zwischen Bielefeld und Bad Oeynhausen und eine daran anschließende Neubaustrecke Richtung Hannover. Für diese anschließende Neubaustrecke gebe es zwei Varianten: 1. über Stadthagen und 2. an Rehren vorbei etwa entlang der A2. Die Anbindung auf einer 20 Meter breiten Trasse würde durch den Bereich der Autobahnanschluss-Stelle Porta führen und dann im Bereich der Weserbrücke Bad Oeynhausen erfolgen. „Das ist so realistisch, dass man das planen sollte“, sagt Engel.

Kürzere Neubaustrecke

Die Alternative habe zwei Vorteile gegenüber der komplett neuen Trasse durch Vlotho: 30 Kilometer weniger Neubaustrecke und eine Verkürzung der Fahrzeit Amsterdam – Osnabrück – Hannover um 15 Minuten.

Aus Sicht der Planer gebe es allerdings einen großen Fehler: Die Fahrt dauere dann 36 Minuten und nicht 31 Minuten, wie es der Ende Juni von Bundesverkehrsminister Scheuer veröffentlichte Zielfahrplan für den Deutschlandtakt vorgibt.

Längere Fahrzeit

Der Grund für die um fünf Minuten längere Fahrzeit: Nach einem Ausbau des vorhandenen Abschnittes zwischen Bielefeld und Bad Oeynhausen könne dort nur mit maximal 180 km/h gefahren werden, erst auf der anschließenden Neubaustrecke mit 300. Die angestrebten 31 Minuten seien jedoch nur mit einer komplett neuen, möglichst geraden ICE-Trasse über Vlotho zu erreichen.

Die Variante der Neubaustrecke Bielefeld – Hannover, die die bisherige Fahrzeit von 49 auf 31 Minuten verkürzt, habe einen hohen Stellenwert und sei bereis in zwei Gesetzen aufgenommen, bestätigt Rainer Engel. Die „Ideallinie“ einer solchen Neubaustrecke führe tatsächlich über Bad Salzuflen, Vlotho und Kalletal: „Es ist sehr realistisch, dass Vlotho von der Neubaustrecke betroffen sein wird.“ Eine konkrete Planung gebe es derzeit definitiv noch nicht. Der Planungsauftrag an die Bahn stehe jedoch unmittelbar bevor. Die Bürgermeister von Vlotho und Kalletal haben bereits ihren Protest angekündigt .

Über Fahrplan diskutieren

Die Verlängerung der Fahrzeit um fünf Minuten hätte erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Fahrplan des Deutschlandtaktes beziehungsweise auf andere Streckenabschnitte. Reiner Engel: „Wir müssen deshalb noch einmal über den Fahrplan diskutieren: Kommen wir mit 36 Minuten zwischen Hannover und Bielefeld hin oder brauchen wir tatsächlich 31 Minuten?“ Das sei eine politische Entscheidung, die letztlich der Bundestag treffen müsse.

In einem öffentlichen Online-Seminar hatte sich der Verkehrsclub Deutschland (VCD) am Donnerstagabend mit dem Thema „Deutschlandtakt und Zielfahrplan – Welche Trasse Bielefeld – Hannover braucht die Bahn?“ beschäftigt. In diesem Seminar war zunächst das Verfahren der Bürgerbeteiligung vorgestellt worden, wie es im „Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetz“ für dieses Projekt festgelegt ist. Statt langwieriger Planfeststellungsverfahren werde eine Genehmigung durch Gesetzbeschluss erfolgen: Die Gesetzgebung schaffe Baurecht, gegen das nur vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt werden könne.

Kritik der Grünen Liste

„Die tatsächlichen Einspruchsmöglichkeiten sind durch dieses Verfahren stark eingeschränkt, das stellt GLV-Fraktionschef August-Wilhelm König fest, der vor einer Woche mit der Grünen Liste Vlotho zu der ersten Informationsveranstaltung eingeladen hatte und jetzt zu den Teilnehmern des Seminars gehörte. Üblicherweise würden in Planfeststellungsverfahren die verschiedensten Interessen berücksichtigt. Am Ende könnten Planungen verändert oder ganz gestoppt werden. König: „Beim Bau der ICE-Trasse durch Vlotho und Kalletal kann das Verfahren gnadenlos durchgezogen werden.“

August-Wilhelm König kritisiert außerdem, dass die von jetzt Rainer Engel vorgestellte Alternative nicht neu sei: „Aufgrund dieser alten Planungen sind bereits verschiedene Bürgerinitiativen gegründet worden.“

Kommentare

Hermann  wrote: 06.10.2020 14:03
" [...] Neubaustrecke führe tatsächlich über Bad Salzuflen, Vlotho und Kalletal [...] Die Bürgermeister von Vlotho und Kalletal haben bereits ihren Protest angekündigt . "

Ich hoffe, dass bald auch Bad Salzuflen einstimmen wird?! Eine gute Gelegenheit für den neuen BM, Herrn Tolkemitt (CDU), sich zu positionieren! Und auch der derzeit noch amtierende Herr Dr. Thomas (SPD) darf sich zu Wort melden und so zeigen, dass wahres Interesse für die Salzestadt und ihre Bürger (trotz mangelnder Mehrheit bei der Kommunalwahl) vorhanden ist...wobei ich daran nicht grundsätzlich zweifele.
Jedenfalls würde das "Größe" zeigen!

Neben den Bürgermeistern sind nun ganz konkret und zeitnah(!) auch die VolksvertreterInnen (insbesondere Bündnis 90/Die Grünen aus Bad Salzuflen als großer Stadtverband mit erfreulich vielen Wählerstimmen) der betroffenen Kommunen gefragt, ebenso die örtlichen Naturschutzverbände NABU und BUND u. v. m.

Verfolgt man die sich aktuell beinahe überschlagende Berichterstattung, so scheinen Deutsche Bahn und BMVI recht entschlossen, auch wenn es eine konkrete Planung derzeit noch nicht geben soll...
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