Vlothoer „Fernblick“: Friedrich-Wilhelm Biermann plant Transport nach Afrika
Rollatorberg soll Hilfslieferung werden

Vlotho (WB). Wo einst das Vlothoer Hotel „Fernblick“ stand, erhebt sich jetzt ein Berg aus Toilettenstühlen und Rollatoren. Auch zwei mit Säcken und Kisten vollgestopfte Fahrzeuge parken auf dem Gelände, das einem fraktionslosen Mitglied des Stadtrats Bad Salzuflen gehört.

Mittwoch, 08.07.2020, 10:05 Uhr aktualisiert: 08.07.2020, 11:00 Uhr
Dieser Anblick irritiert. Doch was hier an der Langen Wand liegt, soll nicht in Vlotho bleiben: Der Besitzer des Geländes plant, mit den ausrangierten Gehhilfen behinderten und alten Menschen in Nigeria zu helfen. Allerdings sei der Transport dorthin sehr kostspielig. Foto: Heike Pabst

Dieser Zustand des Grundstücks an der Langen Wand auf dem Winterberg gefällt nicht jedem. Dem Vlothoer Jürgen Koch ist die Sache ins Auge gefallen. Er spricht von einem „öffentlichen Ärgernis“ und sorgt sich sowohl um die Sicherheit von spielenden Kindern als auch darum, dass dort eine wilde Müllkippe entstehen könnte: „Wo etwas liegt, da legt mancher dann gerne noch etwas dazu.“ Ein Schild weist darauf hin, dass das Betreten des Grundstücks verboten ist, doch eine Absperrung gibt es nicht.

Umweltamt ist involviert

Eigentümer Friedrich-Wilhelm Biermann aus Bad Salzuflen will alles daran setzen, dass es auf seinem Grundstück bald besser aussieht. Er plant eine Hilfslieferung des gesammelten Materials nach Nigeria.

Am Verlauf dieses Vorhabens ist auch das Umweltamt des Kreises Herford interessiert. „Wenn so etwas an uns herangetragen wird, schauen wir uns das natürlich an“, sagt Andreas Henke vom Umweltamt. Nachdem die Behörde mit Biermann Kontakt aufgenommen und erfahren hat, dass es sich bei dem Haufen auf dem Gelände nicht um Schrott, sondern um ein Wirtschaftsgut handele, hat sie ihm nun bis Ende der Woche Zeit gegeben, folgende Fragen zu beantworten: „Wie lange sollen die Sachen noch gelagert werden? Wer übernimmt dann den Transport?“

„Mein Lieblingsgrundstück“

Vor sieben Jahren ist das für seine spektakuläre Aussicht bekannte, aber durch einen Großbrand schwer beschädigte Hotel „Fernblick“ abgerissen worden. Biermann, der die Anlage auf 8632 Quadratmetern 2012 für 100.000 Euro gekauft hatte, wollte damals drei Baugrundstücke aus dem Gelände machen, wobei er eines selbst nutzen wollte. Es habe auch Interessenten gegeben, doch zu einem Verkaufsabschluss ist es nicht gekommen.

Noch immer schwärmt Friedrich-Wilhelm Biermann von der guten Luft auf dem Winterberg und dem Blick ins Tal: „Das ist mein Lieblingsgrundstück und ich versuche, es einigermaßen in Ordnung zu halten.“ Ihm gefalle selbst nicht, wie es sich gegenwärtig präsentiere. „Und es ist auch nicht gut für die Rollstühle, wenn die im Regen stehen.“

Transport ist teuer

Der 74-Jährige sagt, er habe durch Reisen angefangen, sich für Afrika zu interessieren. Darum habe er einen in Vlotho wohnenden Kontaktmann mit dem Zusammentragen von Material für die geplante Hilfslieferung beauftragt. Biermann beklagt die hiesige Wegwerfgesellschaft und betont, die Menschen in Nigeria würden fast alles wiederverwerten. Die Sammlung der Hilfsgüter dauere allerdings nun länger als geplant. „Im Moment hakt das etwas.“

Ein Grund dafür sei auch, dass der Transport so teuer sei. „Ich versuche zu erreichen, dass Sponsoren den Transport für mich übernehmen. Ich habe das bereits mit einem Hamburger Reeder besprochen“, so Biermann. Auch ein Verein „Nigeriahilfe“ sei bereits in Gründung.

Ein anderes Hilfsprojekt, das er anstoßen wollte, ist bislang noch nicht erfolgreich gewesen: Friedrich-Wilhelm Biermann hatte geplant, nicht mehr benötigte Flüchtlingsunterkünfte für einen Euro von der Stadt Bad Salzuflen zu übernehmen, sie nach Afrika zu verschiffen und dort als Krankenhäuser wieder aufzubauen. So könnten auch Fluchtursachen bekämpft werden, sagt Biermann. Die Stadt Bad Salzuflen befindet sich nach Angaben von Sprecherin Lea Schmidt noch in der Prüfung des Vorhabens.

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