Drei IT-Fachleute aus Vlotho setzen auf QR-Code
Alternative zu Corona-Listen in Cafés

Vlotho (WB). Drei Digital-Tüftler aus Vlotho haben sich überlegt, wie beim Restaurantbesuch auf das Ausfüllen der Corona-Liste verzichtet werden kann – ganz ohne App. Sie halten ihre Idee für überzeugend, haben aber Schwierigkeiten beim Vermarkten.

Donnerstag, 11.06.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 11.06.2020, 05:01 Uhr
Conner Kuhlmeyer (v.l.), Kevin Heide und Florian Zimmermeister – mit Hund Willi – haben die Idee für Vireless entwickelt und suchen jemanden, der es in den Markt bringt. Foto: Quebbemann

Der Restaurantbesuch ist im Moment ja mit etwas mehr Aufwand verbunden. Reingehen, Tisch aussuchen, bestellen – so einfach geht es nicht mehr. Listen liegen aus, in die man sich eintragen muss – oft mit Namen, Adresse und Telefonnummer.

Genau das aber hat jetzt die drei Tüftler des Vlothoer Start-Ups „A\\Ware“ auf den Plan gerufen. Denn alle drei haben unabhängig voneinander die gleichen Erfahrungen gemacht. „Man trägt sich mit ein- und demselben Kugelschreiber in eine Liste ein“, sagt Conner Kuhlmeyer. Bei einem Virus wie dem Corona-Virus, das hoch ansteckend sei, vor allem über Kontakte, sei das bedenklich.

Ersatz für die Zettel

„Darüber hinaus kann man in der ausliegenden Liste oft nicht nur den Namen anderer Leute sehen, sondern auch deren Telefonnummer und Adresse“, sagt Kevin Heide. Vor dem Hintergrund der vor zwei Jahren eingeführten DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) „ein absolutes No-Go“. Gemeinsam mit dem dritten „A\\Ware“-IT-Experten, Florian Zimmermeister, haben sich Kevin und Conner zusammengesetzt und nachgedacht, wie man die Zettel ersetzen kann. Eigentlich sind die drei mit ihrem Start-Up in einem etwas anderen Feld unterwegs – nämlich der praktischen Implementierung von Künstlicher Intelligenz und Datenschutz. Aber letztlich ist alles Digitale ihr Steckenpferd.

Nach drei Tagen hatten die drei ihre Idee umgesetzt. Die Vorführung von „Vireless – der Covid-19-Besuchererfassung“, so der Name der IT-Lösung, klappt, und die Anwendung ist einfach. Dafür benötigt man weder eine App noch eine andere Software, die man herunterladen und installieren müsste. Vielmehr gibt es zwei Seiten im Internet. Die eine ist für den Kunden, die andere für den Gastronomie-Betreiber. Hat der Kunde sich einmalig per Handy mit Name, Adresse und E-Mail in die Maske eingetragen, wird ein QR-Code erstellt. Beim Betreten des Restaurants kann der Wirt den Code mit seinem Handy scannen. Er sieht nur den Namen, alle anderen Informationen bleiben für vier Wochen verschlüsselt auf dem Server hinterlegt.

Sammeln entfällt

„Der Kunde und der Gastronom haben also lediglich ihre Handys angefasst“, sagen Conner und der 20-jährige Florian. Und auch der DSGVO sei absolut Genüge getan. Denn außer dem Namen bleiben alle Datensätze geheim. „Die Daten werden zudem automatisch nach vier Wochen gelöscht“, fügt Kevin Heide an. Das Sammeln und spätere Wegwerfen von Papierstapeln entfällt also ebenfalls.

Im Falle einer Corona-Infektion eines Gastes bekommt das Gesundheitsamt Zugriff auf die Kontaktinformationen. Außerdem wird automatisch eine Mail losgeschickt, um die möglicherweise betroffenen Gäste zu informieren, dass es zu einer Ansteckung gekommen sein und ein Corona-Test notwendig werden könnte.

Ein weitere Pluspunkt: „Wenn ich regelmäßig in eine Café oder Restaurant gehe, muss der QR-Code nicht immer neu generiert werden“, sagte Kevin Heide. Er braucht nur noch am Eingang vorgezeigt zu werden. Nach dem Scannen kann der Kunde dann völlig ohne weiteren Aufwand seinen Kaffee genießen.

Lösung soll helfen

Für alle Beteiligten scheint diese Lösung Vorteile zu haben. Das Problem an der Sache ist jedoch: Bislang sind Conner, Kevin und Florian jedes Mal bei der Vorstellung ihrer Lösung auf taube Ohren gestoßen. Bis zum Landesdatenschutzbeauftragten haben sie es versucht. Entweder sei ihnen gesagt worden, dass man nicht zuständig sei und habe sie weitergeleitet, oder „wir haben gleich ein Besetztzeichen gehört“, sagt Conner.

Dabei geht es „A\\Ware“ gar nicht um den schnellen Euro. „Wir wollen damit nicht das große Geschäft machen. Es geht uns darum, dass es gemacht wurde und wir diese Lösung jetzt als Hilfe zur Verfügung stellen wollen.“

Das Vlothoer Start-up sei auch bereit, sein Produkt aus der Hand zu geben. Wichtig sei ihnen, dass die richtigen Stellen die Möglichkeiten ihrer Lösung erkennen würden. „Es gehts uns darum, die Lösung mit Behörden zu besprechen, damit sie eine Möglichkeit haben, Gastronomen zu unterstützen und mehr für die Digitalisierung zu tun.“

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