Auch Vlothos Kitas öffnen wieder – Leitungen loben Zusammenarbeit mit den Eltern
„Kinder brauchen Kinder“

Vlotho (WB). Auf diesen Tag warten Eltern und Kinder schon lange: Heute, am 8. Juni, wird das Betretungsverbot für die Kindertagesbetreuungsangebote in Nordrhein-Westfalen aufgehoben und ein eingeschränkter Regelbetrieb aufgenommen. Die Vlothoer Kindertageseinrichtungen haben sich intensiv auf die Wiedereröffnung vorbereitet und blicken zugleich auf die Zeit seit Beginn der Corona-Krise zurück.

Montag, 08.06.2020, 06:02 Uhr aktualisiert: 08.06.2020, 09:52 Uhr
Ulla Stemmer, Leiterin der evangelischen Kita St. Stephan (links) und Alexander Flechtner, Leiter der Kita Vlohzirkus, weisen auf die neuen Regeln in den Einrichtungen hin. Foto: Sonja Töbing

„Die vergangenen Wochen waren sehr aufregend und mit vielen Veränderungen verbunden. Unsere Arbeit lebt von Nähe und direktem Kontakt. Diese zwei Dinge sind natürlich in Zeiten von Corona nicht zwingend erwünscht“, heißt es in einer Stellungnahme, die alle Vlothoer Kindertageseinrichtungen gemeinsam für diese Zeitung verfasst haben. Trotz aller Beschränkungen habe man versucht, den Kindern in der Notbetreuung „in dieser verrückten Zeit ein schönes Umfeld zu bieten“.

Rückblick der Kita-Leitungen

Die ersten Tage Mitte März seien jedoch alles andere als einfach für die Erzieherinnen und Erzieher gewesen. „Das war ein sehr großer Aufwand, da man in fast allen Bereichen neue Strukturen schaffen musste, egal ob in der Arbeit mit Kindern oder in der gemeinsamen Teamarbeit“, heißt es in dem Schreiben. Aber auch neue Wege in der Kommunikation mit Mitarbeitern im Homeoffice habe man finden müssen.

Als sich nach und nach immer mehr herauskristallisierte, dass das Corona-Virus nicht so schnell verschwinden würde, galt es für die Leitungen und ihres Teams, kreative Lösungen zu finden. „Wir haben angefangen, Videochats, Briefe für die Kinder, Videos in den sozialen Medien, telefonische Elterngespräche, Bildungsmaterial auf der Homepage und ähnliches anzubieten, je nachdem, was in den einzelnen Einrichtungen möglich war.“

Nach anfänglicher Skepsis seitens der Eltern seien immer mehr Kinder in die Notbetreuung gekommen, zuletzt habe die Auslastung bei 50 Prozent gelegen. Die Zusammenarbeit mit den Eltern sei stets sehr gut gewesen. „Die Notbetreuung wurde von den Eltern wirklich als letzter Ausweg genutzt, dafür möchten wir allen Danke sagen.“

Keine Mischung der Gruppen

Für die kommenden Wochen sehen sich die Vlothoer Kindertageseinrichtungen gut aufgestellt: „Durch die reduzierten Betreuungszeiten können wir als Einrichtungen gewährleisten, dass, je nach Personalstand, alle Kinder den Kindergarten besuchen können.“

Gruppenübergreifendes Arbeiten, wie es vor Corona praktiziert wurde, sei momentan nicht möglich und personell auch nicht leistbar. „Da das in diesen Zeiten nicht erlaubt ist, kann den Kindern durch reduzierte Öffnungszeiten die Möglichkeit gegeben werden, den Kindergarten zu besuchen und vom selben Gruppenpersonal betreut zu werden.“

Alle Beteiligten seien mehr als froh und erleichtert darüber, dass es wieder losgehe. „Kinder brauchen Kinder, um sich zu entwickeln, sie lernen miteinander und voneinander“, heißt es in der Stellungnahme.

Erfahrungen der Eltern

Sehr froh über die Wiedereröffnung ist auch Jennifer Kleemeier aus Valdorf, deren Tochter Enie in den Kindergarten Topsi geht. „Als Pflegefachkraft war ich in den vergangenen Wochen auf meine Eltern angewiesen, die Enie betreut und versorgt haben.“ Ihre Tochter, die jetzt im Sommer zur Schule komme, habe aufgrund der Pandemie viele Veranstaltungen und die Vorbereitung auf die Schulzeit verpasst.

„Ich bin dankbar, dass jetzt wieder ein wenig Normalität in unser Leben tritt. Trotz des Ideenreichtums meiner Eltern, die viel Kreativität walten lassen mussten, um die Beschäftigung und Förderung während meiner Dienste abzudecken, gehen irgendwann die Ideen aus“, betont die Valdorferin, die mehrere Kinder hat.

Auch die Exteraner Kinderbuchautorin Kathrin Eimler, die als Erzieherin in einer Herforder Einrichtung tätig ist, freut sich auf den 8. Juni. „Kinder brauchen Kinder. Als Spielpartner, zum Erzählen und zum Grenzen testen. Das hat man auch in der Notbetreuung gemerkt“, sagt die Mutter einer zehnjährigen Tochter.

Von der Reduzierung der Stundenzahl halte sie indes wenig: „Das finde ich unglücklich, denn Eltern buchen nicht umsonst 45 Stunden, wenn sie diese nicht brauchen würden. In der Notbetreuung konnten die Stunden gut ausgeschöpft werden, und nun werden sie reduziert. Es kann gut sein, dass es in einigen Kitas Personalengpässe gibt und diese durch die Stundenreduzierung aufgefangen werden können. Für die Eltern, die die Betreuungszeit aber brauchen, finde ich das nicht gut.“

Die neuen Regeln

In allen Kitas müssen die Hygieneregeln eingehalten werden, dazu gehören das Händewaschen, Niesen in die Ellenbeuge und Abstand halten. Alle Personen, die in die Einrichtung kommen, müssen schriftlich festgehalten werden (ähnlich wie im Restaurant). Eltern dürfen die Einrichtung nur noch in absoluten Ausnahmefällen betreten. Die Kinder werden an der Tür begrüßt und von den Erziehern begleitet, in den meisten Kitas kann in den engen Garderoben der Abstand gerade in Bring- und Abholphasen nicht eingehalten werden. Die einzelnen Gruppen dürfen nicht gemischt werden und sollen möglichst immer vom selben Personal betreut werden. Die Gruppen sollen sich im Haus und auf dem Außengelände nicht begegnen. Kinder mit leichten Erkältungsanzeichen dürfen die Kita nicht betreten.

Die Betreuungszeiten werden reduziert. Eltern, die 45 Stunden gebucht haben, dürfen ihr Kind nur noch 35 Stunden betreuen lassen, bei vorher gebuchten 35 Stunden reduziert sich der Umfang auf 25 Stunden, bei 25 Stunden auf 15 Stunden.

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