Christiane Höhmann hat in Vlotho ihren neuen Roman „Letztes Licht“ geschrieben
Wenn Eltern loslassen müssen

Vlotho/Paderborn (WB). Die Paderborner Autorin Christiane Höhmann hat in ihrem Ferienhaus in Vlotho-Borlefzen ihren neuesten Roman fertiggestellt. „Letztes Licht“ erscheint im Mai und erzählt sensibel und zugleich ausdrucksstark die Geschichte eines ausgewanderten älteren Paares, das ein Kind an den „Heiligen Krieg“ verloren hat und nun auch mit der Demenzerkrankung der Ehefrau leben muss.

Montag, 04.05.2020, 16:06 Uhr aktualisiert: 04.05.2020, 17:00 Uhr
Zum Schreiben kehrt die Paderbornerin Christiane Höhmann stets zu ihrem Haus am Badesee in Borlefzen zurück. Auch ihr neues Werk, der Roman „Letztes Licht“, ist zwischen Herbst 2018 und Sommer 2019 an diesem Ort geschrieben worden. Foto: Heike Pabst

Zwischen Herbst 2018 und Sommer 2019 hat die Autorin, Oberstudienrätin und Dozentin mit einigen Unterbrechungen auf dem Borlefzer Campingplatz an ihrem jüngsten Werk gearbeitet. „Inzwischen verbringen wir nach Möglichkeit die Sommermonate am Stück in Borlefzen und genießen unser einfaches, naturverbundenes Leben hier, unterbrochen nur von meinen Terminen: Ich gebe derzeit Integrationskurse für Fachkräfte (DaF), momentan für Ärzte, in einem Team mit anderen Dozentinnen“, erzählt Christiane Höhmann.

In schwierige Themen eingelesen

Die Arbeiten zu „Letztes Licht“ benötigten viel Recherche im Vorfeld, da sich die Autorin gleich in mehrere komplexe Themen einarbeiten musste: „das Leben auf einer Insel in der Toskana, die Demenz und der Salafismus in Deutschland“, zählt die Paderbornerin auf. Vor allem der Aspekt, „dass hier viele Jugendliche zum Islam konvertieren und sich radikalisieren und dass es auch bei jungen Frauen und Mädchen geradezu Trend ist, in den ‚Heiligen Krieg‘ nach Syrien zu ziehen“, gab Christiane Höhmann einiges zu tun.

Bevor es ans Schreiben ging, las sie sich in diese Themen ein, befasste sich mit Demenz-Erkrankungen und mit Erfahrungsberichten von Eltern, deren Kinder nach Syrien gegangen sind und sich teilweise von ihren Eltern losgesagt haben, sowie mit Berichten von Aussteigern.

Entwicklungsroman statt Krimi

So ist diesmal kein Krimi entstanden – unter anderem die Bücher „Der stille Zeuge“ und „Puppenvater“ behandeln fiktive Kriminalfälle mit Bezügen zu Vlotho –, sondern der Entwicklungsroman einer Familie. Zentral ist die Perspektive des Vaters und Ehemanns Richard. Sein Blick auf die Ehe, die er mit Almut führt, und auf die Zeit, in der sie ihre Tochter Indra großgezogen haben, ist detailgenau und dennoch liebevoll, wenn auch etwas distanziert.

Die Rollenaufteilung in der Familie scheint klassisch und Richard hatte sich immer damit zufrieden gegeben. Doch er muss ein neues Selbstverständnis finden, denn zwei Katastrophen suchen die Familie heim und machen es unmöglich, einfach weiterzumachen wie bisher.

Zwischenmenschliche Spannung

Die Handlung setzt zu einem Zeitpunkt ein, als die Tochter Indra schon fünf Jahre lang verschwunden ist und die Eltern im Ungewissen über ihr Schicksal zurückgelassen hat. Sie haben sich in die Toskana zurückgezogen, doch die Naturidylle kann ihnen keinen inneren Frieden schenken. Die Situation spitzt sich durch Almuts Erkrankung zu, auch Richards psychische Verfassung verschlechtert sich dramatisch. Die zwischenmenschliche Spannung im Roman „Letztes Licht“ steigert sich und macht es dem Leser schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Kann man da auf ein „normales“ Happy End hoffen?

Christiane Höhmann lässt ihren Figuren viel Raum, sich zu zeigen und zu entwickeln. Sie sind nie eindimensional; ihre Handlungen sind realistisch. Mit leichtem erzählerischen Tonfall gelingt es ihr, gleichzeitig Hoffnung zu vermitteln und absolut ohne emotionalen Schwulst und unglaubwürdige Wendungen auszukommen.

Lesungen geplant

Christiane Höhmann wird „Letztes Licht“ auch bei Lesungen vorstellen. Derzeit sind Veranstaltungen geplant am 26. Juni, 19 Uhr im Prinzenpalais Bad Lippspringe, Arminiuspark, und am 4. November in der Bonifatius-Buchhandlung, Paderborn, Liboristraße. Die ursprünglich für Mai vorgesehene Premierenlesung im Haus der Kirche, Paderborn, Klingender Straße, ist auf den 16. September verschoben worden. Auch in Vlotho würde die Autorin gerne wieder lesen. Die durch Corona erschwerte Terminplanung ist derzeit noch in der Schwebe.

Christiane Höhmann : „Letztes Licht“, 15 Euro, 211 Seiten, Verlag kalliope paberbacks, ISBN 978-3-9820327-4-0

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