Börtebootunfall bei Heimatvereinstour im Juli 2018 – Geldauflage statt Prozess
Havarie hat kein Nachspiel vor Gericht

Vlotho (WB). Der Ausflug nach Oldenburg im Juli 2018 wird dem Heimatverein Vlotho wohl unvergessen bleiben. 21 Vereinsmitglieder waren an Bord des Börtebootes „Marianne“, das im Oldenburger Küstenkanal an der Hunte sank. Im letzten Moment hatte sich die Vlothoer und die übrigen Passagiere aus dem auseinander brechenden Boot retten können. Einige erreichten nur schwimmend das Ufer.

Freitag, 03.04.2020, 08:00 Uhr
Das war die Welt noch in Ordnung: 21 Mitglieder aus der Ausflugsgruppe des Vlothoer Heimatvereins haben das Börteboot au den Kanal im Oldenburger Hafen gerade bestiegen. Wenig später bricht das Boot auseinander. Die Passagiere werden nass können aber das sichere Ufer erreichen.

Damals hatte die Wasserschutzpolizei Brake und die Staatsanwaltschaft Oldenburg Ermittlungsverfahren gegen den Schiffseigner und den Schiffsführer der Marianne“ eingeleitet. Der Vorwurf lautete „Gefährlicher Eingriff in den Schiffsverkehr (Paragraf 315 STGB) sowie „Gefährdung des Schiffsverkehrs“ (Paragraf 315 a STGB). Ein Nachspiel vor Gericht wird es wohl nicht geben. Denn das Verfahren ist gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden. Das haben die Wasserschutzpolizei in Brake und auch Frank Passade, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bremen, auf Anfrage bestätigt. „Die Bremer Behörde hatte seinerzeit den Fall von der Staatsanwaltschaft Oldenburg übernommen, da das Schifffahrts- gericht Bremen für diesen Abschnitt niedersächsischer Binnenschifffahrtsstraßen zuständig ist“. erläuterte Bernd Könemann vom Ermittlungsdienst der Wasserschutzpolizei Brake.

Von der Einstellung des Verfahrens und der Geldauflage hatte Inge Wienecke vom Heimatverein, die die Reise damals geleitet hatte, auf Nachfrage bei der zuständigen Wasserschutzpolizei erfahren. Nach ihren Informationen sei die Verfahrenseinstellung gegen eine Geldauflage in vierstelliger Höhe erfolgt. Ein junge Frau, die zur Besatzung gehört habe, sei nicht mit einer Bußgeld belegt worden, da sie angesichts der Gefahrensituation den Kapitän zum Anlegen gedrängt hätte. Die Geldauflagen, so Inge Wienecke, seien der Deutschen Gesellschaft zu Rettung Schiffbrüchiger zugute gekommen. „Zudem hatte der Schiffeigner ziemlich bald nach dem Unfall alle Schäden, die unseren Mitgliedern, unter anderem durch die Nässe an Kleidung und Eigentum entstanden sind, erstattet, erklärte Inge Wienecke im Gespräch mit dieser Zeitung.

Rückblick

Was war damals auf der Reise nach Oldenburg genau passiert: Während 16 Teilnehmer der Reisegruppe des Heimatvereins das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg besichtigen wollten, hatten die übrigen 21 Vlothoer das hölzerne Börteboot »Marianne«, das früher zum Ausbooten großer Schiffe vor Helgoland diente, für eine Hafenrundfahrt bestiegen. »Dann geschah das Unvorhersehbare«, fasste damals Reiseleiterin Inge Wienecke das Geschehene zusammen: »Die 29 Passagiere der ›Marianne‹, darunter die 21 Vlothoer, erlebten nach einer halben Stunde Hafenrundfahrt, wie durch Ritzen von rechts und links das Wasser ins Boot eindrang und schließlich die Bodenbohlen des Bootes nach oben gedrückt wurden. Alle bekamen nasse Schuhe und Hosen, einige fielen ins Wasser, auch der Kapitän. Herbeieilende Boot hatten dann Schlimmeres verhindert.

Udo Kohlmeier, der im Heimatverein damals zum Betreuerteam des Vlothoer Heimatmuseums gehört, war in diesem Moment mit an Bord. »Als das Wasser immer stärker ins Boot eindrang, haben wir gedacht: Jetzt muss der Kapitän etwas tun. Wir müssen sehen, dass wir an Land kommen«, berichtet er im Juli 2018 dieser Zeitung unmittelbar nach der glücklichen Rückkehr der Gruppe.

Ermittlungsverfahren

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hatte ein Ermittlungsverfahren gegen die Eigner und den Schiffsführer eingeleitet. Bei der ersten Untersuchung des Bootes durch einen Sachverständigen hatten sich Anhaltspunkte dafür ergeben, dass sich das Boot »möglicherweise zum Unfallzeitpunkt nicht in einem zur Personenbeförderung verkehrstüchtigen Zustand« befunden habe, hieß es zu Beginn von Ermittlung und Verfahren, das nun eingestellt wurde.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7354625?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514631%2F
Ahlers baut 80 Arbeitsplätze ab
Ahlers-Firmenzentrale in Herford
Nachrichten-Ticker