Birte Werkmeister ruft über Facebook zur Herstellung von Mundschutzmasken auf
Selbst genäht statt ungeschützt

Vlotho (WB). Alles fing mit einem Video an, das Birte Werkmeister am Wochenende bei Facebook veröffentlicht hat. Darin schildert die Krankenschwester den Mangel an Mundschutzmasken. 15.000 Menschen haben das Video angeschaut, viele ihre Hilfe angeboten. Kurzerhand hat die 49-Jährige über die soziale Plattform eine Gruppe gegründet, über die sich nun Ehrenamtliche vernetzen, die selbst Masken nähen. 315 Mitglieder gibt es schon.

Samstag, 28.03.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 28.03.2020, 13:18 Uhr
Seit einigen Tagen näht Marion Seifert (links) Mundschutze. Die 46-Jährige bietet sie ehrenamtlich über die Facebook-Gruppe an, die Birte Werkmeister (rechts) ins Leben gerufen hat. Foto: Lydia Böhne

In ihrem vierminütigen Video macht Birte Werkmeister ein Szenario öffentlich, das sie aus ihrem eigenen Berufsalltag kennt. Die 49-Jährige arbeitet in einer Klinik in Bad Oeynhausen als Fachkrankenschwester, betreut dort onkologische Patienten. „Schon vor drei Wochen haben wir die Lagerbestände der Mundschutze geprüft und nachgeordert. Wir haben Zusagen von Lieferanten, aber es kommt nichts an“, berichtet die Krankenschwester. Die Folge: es fehlen Masken. So gehe es laut der 49-Jährigen vielen Kliniken, Praxen oder Pflegediensten. Anstatt zu warten, regt die Vlothoerin in dem Video dazu auf, selbst Masken zu nähen.

Masken erhöhen Schutz

Ein Vorschlag, der auch für Kritik gesorgt hat. Vor allem die Wirksamkeit wurde bemängelt. „Es geht bei der Aktion nicht um Masken, die vor dem Virus schützen. Dafür benötigt man spezielle FFP3-Masken. Die handgefertigten Exemplare können verhindern, dass man sich ins Gesicht fasst oder beim Sprechen oder Niesen die Tröpfchen verteilt werden“, klärt Birte Werkmeister auf. Sie könnten zwar nicht auf Corona-Stationen eingesetzt werden, dafür aber in anderen medizinischen Bereichen, im Einzelhandel oder bei Bedarf. „Sie sind besser als nichts und erhöhen zumindest den Schutz und wirken beruhigend“, ergänzt Birte Werkmeister.

Um die Wiederverwertbarkeit und Hygiene zu sichern, sollte für die Herstellung Baumwollstoff oder Leinen verwendet werden, die bei 95 Grad waschbar sind. Optimal ist eine Schicht Molton, die zwischen den äußeren Schichten eingenäht wird und sich beim Waschen weiter verdichtet. „In der Klinik, wo ich arbeite, sind auch schon zwei Wäscherinnen freigestellt worden, die seither Masken nähen“, berichtet Birte Werkmeister.

Gruppe gibt Nähanleitungen

Schon vor ihrem Aufruf gab es eine Facebookgruppe, die ehrenamtlichen Näherinnen in ganz Deutschland zusammenbrachte. Für die Überschaubarkeit auf lokaler Ebene hat Birte Werkmeister mit der Unterstützung von Kendra Zwiefka die Gruppe „Mundschutz Handmade with Love in OWL“ gegründet. Dort können Anfragen, Angebote oder Materialspenden eingestellt werden. Den Austausch regeln die Nutzer privat. Außerdem finden sich in der Gruppe Nähanleitungen.

Eins der 315 Mitglieder ist Marion Seifert. Die Vlothoerin hat wegen der Corona-Krise ihre Nähstube „Merrylou“ in Vlotho schließen müssen. Statt für den Verkauf näht die 46-Jährige nun ehrenamtlich Masken, die sie jeden Tag zur Abholung vor die Tür stellt. Die 40 Stück, die sie mit Unterstützung ihres Sohnes Justin (15) am Tag näht, sind schon nach kurzer Zeit vergriffen. Janine Loichen nimmt für den ambulanten Pflegedienst, bei dem sie arbeitet, gleich mehrere Masken mit. „Die bunten Masken kommen bei unseren Klienten ganz toll an. Ich persönlich finde die Aktion super, weil man die Masken waschen kann“, berichtet Janine Loichen.

Birte Werkmeister betont, dass die Ehrenamtlichen aus der Aktion keinen Profit erzielen sollen. Legitim sind kleine Spenden, die die Materialkosten decken. „Viele spenden ihren Erlös aber auch für wohltätige Zwecke“, ergänzt sie. Sie selbst sei von dem Zusammenhalt und der Resonanz berührt. Grund dafür könnte aber noch ein anderes persönliches Ereignis sein: „Ich habe am Mittwoch auch noch geheiratet“, verrät die Vlothoerin mit einem Lachen.

 

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