Kurt Knäble erinnert sich an seine Vlothoer Kindheit im Haus gegenüber
Am Güterbahnhof Kohlen geklaut

Vlotho (WB/jg). Der Abriss des Güterbahnhofs weckt bei vielen älteren Vlothoern Erinnerungen an die Zeit, als dort noch geschäftiges Treiben herrschte. Kurt Knäble (73), Geschäftsführer des Vlothoer Heimatvereins, verbrachte seine Kindheit in einem Wohnhaus gegenüber, im Haus Lange Straße 17.

Dienstag, 03.03.2020, 10:56 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 07:24 Uhr
Kurt Knäble steht am alten Güterbahnhof: In den Händen hält er das Buch von Günter Schölzel, das sich in auch mit diesem Gebäude beschäftigt. Foto: Jürgen Gebhard

Seine Eltern lebten gemeinsam mit ihren Söhnen Helmut und Winfried bis 1946 an der Valdorfer Straße. Am Tag des Umzugs in die Mietwohnung der Großmutter kam Kurt Knäble in der Klinik Blass (Gebäude der heutigen Eisdiele) zur Welt. 17 Jahre lang wohnte er mit seiner Familie in dem Haus am Güterbahnhof, das zuletzt Malermeister Burre gehörte und im Zuge der Stadtsanierung verschwand.

Der Abriss des alten Güterbahnhofs hat in der vorigen Woche begonnen . Hier sollen Parkplätze für das neue Bahnhofs-Hotel entstehen.

Berufswunsch Spediteur

In seinen Erinnerungen schreibt Kurt Knäble: „Vom Fenster aus konnte ich das rege Treiben an der Verladerampe beobachten. Das war mein ‚Fernsehen‘. Im Winter musste ich im ungeheizten Schlafzimmer ein Guckloch in die vereiste Scheibe hauchen, um etwas sehen zu können. Der Spediteur Klinksiek holte mit einem dreirädrigen Kleinlastwagen die Waren ab. Das fand ich toll, und es war damals mein Berufswunsch. In Wirklichkeit wurde ich aber Grundschullehrer.

Bei Regenwetter spielten wir sonntags auf der überdachten Rampe des Güterbahnhofes. Es hatte ja niemand ein Kinderzimmer, in welches man Freunde mitnehmen konnte. Eine Mutprobe war es, durch die Regenabflusslöcher in der Mauer (der Güterbahnhof liegt höher als die Lange Straße) zu kriechen. Dann waren wir direkt auf der Langen Straße. Auf der Seite gab es keinen Bürgersteig. Aber wir waren uns der Gefahr nicht so bewusst.

Eierkohlen wurden früher mit einem Förderband vom Waggon auf den Lastwagen des Kohlenhändlers verladen. Dabei fielen etliche herunter. Ich habe dann einen Eimer voll aufgesammelt und stolz, aber mit klopfendem Herzen, nach Hause getragen. War das Diebstahl? Nein, höchstens ‚Mundraub‘!

Glückliche Kindheit

In Höhe der damaligen Tribüne wurde einmal Vieh entladen. Ein Bulle konnte entkommen und verfolgte uns neugierige Kinder. Wir sind durch die Hintertür in das Haus Nr. 20 geflüchtet. Im Hinterhof wurde der Bulle dann eingefangen. Noch einmal gut gegangen!

Große Freude hatten wir, wenn uns Onkel Theo mit der kleinen Rangierlok mitnahm. Es ging dann eine kleine Strecke Richtung Zuckerfabrik, die einen Gleisanschluss hatte. Als Jugendlicher habe ich beim Abladen der Papierballen aus Altpapier für die Papierfabrik von Deylen geholfen. Heute ist das Altpapier nicht mehr gefragt; die Entsorgung wird schon kostenpflichtig.

Die 17 Jahre in der Langen Straße Nummer 17 ohne Badezimmer ­­– mit Plumpsklo im Treppenhaus – habe ich trotzdem überstanden. Wir hatten damals kaum Spielsachen, aber gute Freunde, mit denen wir am Werder bolzten oder am Oberg Bäumchen-wechsele-dich spielten. Auch ohne Smartphone und Computerspiele hatten wir eine glückliche Kindheit!“

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