Für ein Baugutachten fehlt dem Tierheim Eichenhof das Geld Katzenhaus ist komplett marode

Vlotho (WB). Der alte Eichenhof in Steinbründorf erweist sich im wahrsten Sinne als Fass ohne Boden: Zusätzlich zu den Löchern in der Kasse klaffen jetzt im Tierheim auch noch Löcher in der Zwischendecke des Katzenhauses. Man könnte vom ersten Obergeschoss ins Erdgeschoss fallen.

Von Heike Pabst
Der als Haustechniker angestellte Sebastian Kortekamp geht nur mit Atemmaske in die Räumlichkeiten des Katzenhauses. Der Aufenthalt in den Räumen ist nicht ungefährlich – die Zwischendecke hat ein Loch, Balken sind durchgefault.
Der als Haustechniker angestellte Sebastian Kortekamp geht nur mit Atemmaske in die Räumlichkeiten des Katzenhauses. Der Aufenthalt in den Räumen ist nicht ungefährlich – die Zwischendecke hat ein Loch, Balken sind durchgefault. Foto: Heike Pabst

Eigentlich wollte der Tierschutzverein Vlotho und Umgebung nur das Katzenhaus ein wenig auf Vordermann bringen. „Der alte Fußboden ist da seit 20 Jahren drin, die Feuchtigkeit vom Wischen ist hineingezogen“, sagt Tierheimleiterin Kerstin Sanker. Es sollte aus Hygienegründen neues PVC verlegt werden. Als der Raum geräumt und die Katzen provisorisch unter anderem in der Quarantäne-Station untergebracht worden waren, „haben wir interessehalber ein paar Leisten von den Wänden und eine Platte aus der Wandverkleidung genommen“, berichtet Kerstin Sanker. „Und dahinter wartete dann das Grauen.“

Von der Isolierung waren nur noch Bröckchen vorhanden. Die Mitarbeiter des Tierheims fanden zudem einen alten, abgetrockneten Wasserschaden unter einem Dachfenster vor, der offenkundig für „bis zum Boden durchgefaulte Balken“ gesorgt hat. Unter dem Bodenbelag tat sich schließlich ein Loch in der Zwischendecke auf.

Mitarbeiter tragen Mundschutz

Nun ruhen die seit Jahren immer wieder in Eigenregie durchgeführten Sanierungsarbeiten. „Flicken und improvisieren geht nicht mehr“, sagt Kerstin Sanker. „Es geht ja nicht um Kleinigkeiten, sondern um die Substanz.“ Eines der Katzenzimmer ist gar nicht mehr nutzbar, das andere nur in absoluten Notfällen. Die Tierheimmitarbeiter gehen mit Mundschutz in diese Räume.

Momentan hat das Tierheim 58 Katzen in Pflege – doch wenn die zu erwartende Schwemme der Frühjahrskätzchen kommt, weiß man im Eichenhof nicht mehr, wohin mit ihnen.

Vertragskommunen suchen eine Lösung

Das Tierheim-Team ist ratlos. Zum einen fehlt das Wissen, wie man mit dieser bröckeligen Bausubstanz fachlich korrekt und gemäß aktueller Bestimmungen umgehen soll. Annette Kortekamp, Vorsitzende des Tierschutzvereins Vlotho und Umgebung: „Es ist ein altes Bruchsteinhaus. Wenn wir da jetzt einfach neues Dämm-Material hineinstopfen und die Löcher schön fest verschließen, wäre es ja möglich, dass wir uns Schimmel heranzüchten.“ Zum anderen fehlt das Geld, um ein Gutachten zu bezahlen, das die grundsätzliche Frage klären würde: Lohnt sich eine Sanierung? Oder wären eher Abriss und Neubau von Nöten?

Ein solches Gutachten fordern die Vertragskommunen des Tierheims. Nachdem diese Zeitung im August vergangenen Jahres über die prinzipielle und dauerhafte Finanznot des Tierheims berichtet hatte, wurde dessen Team ins Vlothoer Rathaus eingeladen und durfte Vertretern der beteiligten Kommunen und Kreise die prekäre Lage erläutern. Eine schnelle Lösung wurde indes nicht gefunden. „Der Haushalt für 2020 war schon beschlossen“, sagt Annette Kortekamp.

Wilken: „Wir brauchen belastbare Zahlen“

Bürgermeister Rocco Wilken sagt: „Wir brauchen belastbare Zahlen, die wir gemeinsam mit dem Tierheim gerade ermitteln.“ Neben einer vom Steuerberater erstellten finanzwirtschaftlichen Betrachtung ist das ein Gutachten über den Zustand des gesamten Eichenhofs mit allen Gebäuden.

„So ein Gutachten kostet allerdings mehrere tausend Euro“, sagt Kerstin Sanker. Nun hoffen die Tierschützer, dass sich beispielsweise ein Fachmann für Bautenschutz und Bautensanierung findet, der dieses Gutachten besonders kostengünstig erstellt oder es sogar ehrenamtlich übernehmen würde. Ein entsprechender Aufruf über Facebook hat bislang noch keine Wirkung gezeigt.

Kommentar von Heike Pabst

Der Tierschutzverein hat schon so lange nach bestem Wissen und Gewissen für den Fortbestand des Eichenhofs gesorgt. Und irgendwie drängte sich der Eindruck auf, dass weite Teile der Öffentlichkeit mit den Schultern zuckten und so taten, als sei das Ganze allein deren Problem. Oft genug mussten die Mitglieder kreative Wege finden, um irgendwo Geld aufzutreiben. Jetzt ist wirklich die Zeit gekommen, um eine prinzipielle Entscheidung zu treffen und dafür ist die Erstellung eines Gutachtens der richtige Weg. Schließlich muss man die Fakten kennen, um zu entscheiden: Lohnt es sich, diese – Verzeihung! – Bruchbude zu erhalten? Aus der Perspektive eines Laien möchte man fast sagen: Abriss und Neubau einiger Teile des Gebäude-Ensembles könnten die bessere Lösung sein als auf dauerhafte Provisorien zu setzen. Doch wenn das Tierheim-Team ein Gutachten nicht bezahlen kann, dreht sich der Teufelskreis weiter.

Dämm-Material hängt in Fetzen vom Dachstuhl. Foto: Heike Pabst

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