Am Tag nach der Beerdigung: alle Blumen verschwunden, Grab verwüstet „Wer macht denn so etwas?“

Vlotho (WB). Diesmal sind nicht nur Blumen vom Friedhof verschwunden. Diesmal ist unmittelbar nach der Beisetzung auch noch die gesamte Grabstelle geschändet worden. „Man vergeht sich doch nicht an Toten. Wer macht denn so etwas?“, fragt Elisabeth Lerche. Große Hoffnung, dass sie jemals auf diese Frage eine Antwort erhalten wird, hat sie nicht. Die Polizei hat sie informiert. Auf eine Anzeige hat sie zunächst verzichtet. Man habe ihr gesagt, dass die Chance gering sei, den Täter ermitteln und zur Rechenschaft ziehen zu können.

Von Jürgen Gebhard
Elisabeth Lerche steht fassungslos auf dem städtischen Friedhof in Vlotho am Grab ihrer Tante.
Elisabeth Lerche steht fassungslos auf dem städtischen Friedhof in Vlotho am Grab ihrer Tante. Foto: Jürgen Gebhard

Vier Kränze und ein Gesteck

Andere Friedhofsbesucher hätten zunächst an Rehe gedacht, die die Blumen abgeknabbert haben könnten. Das Grab ihrer Tante auf dem städtischen Friedhof sieht aus, als hätten Wildschweine es verwüstet. Elisabeth Lerche zeigt auf die sauberen Schnittstellen, mit denen Rosen und Freesien von den vier Kränzen und dem großen Gesteck abgetrennt worden sind: „Wildschweine und Rehe können nicht mit Messer oder Gartenschere umgehen.“

Am 30. Januar war hier Franziska Paul begraben worden. Im Alter von 88 Jahren sei sie wenige Tage vorher nach einem erfüllten Leben friedlich eingeschlafen. 1992 war sie als Spätaussiedlerin nach Vlotho gekommen. Die frühere Berufsschullehrerin unterstützte in ihrer neuen Heimat den Verein „Kinder aus Tschernobyl Herford“ als Übersetzerin. Die Ansprache bei der Trauerfeier hielt der frühere Valdorfer Pfarrer Ludwig von Behren, der den Verein von Anfang an unterstützt. Einen großen Kranz mit zwei blauen Schleifen legte der Vorstand als letzten Gruß aufs Grab. Einen Tag nach der Beerdigung war der Blumenschmuck verschwunden und das Grab war verwüstet.

Waren es vielleicht doch Tiere?

Waren es vielleicht doch Tiere? Der städtische Friedhof ist nicht lückenlos eingezäunt und Rehe werden tatsächlich hin und wieder in den angrenzenden Wohngebieten auf dem Winterberg und wohl auch auf dem Friedhof gesichtet. „Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Hegeringleiter Bernd Stute. Frisches Grün und Knospen seien natürlich Delikatessen für die Tiere. Aber Tiere würden Kränze und Blumengestecke nicht komplett plündern. Auch passe das Ausmaß der Verwüstung an diesem Grab nicht ins Bild. Hier seien wohl Menschen am Werk gewesen.

Blumen werden immer wieder von Friedhöfen gestohlen. Das berichtet auch der St.-Stephans-Pfarrer Jörg Uwe Pehle. Bei einigen Menschen sei die Ehrfurcht vor dem Tod und vor den Verstorbenen verloren gegangen. „Für mich ist so etwas absolut unbegreiflich. Man klaut keine Blumen vom Friedhof und man verwüstet kein Grab. Es ist mehr als nur eine absolute Schweinerei.“

Manchmal werden Blumendiebe auf frischer Tat ertappt. Ein Vlothoer Bestatter weiß davon zu berichten, wie ein Zeuge einen Blumendieb bis zu einer Geburtstagsfeier verfolgt habe. Dort habe der Zeuge ihn dann aufgefordert, den Strauß wieder zurück zum Friedhof zu bringen.

Kommentare

was ist

bloß los heute? Respekt kennen wohl die wenigsten heute noch. Uns ist das auch passiert, Auf dem Friedhof nach der Beerdigung schöne Blumengesteckgegenstände auf das Grab gelegt, uvm. am nächsten Tag waren die weg. Was geht bei denen im Kopf bloß vor, vermutlich nur rascheln und blubbern, denn mehr ist da nicht vorhanden im Kopf.

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