Tierheim Eichenhof in Vlotho sucht ein neues Zuhause für den Teppichpython Eine Würgeschlange namens Günther

Vlotho (WB). Er misst 1,80 Meter, hat einen treuherzigen Blick und neigt etwas zur Gefräßigkeit. Günther hat sich sein freundliches Wesen bewahrt, auch, wenn er in Beziehungsdingen zuletzt Pech hatte. Der Teppichpython wurde von seinem letzten Besitzer beim Auszug in einer Löhner Mietwohnung zurückgelassen. Jetzt lebt er im Tierheim Eichenhof in Vlotho und sucht nach einem neuen Zuhause.

Von Heike Pabst
Bitte recht freundlich! Teppichpython Günther wurde von seinem ehemaligen Besitzer in einer Wohnung zurückgelassen. Mittlerweile ist er zur Vermittlung freigegeben.
Bitte recht freundlich! Teppichpython Günther wurde von seinem ehemaligen Besitzer in einer Wohnung zurückgelassen. Mittlerweile ist er zur Vermittlung freigegeben. Foto: Heike Pabst

Ein Jungtier ist Günther nicht mehr, aber sein genaues Alter ist dem Tierheim-Team trotzdem unbekannt. Sein Ex-Besitzer hat keine Informationen zu ihm hinterlassen. Den schönen Namen erhielt Günther von den Vlothoer Tierfreunden.

Dieses „Kleid“ hat Günther schon ausgezogen. Die Haut eines Pythons wächst nicht mit. Foto: Heike Pabst

„Im Schnitt können solche Teppichpythons 15 bis 20 Jahre alt werden“, sagt Tierpflegerin Jessica Wächter. „Teppichpythons waren eine der ersten Rassen, die man für die Terrarienhaltung verwendet hat. Sie stammen aus dem australischen Regenwald und sind Baumbewohner.“ Sie hält selbst seit 2016 Schlangen – allerdings Königspythons.

Anspruchsvolle Tierhaltung

Zum Glück gibt es im Tierheim-Team gleich zwei Kolleginnen, die sich mit Günthers Bedürfnissen auskennen. Denn auch wenn durchaus gelegentlich Reptilien im Eichenhof landen – so alltäglich wie der Umgang mit Hunden und Katzen ist ihre Handhabung für die meisten Tierschützer dann doch nicht.

Alleine die korrekte Ausstattung des Terrariums ist eine Wissenschaft für sich, in der sich auch ein neuer Halter auskennen muss. Günther mag es schön warm: In seinem Terrarium sollten Temperaturen von etwa 28 Grad herrschen. Und er braucht einen zusätzlichen Wärmeplatz darin, der auf 32 bis 35 Grad Celsius aufgeheizt wird. Weiterhin hat er gewisse Ansprüche an die Luftfeuchtigkeit. Im Terrarium steht eine „Wet-Box“ mit feuchtem Moos, in dem sich Günther gerne wälzt. Das hilft ihm bei der Häutung.

Tierheim kauft ihm tiefgefrorene Mäuse

Jessica Wächter zieht sich einen Handschuh über und holt Günther heraus. Sofort ringelt er sich um ihre Hand und den Unterarm und züngelt forschend in die Luft. Er drückt schön fest zu. „Man sollte ihn sich vielleicht nicht gleich zu Anfang um den Hals legen“, sagt die Tierpflegerin.

Tierpflegerin Jessica Wächter kennt sich mit Schlangen aus und weiß, was Günther braucht. Foto: Heike Pabst

Günther ist eine Würgeschlange und verspeist alle zehn bis 14 Tage zwei Mäuse, die das Tierheim tiefgefroren für ihn kauft. Man muss aber aufpassen, dass Günther nicht zu viel frisst, so Jessica Wächter: „Bei Schlangen wächst die Haut ja nicht mit.“ Wenn sie zu schnell zu dick werden, kann ihre „aktive“ Haut reißen. Die Schlange würde im wahrsten Sinne des Wortes platzen.

Günther neigt zum „Wobbeln“

Als Günther gefunden wurde, befanden sich in der Wohnung auch zwei lebendige Futtertiere: Ratten. Tierheimleiterin Kerstin Sanker erzählt: „Die sind aber bereits vermittelt worden.“ Mit Günther selbst ist das alles etwas komplizierter. Nachdem er im September vom Eichenhof Obdach bekommen hat, musste er erst einmal von einem Spenger Reptilientierarzt untersucht werden.

Denn Günther „wobbelt“: Er wiegt sich hin und her, wenn er aufgeregt ist, und verliert mitunter die Balance. Es ist ein Gendefekt. „Allzu hoch sollte sein Terrarium deshalb nicht sein“, sagt Jessica Wächter: Klettert Günther auf einen Einrichtungsgegenstand und fängt dann an zu „wobbeln“, könnte er herunterfallen. „Sonst ist er aber absolut fit.“ Parasiten hat Günther auch keine.

Nur in erfahrene Hände

Er beißt nur, wenn er sich bedroht fühlt oder es ein „Missverständnis“ gibt, sagt Jessica Wächter. „Jeder Schlangenhalter muss damit rechnen, auch mal gebissen zu werden. Das piekst und ist nicht angenehm.“ Auch über die Tatsache, dass Schlangenhaltung durchaus nicht billig ist, sollte Günthers neues Herrchen oder Frauchen Bescheid wissen.

So ist nachvollziehbar, dass der Tierschutzverein Günther nur in erfahrene Hände abgeben möchte. „Wir lassen uns Fotos vom Terrarium zeigen und, wenn vorhanden, auch von anderen Tieren im Haushalt“, sagt Kerstin Sanker. „Und wir kommen zum Kontrollbesuch.“

„Lass los!“ Günther will den Arm von Jessica Wächter zunächst nicht freigeben. Mit Geduld und etwas Kitzelei kann sie ihn aber schließlich doch überzeugen, zurück ins Terrarium zu gleiten. Foto: Heike Pabst

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7242768?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514631%2F