Immer mehr Müll am Wegesrand – 56.000 Euro Kosten pro Jahr in Vlotho
Altes Badezimmer in der Natur entsorgt

Vlotho (WB). Da hat irgendjemand sein Badezimmer renoviert und hat danach eine Riesen-Schweinerei angerichtet. Die beige-braune Kloschüssel und das alte Waschbecken hat er abgebaut. Ebenso den angerosteten Heizkörper. Im neuen Badezimmer hat er mit Alu-Profilen eine Wand eingezogen und den Raum mit weißen und schwarz-braunen Fliesen und einer „Fit-Duschgleitstange“ von AWC ausgestattet. Er hat Pall-Mall geraucht, Multivitamin-Nektar von Edeka getrunken und hat sich mit Bismarck-Heringen der Marke „Gut & Günstig“ gestärkt. Seinen ganzen Müll hat er nach getaner Arbeit auf einen Anhänger oder in einen Transporter geladen und hat ihn dann einfach in die Natur gekippt.

Dienstag, 04.02.2020, 08:20 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 08:32 Uhr
Mit Bagger und Lkw haben Bauhof-Mitarbeiter den Müll einer Badezimmer-Renovierung zum Recyclinghof gebracht. Foto: Jürgen Gebhard

Dort, an einem kaum befahrenen Straßenstück in Valdorf, lag die Halde, bis die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs mit dem Bagger anrückten. „Ich kann meinen Leuten nicht zumuten, das alles mit den Händen aufzusuchen“, sagt Bauhofleiter Kay Redecker. Und aus schlechter Erfahrung befürchtet er, dass genau an dieser Stelle schon bald wieder Müll abgelagert wird – Müll, der dann mal wieder mit großem Aufwand entsorgt werden muss.

Problem hat extrem zugenommen

Das Problem habe überall in Vlotho extrem zugenommen. Bauschutt, Möbel, Reifen, Fernseher oder auch Grünschnitt (teilweise verpackt in Säcken) – jeglicher Müll werde achtlos in die Natur gekippt oder an die Altglas-Container gestellt. „Da gibt es wohl nichts, was nicht irgendwo hingeschmissen wird“, sagt Redecker.

Die Kosten werden im Bauhof genau erfasst und dann der Stadtverwaltung in Rechnung gestellt. 56.000 Euro sind im Jahr 2018 zusammengekommen. Die Abrechnung für 2019 ist noch nicht fertig. „Tendenz steigend“, sagt der Bauhofchef. In den 56.000 Euro enthalten sind 9000 Euro für die fachgerechte Entsorgung sowie 1200 Personalstunden – was einer Dreiviertel-Stelle entspricht. Die Kosten werden direkt auf die Müllgebühren umgelegt.

Empfindliche Strafen drohen

Wer Müll nicht ordnungsgemäß entsorgt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einer empfindlichen Strafe rechnen. Allerdings sei es sehr schwierig, den Verursacher zu belangen. Selbst Kontoauszüge seien keine Gewähr dafür, weiß Martina Lübkemann vom Ordnungsamt der Stadt Vlotho: „Wir müssen beweisen, dass derjenige, dem der Kontoauszug gehört, ihn tatsächlich auch mit dem anderen Müll weggeworfen hat.“ – Oder dass der Halter des an der wilden Müllkippe beobachteten Autos tatsächlich der Fahrer ist. Oder dass die Frau, die gerade größere Abfallmengen in die in der Stadt aufgestellten Müllgefäße packt, den Abfall nicht – wie sie vorgibt – irgendwo am Wegesrand aufgelesen hat.

Auch Umweltberaterin Elisabeth Ruhland hat kein Verständnis für die Müllbeseitigung in der Natur: „Es gibt für jede Entsorgungsfrage eine Lösung“, sagt sie und verweist auf die umfangreichen Informationen, die alljährlich mit dem Abfallkalender verschickt werden. Bei Bedarf ist sie unter 05733/924429 zu erreichen.

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