Vlothoer Pfarrer verschiebt Entscheidung über angekündigten Weggang Pehle startet Toleranz-Aktion

Vlotho (WB). Die Ankündigung des Weggangs von Jörg Uwe Pehle wegen andauernder Anfeindungen und Ablehnung hat eine riesige Welle der Solidarität und Sympathie ausgelöst. Der Pfarrer und sein Ehemann wollen das nutzen, um zu Toleranz in allen Bereichen der Vlothoer Gesellschaft aufzurufen – nicht nur gegenüber homosexuellen Mitmenschen.

Von Jürgen Gebhard
Pfarrer Jörg Uwe Pehle stellt im Anschluss an den Sonntagsgottesdienst die Aktion »Ein Lächeln für…« vor.
Pfarrer Jörg Uwe Pehle stellt im Anschluss an den Sonntagsgottesdienst die Aktion »Ein Lächeln für…« vor. Foto: Jürgen Gebhard

Jörg Uwe Pehle hat die von ihm und seinem Ehemann Thomas König initiierte Aktion »Ein Lächeln für…« im Anschluss an den Sonntagsgottesdienst vorgestellt. Dort ergriff er das Wort zu einer persönlichen Stellungnahme. »Ich habe da eine Lawine losgetreten. Ich bin überwältigt, sprachlos und beschämt über die Reaktionen. Es tut unendlich gut. Es gibt Mut und Kraft«, bedankte er sich bei der immer wieder applaudierenden Gemeinde, beim Stadtrat und beim Weser-Gymnasium. Pehle las zustimmende Mails, aber auch die Postkarte eines anonymen Absenders vor, der ihn wüst beschimpfte und eine Therapie empfahl.

Die Solidarität und Sympathie, die Jörg Uwe Pehle und sein Ehemann in den vergangenen Tagen erfahren haben, möchten sie nutzen, um gegen Anfeindungen und Ablehnung auf allen Ebenen vorzugehen. Bei der neuen Aktion gehe es nicht nur um Schwulenhass. Sie solle sich gegen Unterdrückung, Intoleranz, Hass und Voreingenommenheit in jeder Form richten – auch bei Ausländerhass oder Mobbing am Arbeitsplatz: »Wir wollen dem Eindruck entgegenwirken, dass Vlotho eine Stadt ist, die Menschen fertig macht.«

Aufkleber mit gelben Smileys

Menschen, die derzeit Flagge zeigen, sollen abgeholt und zum Weitermachen motiviert werden. Der Pfarrer präsentierte den Entwurf eines Plakates mit der Aussage »Intoleranz, Hass, Voreingenommenheit – nein danke« mit einem Smiley als Erkennungsmerkmal. Kleine Smileys mit den Schlagworten »Toleranz«, »Menschlichkeit« oder »Offenheit« sollen demnächst als Aufkleber verkauft werden. Der Erlös soll verschiedene Aktionen wie zum Beispiel eine »Toleranz-Hotline« finanzieren. Pehle: »Wer lächelt, motzt nicht.«

Wer Fremden ein Lächeln schenke, erhalte oft ein Lächeln zurück und stelle fest, dass der andere gar nicht fremd, sondern sympathisch sei. Die Aussage »Schenk ein Lächeln« habe auch im Großen eine Bedeutung: Es werde in unserer Gesellschaft immer wichtiger, Flagge zu zeigen und sich zu solidarisieren. Politik auf Kosten von Minderheiten oder »Andersartigen« sei verabscheuungswürdig.

»Vlothoer Manifest« beim Abendmarkt

Die Aktion »Ein Lächeln für…« soll an diesem Donnerstag beim Abendmarkt vorgestellt werden. Dann soll auch Gelegenheit bestehen, ein »Vlothoer Manifest« zu unterschreiben, kündigte Bürgermeister Rocco Wilken an. Gemeinsam mit Landrat Jürgen Müller hatte er aus Solidarität den Sonntagsgottesdienst in St. Stephan besucht.

Ob Jörg Uwe Pehle tatsächlich wie angekündigt gehen wird, ist derzeit ungewiss. »Wir nehmen uns eine Bedenkzeit bis Weihnachten. Bis dahin mache ich regulär Dienst und bin für die Gemeinde erreichbar.« Spätestens beim Neujahrsempfang am 19. Januar werde es eine endgültige Entscheidung geben.

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Ich lächle so gern

Pro Mensch, pro Humanismus, für ein Lächeln. So gern bin ich dafür aktiv und freue mich über diese Impulse.

Lässt uns aus den Steinen die uns in den Weg gelegt wurden etwas wunderbares neues bauen.

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