Das Edikt von 1719: Ausstellung zu 300 Jahren Stadtrechte in Vlotho eröffnet
Ein königliches Vorzeigeprojekt

Vlotho (WB). Noch 1678 ist der Flecken Vlotho oftmals nur eine Randnotiz wert: Dort lebte nur »ein Haufen armer Leute«, zitiert die Einführung zur Ausstellung »300 Jahre Akzisestädte« die Chronisten. Diese Präsentation zur Stadtrechteverleihung von 1719 wird bei der öffentlichen Jubiläumsfeier am Donnerstag in der Kulturfabrik (17 Uhr) zu sehen sein. Beim Tag der offenen Tür im Heimatmuseum war jetzt ein erster Rundgang möglich.

Mittwoch, 09.10.2019, 17:00 Uhr
Udo Kohlmeier und die Vlothoer Historikern Inge Wienecke vom Heimatverein präsentieren die Ausstellung »300 Jahre Akzisestädte« im Heimatmuseum und der Kulturfabrik.

Die Wanderausstellung gibt auf zahlreichen großformatigen Stelltafeln, sogenannten Roll-ups, einen geschichtlichen Überblick über die Stadtwerdung jener acht früheren Dörfer der Grafschaft Ravensberg, die am 17. April 1719 durch ein Edikt des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. zu »Akzise-Städten« erhoben wurden. Dabei handelte es sich um Vlotho, Borgholzhausen, Halle, Preußisch Oldendorf, Versmold und Werther. Wenige Monate später folgten noch Bünde und Enger, die nun alle berechtigt waren, für den König diese Umsatz- und Verbrauchssteuer (Akzise) zu erheben.

Wanderausstellung gastiert im Heimatmuseum

Konzipiert hat die Wanderausstellung der Historische Verein für die Grafschaft Ravensberg unter Federführung von Dr. Rudolf Westheider, Stadarchivar und Historiker in Borgholzhausen und Versmold. Gefördert wurde das Projekt vom Netzwerk Preußen in Westfalen und somit vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Für die wissenschaftliche Begleitung zeichnete zudem Sebastian Schröder M.A. vom Institut für vergleichende Städtegeschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster verantwortlich.  Er wird am Donnerstag Gast der Feierstunde sein und für Fragen zur Ausstellung zur Verfügung stehen.

»Wir haben in Zusammenhang mit dem Jubiläum und der Ausstellung gemeinsam einen Aufsatz zur Vlothoer Stadtwerdung in einem Buch, das der Verlag für Regionalgeschichte herausgibt und sich mit dem Edikt von 1719 beschäftigt, verfasst«, berichtet die Vlothoer Historikerin Inge Wienecke. Sie betreut mit dem Team des Heimatvereins die Präsentation der Ausstellung in Vlotho.

Zwei Roll-ups der Ausstellung befassen sich speziell mit der Vlothoer Historie und fassen die Kapitel aus der Veröffentlichung der beiden Historiker anschaulich zusammen.

Die Vorgeschichte

Zur Vorgeschichte: Vlotho wird 1185 erstmals urkundlich erwähnt. verliert dann aber im 14. Jahrhundert seine Stadtrechte. Es gab nur wenige Schiffer, die meisten Leute waren Schiffsknechte, die ihr Geld durch das Flussaufwärtsziehen der Weserkähne – das sogenannte Treideln – verdienten. Durch die Neutralität im 30-jährigen Krieg – Vlotho gehörte damals zum neutralen Brandenburg – prosperiert die Stadt und der Hafen wird als Handelsplatz und Steuereinnahmequelle immer interessanter. Ausdruck dieses neuen Wohlstands ist das Geschenk der Schiffer, die der lutherischen Kirche 1637 ein Abendmahlsgeschirr stifteten, das in der Ausstellung als Leihgabe von St. Stephan zu bewundern ist.

Das Edikt des Preußenkönigs

»Akzisestädte – ein königliches Vorzeigeprojekt« heißt es zunächst auf einem städteübergreifenden Roll-up der Ausstellung. Die erste Vlotho-Tafel wirft dann Schlaglichter auf das Edikt 1719. Dort erfährt der Betrachter, wie zum Beispiel der Akzise-Tarif am 9. Mai 1719 aussah: Zu den steuerlichen Gütern zählten unter anderem Getreide, Bier und Branntwein, Schlachtvieh, Feinkost- und Hökerwaren, Leinerzeugnisse und Steuersätze für Grundstücksbesitzer. Auf der zweiten Vlotho-Tafel gibt es schließlich Erläuterungen zur Geschichte des Vlothoer Hafens, des Fährhofes, der Akzise-Inspektoren sowie der wirtschaftlichen Entwicklung Vlothos im 18. und 19. Jahrhundert.

 

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