Kurz nach der Bestattung auf Vlothoer Friedhof Blumen vom Grab gestohlen
»Tote zu beklauen, ist pietätlos«

Vlotho (WB). Zur Trauer über den Verlust eines geliebten Angehörigen kommt auch noch die Wut hinzu – die Wut über Menschen, denen gar nichts heilig ist. Ina Wiebe kennt beide Gefühle: Vom Grab ihrer gerade verstorbenen Mutter sind mehrere Blumen gestohlen worden.

Freitag, 09.08.2019, 13:05 Uhr aktualisiert: 09.08.2019, 13:08 Uhr
Ina Wiebe ist entsetzt: Ein Dieb hat von der Urnengrabstätte ihrer vor wenigen Wochen verstorbenen Mutter mehrere Blumen aus der Pflanzschale gerissen. Foto: Jürgen Gebhard

Direkt nach der Arbeit fährt Ina Wiebe regelmäßig zum städtischen Friedhof an der Wasserstraße. Unter einem Baum ist dort die Urne mit der Asche ihrer Mutter Sabine Miera begraben. Der Todestag war der 8. Juli. Die Beisetzung fand am 22. Juli statt. Einige Tage später brachten Bekannte und Familienangehörige eine große Blumenschale zum Friedhof und stellten sie auf der Gemeinschafts-Urnengrabstätte unter dem Baum auf – mittendrin in der Blumenschale ein Herz mit den zwei Worten »In Liebe«.

»Jeden Abend bin ich hier, um die Blumen zu gießen und um an meine Mutter zu denken«, sagt Ina Wiebe. Auch am Montagabend war sie am Grab – und sie traute ihren Augen nicht: Ein Unbekannter hatte drei kleinere Blumen aus der Pflanzschale gerissen und hatte sie einfach mitgenommen.

Dieser Fall sei kein Einzelfall

»Es ist sehr schwer, mit der Trauer umzugehen, und dann so etwas«, sagt Ina Wiebe, »ich weiß nicht, was in solchen Menschen vorgeht. Tote zu beklauen, das ist einfach pietätlos.« Einen Verdacht, wer der Täter ist, hat die junge Frau nicht: »Vielleicht waren es Jugendliche, die so etwas für eine Mutprobe halten, oder vielleicht waren es welche von den Gestalten, die hier abends manchmal rumhängen.« Eine Strafanzeige habe sie nicht gestellt – der materielle Schaden sei sehr gering und der Täter werde wohl kaum gefasst. Dieser Fall sei kein Einzelfall. Man höre immer wieder, dass eingepflanzte Blumen, Blumensträuße, Schalen oder auch kleine Figuren von Gräbern gestohlen würden.

Das bestätigt auch Christian Hohmeier von den für die städtischen Friedhöfe zuständigen Wirtschaftsbetrieben: »Das kommt leider öfters vor. Unsere Mitarbeiter sind angehalten, auf Verdächtiges zu achten.« Hohmeier weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass gerade an den Urnengräbern kein Grabschmuck auf den Grasflächen abgelegt werden darf. Um dort Rasen mähen zu können, müsse der Grabschmuck dann beiseite gestellt werden.

Nicht nur auf Friedhöfen wird geklaut. Diebe machen auch vor Gotteshäusern nicht Halt: Anfang Juli war aus einem Schrank in der tagsüber unverschlossenen Wehrendorfer Kreuzkirche das silberne Abendmahlsgeschirr gestohlen worden. Ein Jahr zuvor waren Diebe in die katholische Kirche Heilig Kreuz eingedrungen, sie klauten einen sakralen Kelch.

Kommentar

An alle Halunken!

Habt ihr eigentlich gar keinen Respekt mehr vor gar nichts? Habt ihr noch nie um einen Angehörigen oder um einen Freund getrauert? Habt ihr noch nie in einer Kirche gebetet? Habt ihr keine Achtung vor den Gefühlen eurer Mitmenschen? Ist euch nichts mehr heilig? Es ist schlimm genug, wenn ihr nicht Dein und Mein unterscheiden könnt und wenn ihr einen Ladendiebstahl vielleicht für die normalste Sache der Welt haltet. Aber auf einem Friedhof oder in einer Kirche klauen – das geht überhaupt nicht! Früher hieß es »Der liebe Gott sieht alles«. Doch an den glaubt ihr wahrscheinlich ohnehin nicht. Jürgen Gebhard

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6837038?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514631%2F
Polizei: Kaum mehr Hoffnung für vermisste 26-Jährige
Der Schluchtensteig: Hier war die Bad Lippspringerin wandern. Foto: Schluchtensteig Schwarzwald
Nachrichten-Ticker