Mindener Stichlinge treten mit neuem Programm in der Vlothoer Kulturfabrik auf
Der alltägliche Wahnsinn

Vlotho (WB). Die große Politik macht sich manchmal selbst zum Clown. Die Mindener Stichlinge setzen ihr die Narrenkappe auf und machen aus der ernsten Realsatire lustige Szenen zum Lachen. Dieses Jahr wussten die Stichlinge gar nicht, womit sie anfangen sollten.

Dienstag, 07.05.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 17:00 Uhr
Im aktuellen Programm »Bei Gewitter nicht hüpfen« geht es auch um die EU-Politik der Briten: Hier rudert Kirsten Gerlhof auf dem sinkenden Brexit-Boot dem (Sonnen-)Untergang entgegen. Foto: Frank Lemke

Ihr neues Programm »Bei Gewitter nicht hüpfen« war ein Potpourri voll mit Themen aus dem ganz alltäglichen Wahnsinn. Der Kabarett-Abend begann mit einem lockeren »N‘Abend« von Stephan Winkelhage. Der Pianist der Mindener Stichlinge kam auf die Bühne, klopfte auf sein Klavier und nickte dem Publikum zu. Dann fing es an zu donnern. Die Gäste hörten aus Lautsprechern das Prasseln von Regen. Dann hüpften Anika Hus, Kirsten Gerlhof, Frank Oesterwinter und Birger Hausmann in schwarzen Umhängen auf die Bühne und begannen zu singen: »Bei Gewitter nicht hüpfen. Nehmen Blitz und Donner erst einmal ihren Lauf, hört es nicht mehr auf.« Die Stichlinge aus Minden waren wieder da.

Präsident Trump und die Grünen

153 Gäste hatten gespannt auf ihren Auftritt in der Kulturfabrik gewartet. Die Kabarettisten sangen über Blitz und Donner, Präsident Trump und die Grünen, die Zukunft, den Weltfrieden und Geistesblitze, die aus nicht ganz so heiterem Himmel kommen. Ihre neue Show nahm alle aufs Korn: die AfD, die SPD, das große Europa und das kleine England mit seinem missglückten Brexit. »Derzeit bietet die Politik den Kabarettisten so viel Material wie noch nie. Wir könnten zehn Stunden lang Programm machen«, sagte Birger Hausmann als er nach dem ersten Lied das Publikum begrüßte. Dann sangen die Stichlinge die Sinfonie »Alle Menschen werden Brüder« als ironische Ode an die Europäische Union. Sie hielten die blaue Flagge mit den zwölf Sternen hoch und feierten den vereinten Kontinent. »Wisst ihr eigentlich, wofür die Sterne stehen?«, fragte Frank Oesterwinter und die Musik verstummte. »Hat das was mit den zwölf Tierkreiszeichen zu tun?«, fragte Anika Hus. Oder könnten das die zwölf Titanen sein? »Ich zähle auf meinem Klavier zwölf Halbtonschritte«, warf Stephan Winkelhake ein. Das dürfte jedoch auch nicht die richtige Antwort gewesen sein.

In der Kulturfabrik in Bestform

Was sei das doch für eine Union, deren Brüder nicht einmal die Bedeutung ihrer Flagge kennen. Wozu auch. England wolle mit dem Brexit sowieso abhauen. Flüchtlinge würden in Europa ihre Nieren verkaufen, um bleiben zu können, und die große Politik würde für Stillstand sorgen. Ob Deutschland überhaupt als sicheres Herkunftsland gelten dürfe?

Die Mindener Stichlinge waren bei ihrem Auftritt in der Kulturfabrik in Bestform. Die Witze saßen. Das Timing passte. Das älteste Amateuerkabarett Deutschlands hat mit »Bei Gewitter nicht hüpfen« das Vlothoer Publikum so richtig zum Lachen gebracht.

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