Vlothoer Ehepaar Aust nimmt nur noch bis Ende Mai Plastikdeckel für Impfaktion an
»Deckel gegen Polio« vor dem Aus

Vlotho (WB). Mit dem Erlös von »Deckel gegen Polio« konnten in den vergangenen fünf Jahren 905.000 Schluckimpfungen finanziert werden. Die in der Region von Susanne und Rüdiger Aust aus Vlotho betreute Aktion wird eingestellt. Am 31. Mai nehmen die Geschäftsleute (»Elektro Gieselmann«) zum letzten Mal Plastikdeckel an, die an Kunststoff-Recycler verkauft werden.

Mittwoch, 01.05.2019, 11:14 Uhr aktualisiert: 01.05.2019, 11:20 Uhr
Susanne und Rüdiger Aust haben im Untergeschoss von »Elektro Gieselmann« ein Zwischenlager eingerichtet. In riesigen Säcken lagern sie dort die Plastikdeckel. Foto: Jürgen Gebhard

500 zerschredderte Plastikdeckel finanzieren die Impfung eines Kindes in Afrika. 452 Millionen Plastikdeckel sind mit dieser vor sechs Jahren von den Rotariern ins Leben gerufenen Aktion bislang gesammelt worden. Damit konnten 905.000 Schluckimpfungen gegen die immer noch nicht ausgerottete Kinderlähmung (Polio) bezahlt werden.

Welchen Anteil Susanne und Rüdiger Aust am Erfolg haben, kann man nur ahnen oder ungefähr berechnen. Gezählt haben sie die Deckel nicht, die sie von den Sammelstellen im Kreis Herford, aus Bad Oeynhausen oder Minden abgeholt oder bekommen haben, um sie anschließend in übergroßen Säcken zwischenzulagern. Mindestens 17 dieser so genannten Big-Packs haben sie in den vergangenen drei Jahren befüllt. Zwei oder drei Millionen Plastikdeckel werden es gewesen sein.

Preise für Sekundärrohstoffe gesunken

»Mit großem Bedauern und vollstem Verständnis haben wir erfahren, dass die Sammlung von ›Deckel drauf e.V.‹ im Juni endet«, sagt Susanne Aust. Letztmalig am 31. Mai nehmen sie und ihr Mann die Deckel an, dann werden sie auch die Sammelboxen in den Einkaufsmärkten abbauen. Bis dahin bitten sie noch einmal um große Unterstützung: »Jetzt heißt es: Endspurt! Sammelt so viel wie möglich.«

Die Gründe, die nach Angaben des Vereins »Deckel drauf e.V.« zum Ende der Aktion führen, sind vielfältig: Die Preise auf dem Markt für Sekundärrohstoffe seien so sehr gesunken, so dass die notwendigen Erlöse nicht mehr gewährleistet seien. Zur Reduzierung von Plastikmüll wolle die EU die Deckel unlösbar mit den Flaschen verbinden, damit gehe das Sammelmaterial aus. Der sehr große Erfolg der Aktion überfordere die Ehrenamtlichen. »Bevor unser Projekt schleichend irgendwie zu Ende geht, wollen wir es nun anständig und sauber selbst beenden«, heißt es dazu auf der Homepage des Vereins.

Deckellager im Geschäftshaus

Das Ehepaar Aust war im Jahr 2016 auf »Deckel gegen Polio« aufmerksam geworden und richtete eine Abgabestelle im Geschäftshaus von Elektro Gieselmann ein. Die einzigen Abgabestellen im weiten Umkreis hatte es bis dahin in Bielefeld und in Bückeburg gegeben. Das Ehepaar warb im Freundes- und Bekanntenkreis für die Aktion, stellte Sammelboxen auf und motivierte Kindergärten, Firmen, Schulen, Feuerwehren und Kirchengemeinden zwischen Herford und Minden, zwischen Löhne und Bad Salzuflen zum Mitmachen. Susanne Aust: »Inzwischen wissen wir gar nicht mehr, wer uns alles die Deckel liefert. Viele Menschen kommen ins Geschäft und geben sie ab. Es vergeht keine Woche, in der mitunter bis zu 20 Säcke vor der Ladentür stehen.«

Anfangs brachte das Ehepaar Aust die Deckel noch in die Deckellager nach Bielefeld und Hille. Inzwischen werden sie in der eigenen Garage gesichtet, Kronkorken, Kork und größere Kunststoffdeckel werden aussortiert.

Susanne und Rüdiger Aust: »Es war viel Arbeit, aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Herzlichen Dank an alle, die zusammen mit uns so fleißig und sorgsam zu diesem Erfolg beigetragen haben.«

Kommentar

Die Idee ist genial: Plastikdeckel sind zu schade zum Wegwerfen. Wenn man sie sortenrein sammelt und recycelt, sind sie ein wertvoller Sekundärrohstoff. Für 500 Stück zahlten die Kunststoff-Recycler bislang genügend, um die 50 US-Cent für die Polio-Schutzimpfung eines Kindes aufzubringen. Die Erlöse sind gesunken und die Verschlüsse sollen demnächst fest mit den Getränkeflaschen verbunden sein. Da ist es absolut nachvollziehbar, dass die Aktion eingestellt wird. Durch ihr großes Engagement haben die beiden Geschäftsleuten aus Vlotho dafür gesorgt, dass »Deckel gegen Polio« auch in unserer Region so viele Unterstützer gefunden hat. Bis zum Ende am 31. Mai werden sie hoffentlich noch ganz viele Deckel erhalten. Jürgen Gebhard

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