Einsatzzahlen steigen weiter – Vier Gerätehäuser müssen saniert werden
Feuerwehr blickt auf hartes Jahr zurück

Vlotho (WB). Die Freiwillige Feuerwehr Vlotho muss jedes Jahr aufs Neue mehr Einsätze stemmen als zuvor. Auch auf der Jahreshauptversammlung im Gerätehaus am Bullerbach sind wieder neue Rekordzahlen auf den Tisch gekommen.

Sonntag, 03.02.2019, 19:38 Uhr aktualisiert: 03.02.2019, 19:40 Uhr
Eine besondere Auszeichnung erhält Hans Deppe für 75-jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr Vlotho. Der stellvertretende Kreisbrandmeister Holger Klann überreicht sie. Foto: Heike Pabst

»Die Belastungsgrenze ist überschritten«, betont Wehrchef Torsten Sievering in seiner Ansprache. 2018 sind die vier Löschgruppen, der Löschzug und die neue Tagesalarmbereitschaft zu 276 Einsätzen geholt worden und sie leisteten dabei 4672 Stunden ehrenamtliche Arbeit. »Da zu bestimmten Einsatzstichworten mehrere Einheiten alarmiert werden, ist die Zahl der Alarmierungen auf ein neues absolutes Rekordniveau von 443 Alarmen gestiegen.«

51 Brände gelöscht

Nur sieht er kaum eine Möglichkeit, dem Aufwärtstrend entgegenzuwirken, denn: »Was sollen wir machen, wenn die Bürgerinnen und Bürger in Not sind? Was sollen wir gegen Naturkatastrophen machen?« Im vergangenen Jahr löschte die Feuerwehr 51 Brände – 2017 waren es 38. Sie rettete 40 Menschen aus Notlagen und arbeitete 108 Sturm- und Wassereinsätze ab. »Ein Spitzenwert«, so Sievering.

Der Wehrchef blickt mit der versammelten Wehr, den Gästen aus Politik und Verwaltung sowie anderer Hilfsorganisationen insbesondere auf einen Verkehrsunfall am 3. Oktober auf der A2 sowie auf einen Wohnungsbrand am 28. Dezember an der Bonneberger Straße zurück, bei denen die Feuerwehr trotz aller Bemühungen zwei Menschenleben nicht mehr retten konnte.

Debatte um Ölspuren

In Sachen Ölspurbeseitigung verweist Bürgermeister Rocco Wilken auf eine Vereinbarung des Kreises mit einem Reinigungsunternehmen, das angefordert werden kann.

Das Ende der Diskussion um diese häufigen Einsätze scheint jedoch noch nicht gekommen zu sein, denn: »Die Feuerwehr bleibt immer zuständig im Erstangriff«, sagt Sievering. Zudem benötige die Firma mindestens eine Stunde zur Anfahrt, »und alles, was bis dahin beseitigt werden kann, machen wir. Dabei zu stehen mit den Händen in den Taschen ist nicht unsere Art.«

Sanierungsfall Gerätehäuser

Neben den Einsatzzahlen steht ein weiteres Thema im Mittelpunkt: die Gerätehäuser. Rocco Wilken blickt in diesen Zusammenhang auf die Jahreshauptversammlung 2018 zurück: »Als wir letztes Jahr hier standen, war mir der Zustand nicht klar.«

Seitdem habe er viel über die Erfordernisse der Feuerwehr gelernt. Er begrüßt die Einrichtung des von ihm »Soko Gerätehaus« genannten Arbeitskreises. Er solle sich bis zum Sommer monatlich treffen, um mit Hilfe von Fachplanern einen Ablauf- und Investitionsplan gerade für das Gebäude am Bullerbach zu erstellen.

Dass seit den Gesprächen im vergangenen Sommer viel Zeit vergangen sei, bedauert Wilken, aber: »Wir mussten Feldforschung betreiben, Daten erheben und erst einmal klären: Worüber sprechen wir genau?«

Dann teilt er mit: »Der heilige Gral, das Gerätehaus am Bullerbach, wird mit massiven Investitionen erhalten.« Details dazu müssten noch erarbeitet werden, man sei im Prozess. Jedoch stellt Kreis-Amtsleiterin Sylke Vahrson-Hildebrand in Aussicht: »Die Wohngemeinschaft aus Rettungswache und Feuerwehr wird es noch eine Weile geben«.

Exteraner müssen umziehen

Wilken sagt, speziell das Gerätehaus Bonneberg habe ihn erschüttert: »Die Bodenplatte ist zu 99,9 Prozent mit Wasser gesättigt.« Die Feuerwache Exter werde wahrscheinlich an einem anderen Platz ersetzt, das Gebäude in Steinbründorf auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden müssen. Der Bürgermeister betont seinen Willen zu einer »positiven Feedback-Kultur«.

Das nimmt Torsten Sievering zum Anlass, »deutlich Stellung zu beziehen«. Die wieder verworfenen Pläne zu Alternativstandorten für den Löschzug Vlotho sowie der angedachten Fusion zweier Feuerwehreinheiten hätten »einen Flächenbrand entzündet« – so umschreibt Sievering den Ärger innerhalb der Wehr. Dieser Flächenbrand schwele immer noch weiter, »weil es keine klaren Ergebnisse gibt«.

Sievering kündigt an: »Hinsichtlich der zugesagten Finanzmittel werden wir genau in den Haushalt 2019 schauen.« Er schließt: »Lasst uns gemeinsam, offen und ehrlich, nachhaltig mit konkreten Ergebnissen daran arbeiten und nicht noch ein halbes Jahr warten.«

Grußworte und Berichte

Nach den Grußworten der Kreis-Amtsleiterin Sylke Vahrson-Hildebrand, des neuen Kreisbrandmeisters Bernd Kröger und des SPD-Landtagsabgeordneten Christian Dahm prägen die Berichte aus den Abteilungen die Jahreshauptversammlung.

Sven Detering, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Vlotho, gibt einen Einblick in die 2018 absolvierten Übungen und Ausbildungen. Thomas Twelsiek, ebenfalls stellvertretender Feuerwehrchef, informiert über Details zur Feuerwehrtaktik, etwa zum Aufbau einer örtlichen Einsatzleitung oder der Aufstellung der Tagesalarmbereitschaft, die 2018 zu einem Erfolgsmodell geworden sei. Stadtjugendfeuerwehrwart Stephan Burmeister unterrichtet die Versammlung über die Situation in der Jugendfeuerwehr, die jetzt 35 Mitglieder hat.

Geehrt und befördert

Ehrungen:

Feuerwehrehrenzeichen des Landes Nordrhein-Westfalen in Silber für 25 Jahre : Mario Fettkenhauer, Winfried Papenhoff (beide Löschgruppe Steinbründorf); Ehrennadel des Verbandes des Feuerwehr für 75 Jahre Mitgliedschaft : Hans Deppe (Löschgruppe Steinbründorf); für 60 Jahre : Willi Prüßmeier (Löschgruppe Bonneberg) und Manfred Schwarze (Löschgruppe Exter); 40 Jahre : Friedrich Wilhelm Böke (Löschgruppe Steinbründorf), Friedrich Schröder (Löschgruppe Uffeln).

Beförderungen: Zum Feuerwehrmann : Louis Bloch, Leander Pielsticker, Jan Schröder (alle LG Bonneberg), Daniel Wilkinson (LG Exter), Marius Meier und Tolga Baki (beide Löschzug Vlotho); zum Oberfeuerwehrmann : Lukas Wandel (LZ Vlotho); Unterbrandmeister : Nicolai Hoffmann (LG Uffeln); Brandmeister : Pascal Besler (LG Bonneberg), Nora Timmerberg (LZ Vlotho); Oberbrandmeister : Michael Kullmann (LZ Vlotho); Brandinspektor : Marco Siekmann (LZ Vlotho).

 

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