Frau bestreitet, mutmaßliches Opfer aus Vlotho erneuert Vorwürfe Mutter soll Sohn (13) vergewaltigt haben

Vlotho (WB). Hat eine Mutter ihren 13 Jahre alten Sohn vergewaltigt? Oder ist sie das Opfer eines Scheidungsstreits, wie sie sagt?

Von Christian Althoff
Vor Beginn der Verhandlung verbarg die Angeklagte (36) ihr Gesicht hinter einem Leinenbeutel.
Vor Beginn der Verhandlung verbarg die Angeklagte (36) ihr Gesicht hinter einem Leinenbeutel. Foto: Althoff

Das Landgericht Bielefeld versucht seit Donnerstag, diese Fragen zu klären – wegen des Alters des mutmaßlichen Opfers zum Teil hinter verschlossenen Türen.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes und Vergewaltigung vor. Das Verbrechen soll 2015 in Vlotho passiert sein. Dorthin war die Angeklagte mit ihren drei Kindern geflohen: »Mein Mann hatte mich geschlagen, und ich hatte die Scheidung eingereicht.« Sie sei damals mit den Kindern bei einer Verwandten untergekommen.

Zum Geschlechtsverkehr gezwungen?

Was in der Wohnung Anfang 2015 geschehen sein soll, beschrieb Staatsanwältin Dr. Beatrice Schäfers so: »Der Junge bürstete seiner Mutter die Haare und ging dann ins Bad, um sich die Hände zu waschen. Als er zurück ins Wohnzimmer kam, lag seine Mutter unbekleidet auf dem Schreibtisch, und der Junge sollte sie mit Öl massieren. Das hatte er schön öfter getan, aber dabei hatte seine Mutter immer Unterwäsche getragen.«

Laut Anklage soll seine Mutter diesmal seine Hände gegriffen und über ihren Körper geführt haben, bevor sie ihrem Sohn die Hose ausgezogen und ihn mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben soll. Beatrice Schäfers: »Der schockierte Junge befreite sich und floh in sein Zimmer, aus dem er an diesem Tag nicht mehr her­auskam. In der Folgezeit verschlechterten sich seine Schulleistungen.«

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»Das hat er alles erfunden.«

Angeklagte Mutter

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Die Angeklagte, die ihr Gesicht gestern permanent mit der linken Hand in Richtung Publikum abschirmte, hörte ohne erkennbare Regung zu. Dann sagte sie: »Das hat er alles erfunden.« Sie habe sich auch niemals von ihrem Sohn massieren lassen.

Die Angeklagte erzählte, ihr Mann sei gegen die Scheidung gewesen. Zwar erhob sie keinen direkten Vorwurf gegen ihn. Doch ließ sie durchblicken, dass sie ihn für die Strafanzeige verantwortlich macht, die der Junge im März 2015 erstattete. Als Richter Phil Gabler fragte, warum sich der Junge die Tat ausgedacht haben solle, sagte die Angeklagte: »Ich kann mir nur vorstellen, dass er mich bestrafen wollte, weil ich in seinen Augen mit dem Einreichen der Scheidung die Familie kaputt gemacht habe.«

Junge belastet seine Mutter schwer

Auf Antrag von Rechtsanwältin Deborah Weinert, die das mutmaßliche Opfer vertritt, schloss das Gericht die Öffentlichkeit aus. Dann wurde der Junge in den Saal gebracht und lange befragt. Die Details seiner Aussage wurden nicht öffentlich bekannt. Nur soviel: Er belastete seine Mutter schwer.

Am Rande des Prozesses war zu hören, dass der Junge bei seiner polizeilichen Vernehmung 2015 einen »eher kindlichen Eindruck« gemacht haben soll. Ein Psychologe, der im Auftrag der Justiz die Glaubwürdigkeit des Schülers begutachten sollte, kam damals zu dem Ergebnis, seine Angaben seien glaubwürdig.

Am Ende des ersten Prozesstages stand Aussage gegen Aussage. Das Gericht will am 3. Mai versuchen, mit Hilfe von Zeugen mehr Licht in den Fall zu bringen.

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