Zwei Schülerinnen lernen für einen Tag Arbeit im Wald kennen Girls’ Day kann richtig anstrengend sein

Kalletal/Vlotho (WB). Emily Strong (13) und Stjana Bögeholz (12) haben die Idee des Girls’ Day verstanden: Die beiden Mädchen haben sich einen Beruf ausgesucht, in dem fast ausschließlich Männer arbeiten: Im Forstbetrieb von Daniel Döhr haben sie am Donnerstag die harte Arbeit in Wald und Flur kennengelernt.

Von Jürgen Gehhard
Traumberuf Forstwirt? Emily Strong (links) und Stjana Bögeholz, zwei Schülerinnen der Weser-Sekundarschule Vlotho, helfen dabei, im Wald zwischen Kalletal-Brosen und Bavenhausen einen Wildschutzzaum aufzubauen.
Traumberuf Forstwirt? Emily Strong (links) und Stjana Bögeholz, zwei Schülerinnen der Weser-Sekundarschule Vlotho, helfen dabei, im Wald zwischen Kalletal-Brosen und Bavenhausen einen Wildschutzzaum aufzubauen. Foto: Jürgen Gebhard

»Wir sind draußen und hier ist es richtig spannend«, sind sich die beiden Schülerinnen der Weser-Sekundarschule Vlotho einig. Im Wald zwischen Kalletal-Brosen und Bavenhausen helfen sie Daniel Döhr und seinen Mitarbeitern, einen 145 Meter langen Wildschutzzaun um einen nach einem Sturm mit Ahorn wiederbepflanzten Hang zu ziehen. Die Arbeit macht ihnen Spaß, aber sie ist auch sehr anstrengend. »Forstwirt ist wohl doch nicht unser Beruf«, sagen sie.

Daniel Döhr aus Kalldorf ist Fachmann für alle Wald- und Forstarbeiten. Mit mehreren Mitarbeitern fällt und pflegt er Bäume, arbeitet als Baumkletterer und erstellt Baumgutachten. Der Beruf sei sehr vielfältig und biete diverse Ausbildungsmöglichkeiten.

»Zum Berufsbild des Ausbildungsberufs Forstwirt gehören Forstwirtschaftstechniker, Forstwirtschaftsmeister, Fachagrarwirt und European Treeworker«, wirbt er. Über das Engagement der beiden Mädchen am Girls’ Day freut er sich, überzeugen kann er sie allerdings nicht.

Grenzen zwischen »Männerberufen« und »Frauenberufen« schwinden

Der Girls’ Day und der Boys’ Day haben an den Schulen eine längere Tradition. Ursprünglich gab es nur den Girls’ Day, um Mädchen »typische Männerberufe« näherzubringen. Später kam der Boys’ Day hinzu. Jungen sollten »typische Frauenberufe« kennenlernen. Inzwischen sind die Grenzen fließend.

Das berichtet auch Nils Büscher, der als Klassenlehrer der Weser-Sekundarschule Vlotho Emily Strong und Stjana Bögeholz während ihres eintägigen Praktikums im Wald besucht. Tierarztpraxen und Kindergärten zum Beispiel seien bei Mädchen und Jungen gleichermaßen beliebt. »Andere lernen heute das Berufsleben im Sanitätshaus, im Altersheim, im Autohaus, in einer Küchenbaufirma oder auch im Betonwerk kennen«, berichtet er. Knapp 80 Siebtklässler seiner Schule machen mit. »Die Motivation ist bei allen sehr hoch«, freut sich Nils Büscher.

In den Journalismus hineingeschnuppert

Auch bei der VLOTHOER ZEITUNG arbeitet am Girls’ Day eine junge Schülerin mit. Merle Pfaff (12 Jahre) aus Bad Münder-Flegessen lernt den Alltag in einer Lokalredaktion kennen. Am Vormittag kommt sie mit zu Terminen in den Kindergarten und ins Rathaus. Sie bekommt Tipps für ihren ersten Zeitungsartikel und erfährt, wie Seiten layoutet und Artikel ins Internet gestellt werden.

Merle Pfaff trainiert die Handhabung einer Kamera. Foto: Heike Pabst

Merle könnte sich vorstellen, selbst einmal als Redakteurin bei einer Zeitung zu arbeiten. »Ich finde es gar nicht so leicht, alle Informationen zusammen zu sammeln und immer alles mitzuschreiben«, sagt Merle. Aber Freude macht es ihr trotzdem.

Stippvisite im Kindergarten

So treffen bei dieser Gelegenheit auch Eintagespraktikanten verschiedener Berufsbilder aufeinander: Merle macht sich ein Bild über den Girls’ und Boys’ Day in der evangelischen Kita Südfeldstraße. Dort erleben Connor Lessing (14), Lea Bredemeier (14) und Finn Peters (12) den Alltag in der Kinderbetreuung.

Connor ist selbst früher in die Kita Südfeldstraße gegangen und findet, dass es mehr männliche Erzieher geben sollte. Möglicherweise wird er selbst einmal diese berufliche Laufbahn einschlagen. Die Schüler schauen sich die Abläufe in der Kita an und gehen den Erziehern zur Hand, indem sie zum Beispiel beim Händewaschen und Tischdecken helfen. Sie spielen auch mit den Kindern und lesen ihnen vor.

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