Typisierungsaktion in Vlotho soll an Blutkrebs erkrankten Frau aus Bünde helfen »Yasemin sucht Helden«

Vlotho/Bünde (WB). »Yasemins Leben wurde mit der Diagnose komplett auf den Kopf gestellt«, sagt Handan Altuncu aus Vlotho. »Aber meine Schwester kämpft, da sie noch viel Zeit mit ihrer Tochter und der gesamten Familie verbringen will.« Yasemin Altuncu ist an Blutkrebs erkrankt. Eine Typisierungsaktion soll helfen, einen passenden Stammzellspender für sie zu finden.

Von Heike Pabst und Merle Pfaff
Yasemin Altuncu ist 50 Jahre alt und lebt in Bünde. Sie braucht eine Stammzellspende, um zu überleben.
Yasemin Altuncu ist 50 Jahre alt und lebt in Bünde. Sie braucht eine Stammzellspende, um zu überleben.

Yasemin Altuncu ist 50 Jahre alt und lebt in Bünde. Sie arbeitet als Medizinisch-Technische Angestellte in Bielefeld. Nun ist sie selbst auf medizinische Hilfe angewiesen. Ihre Schwester erzählt: »Sie ist zurzeit zuhause, es geht ihr nicht besonders gut.«

Bislang ist die weltweite Suche nach einem »genetischen Zwilling« erfolglos verlaufen, auch die Familie kommt als Spender nicht in Betracht. »Zurzeit wird überprüft, ob ihre 19-jährige Tochter spenden könnte«, erzählt Handan Altuncu. Doch die mögliche Übereinstimmung mit dem Profil ihrer Mutter reicht wahrscheinlich nicht aus. Bis zu 14 Faktoren werden überprüft, je mehr identisch sind, desto besser. Da die Gewebemerkmale vererbt werden, ist die Chance auf einen passenden Spender besonders groß bei Menschen türkischer Abstammung.

Ein Wattestäbchen im Mund kann Leben retten

Deswegen hat Handan Altuncu mit tatkräftiger Unterstützung von Freunden, Familie und der DKMS GmbH (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) eine Typisierungsaktion ins Leben gerufen. Sie steht unter dem Motto »Yasemin sucht Helden!« Am Samstag, 5. Mai, können sich hilfsbereite Menschen von 11 bis 15 Uhr in der Aula der Weser-Sekundarschule Vlotho typisieren lassen. Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahren alt ist, kommt als Stammzellenspender in Betracht.

Dabei wird kein Blut abgenommen, betont Stefanie Bräutigam, bei der DKMS zuständig für Spenderneugewinnung: »Das Ganze funktioniert mit einem Wangenschleimhautabstrich durch ein Wattestäbchen.« Danach werden die Gewebemerkmale in einem Labor untersucht.

Stefanie Bräutigam hofft darauf, dass sich etwa 400 neue Spender melden. »Es dürfen auch gerne mehr werden«, so Stefanie Bräutigam weiter. »Man muss sich überlegen, mit wie geringem persönlichen Aufwand man möglicherweise ein Leben retten kann.«

Durch die Registrierung neuer Spender entstehen Kosten

Die Registrierung jedes neuen Spenders kostet 35 Euro. Dieses Geld müssen die möglichen Stammzellenspender jedoch nicht unbedingt selbst zur Aktion in der Schulaula mitbringen. »Jeder gibt, was er kann«, sagt Handan Altuncu. Zugunsten von Yasemin hat die gemeinnützige Gesellschaft DKMS ein Spendenkonto eingerichtet: IBAN: DE25 4726 0121 8912 6661 00.

Außerdem plant eine Bekannte der Familie im Juni ein Benefizkonzert, um Spenden für die Registrierung von Spendern zu sammeln: Es handelt sich um die Sängerin Dalia da Silva aus Bünde. Wo und wann das Konzert stattfinden wird, ist noch nicht geklärt.

Zuspruch schenkt Patienten Kraft und Hoffnung

In Vlotho gab es 2016 eine Typisierungsaktion zugunsten der erkrankten Sonja Koschützke aus Exter. Für sie konnte ein passender Spender gefunden werden, sie befindet sich auf dem Weg der Besserung. Insgesamt wurden bei der »Wir helfen Sonja«-Aktion in Vlotho und Lemgo sechs »genetische Zwillinge« für Blutkrebs-Patienten ausfindig gemacht.

Auch Sonja Koschützke und ihre Freunde unterstützen jetzt die Suche nach einem Spender für Yasemin Altuncu. »Es gibt Hoffnung, wenn man sieht, wie viele Menschen sich engagieren«, sagt Sonja Koschützke. »Ich war damals überwältigt von dieser Flut an Zuspruch. Es tut gut und hilft einem, Kraft zu schöpfen.«

Bürgermeister Rocco Wilken hat die Schirmherrschaft der Aktion übernommen und fordert alle, die sich bei der letzten Typisierungsaktion nicht beteiligt haben, zur Teilnahme auf. »Es ist wichtig, dass sich möglichst viele Menschen als potenzielle Stammzellspender registrieren lassen. Denn nur dann können sie als Lebensretter für einen Blutkrebspatienten gefunden werden.«

In Vlotho werden demnächst Flyer verteilt, um auf die Aktion aufmerksam zu machen. Sie sollen auch in türkischer Sprache veröffentlicht werden.

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