Heimatverein und Geschichtswerkstatt erinnern an Vlothos Bier-Geschichte Das Brot der Westfalen

Vlotho (WB). Der Schriftsteller Erich Kästner sagte einmal: »In jedem Glas Bier liegt die Erfahrung unzähliger Generationen.« 1536 hatte die Stadt Vlotho 13 Krüge und Wirtshäuser, in denen zum Teil selbst gebraut wurde. Bier galt als Grundnahrungsmittel. Der Heimatverein Vlotho und die Geschichtswerkstatt Exter werden die Bier-Geschichte Vlothos bei einem (bereits ausgebuchten) Projekttag vorstellen.

Von Frank Lemke
Sie stoßen auf den Projekttag zur Vlothoer Bier-Geschichte an, der am 14. April im Heimatmuseum stattfindet (von links): Udo Kohlmeier, Barbara Büschenfeld, August-Wilhelm König, Inge Wienecke und Klaus Kauczok.
Sie stoßen auf den Projekttag zur Vlothoer Bier-Geschichte an, der am 14. April im Heimatmuseum stattfindet (von links): Udo Kohlmeier, Barbara Büschenfeld, August-Wilhelm König, Inge Wienecke und Klaus Kauczok. Foto: Frank Lemke

Wohlschmeckend und bekömmlich

»Bier war damals wesentlich gesünder, da das Wasser verunreinigt war«, sagt August-Wilhelm König von der Geschichtswerkstatt, der das Thema aufgearbeitet hat. Selbst Kinder hätten morgens das Leichtbier mit etwa zwei bis drei Prozent Alkohol getrunken. Zwei Tage vor dem Brautag sei der Büttel durch das Dorf gegangen und habe gerufen: »Ab Morgen keinen Unrat mehr in den Bach. Es wird Bier gebraut.«

Im 18. Jahrhundert war das Vlothoer Bier nicht das beste. Die Geschichtswerkstatt zitiert in ihrem Heft »Beiträge zur Ortsgeschichte« vom Mai 1995 den Kriegs- und Domänerat Hoffbauer, der 1783 bedauert habe: »Man tränke lieber den modernen Kaffee in den Vlothoer Schänken.«

Doch die Vlothoer lernten dazu. 1838 gründete Braumeister Bauer die Brauerei Felsenkeller an der Herforder Straße. Sein Bier wurde hoch geschätzt. Der Vlothoer Apotheker Doench schrieb 1840 in einer Zeitung: »Dieser Mann braut ein sehr treffliches, der Gesundheit zusagendes, nährendes Bier, welches an Wohlgeschmack, Haltbarkeit und Bekömmlichkeit das beliebte Casselsche Felsenbier noch übertrifft.« 1855 wurde das Bierbrauen in der größeren Brandtschen Zuckerfabrik fortgesetzt. 1872 übernahm Volbracht das Unternehmen und braute ein Bier nach der guten alten »baierischen Methode«. 1898 arbeiteten bei Volbracht 24 Menschen, nach dem Zweiten Weltkrieg 40.

Alte Gläser, Krüge und Fässer

»Bier ist das Brot der Westfalen«, sagt Udo Kohlmeier vom Heimatverein. Aus der alten Tradition sei in vergangenen Jahrhunderten eine hohe Kunst geworden, die heute aus Vlotho nahezu verschwunden ist. Die Brauerei Volbracht wurde 1954 von der Brauerei Weissenburg übernommen. 1962 wichen die meisten Gebäude an der Weserstraße einer Straßenerweiterung.

Das Heimatmuseum in der Kulturfabrik hat aus der alten Zeit noch Gläser, Krüge und Fässer. »Wir werden einige Exponate an unserem Projekttag ausstellen«, sagt Inge Wienecke. Die Geschichtswerkstatt will bei einem Vortrag ein Video von dem alten Brauereikeller zeigen, der heute noch vorhanden ist. Barbara Büschenfeld bereitet für die Gäste eine Biersuppe vor. »Außerdem werden wir ein heimatliches Bier verkosten«, sagt sie. Barbara Büschenfeld möchte auch Bier-Gebäck servieren: »Ich probiere noch alte Rezepten aus.«

Umstrittener Werbeslogan

Die Veranstaltung mit dem Titel »Es ist Volbracht« am Samstag, 14. April, ist bereits vollständig ausgebucht. Möglicherweise wird es aber im nächsten Jahr eine Neuauflage im Heimatmuseum geben.

»Es ist Volbracht« war einst tatsächlich ein Werbeslogan der Brauerei Volbracht. »Er ist aber nur kurz benutzt worden«, weiß August-Wilhelm König. Die Worte »Es ist vollbracht« sind nach dem Evangelisten Johannes die letzten Worte Jesu Christi am Kreuz.

»›Es ist Volbracht‹ kam deshalb als Werbeslogan für Bier nicht überall gut an und wurde bald wieder aufgegeben. In der Vlothoer Bevölkerung hat der Spruch überlebt«, sagt der Ortshistoriker.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.