39-jähriger Vlothoer zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt Er wollte sich schöneres Feuerwerk basteln

Vlotho (WB/pab). Von Kindesbeinen an sei er von Feuerwerk fasziniert gewesen: So begründete am Donnerstag ein 39-jähriger Mann aus Vlotho im Amtsgericht Bad Oeynhausen, weshalb er in seinem Keller knapp 26 Kilogramm Pyrotechnik gehortet hatte.

Im Amtsgericht Bad Oeynhausen ist am Donnerstag gegen einen Vlothoer verhandelt worden, aus dessen Keller im Januar 2017 knapp 26 Kilogramm Pyrotechnik beschlagnahmt worden sind.
Im Amtsgericht Bad Oeynhausen ist am Donnerstag gegen einen Vlothoer verhandelt worden, aus dessen Keller im Januar 2017 knapp 26 Kilogramm Pyrotechnik beschlagnahmt worden sind. Foto: Heike Pabst

»Die zugelassenen Böller sind ja immer leiser geworden«. Er habe sich lautere Böller und schönere Leuchteffekte als die handelsüblichen zusammenstellen wollen.

Wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz wurde der Vlothoer zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, außerdem trägt er die Kosten des Verfahrens und muss als Bewährungsauflage 1500 Euro zahlen.

Einige Materialien wurden aus Sicherheitsgründen vernichtet

Die Sammelleidenschaft von Arndt S. (Name von der Redaktion geändert) hatte im Januar 2017 eine Hausdurchsuchung in der Langen Straße zur Folge. Zunächst fanden die Beamten der Kreispolizeibehörde Herford in der Wohnung eine Schreckschusspistole, dann stießen sie im Keller auf verdächtige Substanzen.

Experten des Landeskriminalamtes NRW stellten einen Teil sicher, einige Materialien wurden in einer Sand- und Kiesgrube in Porta Westfalica vernichtet.

»Bei einer schlagartigen Explosion hätte mit einer vollständigen Zerstörung des Hauses und einer erheblichen Gefährdung der Umgebung gerechnet werden müssen«, hält die Staatsanwältin Arndt S. vor.

Der Sprengstoff hätte das ganze Haus zerstören können

Der Angeklagte gesteht sofort und erklärt sich mit Einziehung der Sprengstoffe einverstanden, »aber die Schreckschusspistole will ich wiederhaben«. Er habe noch Patronen für Leuchtsterne, die er mit der Waffe abschießen wolle, »etwas anderes mache ich damit auch nicht.«

Der Vorsitzende Richter Dr. Cornelius befragt Arndt S. trotz des frühen Geständnisses intensiv: »Wo kriegt man so etwas denn her?« Das, so der Angeklagte, sei gar kein Problem: »Da guckt man mal im Internet herum und telefoniert und kann sich was bestellen: Metallpulver, Schwefel...«

Er betont, dass er alle Stoffe legal erworben habe. Innerhalb eines Jahres sei die Sammlung in seinem Keller entstanden, »das war nicht teuer«.

Er hat Feuerwerksbatterien auseinander genommen

Aus auseinander genommenen Feuerwerksbatterien wollte er effektivere Pyrotechnik für den Privatgebrauch zusammen mischen. Auf den Vorhalt des Richters: »Wieso gehen Sie das Risiko ein, eine Hand zu verlieren?« entgegnet der Vlothoer, dass dabei gar nichts passieren könne, »wenn man kein Feuer macht«.

Mittlerweile wäre sein Interesse an Feuerwerk aber zurückgegangen. Auch das jüngste Silvester habe er ohne Feuerwerk Marke Eigenbau genießen können.

Die Zeugen können ohne Vernehmung entlassen werden. Die Staatsanwaltschaft fordert in ihrem Plädoyer eine Verurteilung zu elf Monaten Haft auf Bewährung, die Verteidigung spricht sich für »eine empfindliche Geldstrafe« aus.

Keine einschlägigen Vorstrafen

Der Vorsitzende Richter verurteilt Arndt S. zu einer Haftstrafe auf Bewährung, da er zwar vorbestraft ist, allerdings nicht einschlägig, und weil sich der Vlothoer einsichtig zeigt.

Wie der Mann jedoch seine Schreckschusspistole zurück bekommt, ist unklar: Um sie bei sich zuhause aufzubewahren, ist zwar keine Waffenbesitzkarte erforderlich. Aber zum Führen der Waffe müsste der Vlothoer einen kleinen Waffenschein haben. Den besitzt Arndt S. nicht – er kann sie also nicht einfach aus der Beschlagnahmung abholen und nach Hause tragen, denn das wäre ein »Führen« der Waffe.

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