Pflegefamilien werden gesucht – Exteranerin berichtet von ihren Erfahrungen Kindern Wurzeln und Flügel schenken

Vlotho (WB). Die Krömkers sind eine fröhliche, sechsköpfige Familie aus Exter. Zwei ihrer vier Kinder sind Pflegekinder. Für Maren Krömker ist diese Lebensform eine Berufung: »Ich kann es jedem nur empfehlen«, sagt die 34-Jährige. Betreut wird sie in ihrer Arbeit vom »Netzwerk Pflegefamilien«.

Von Heike Pabst
Florian Kaczmarek betreut Maren Krömker in ihrer Arbeit als »Sozialpädagogische Lebensgemeinschaft«
Florian Kaczmarek betreut Maren Krömker in ihrer Arbeit als »Sozialpädagogische Lebensgemeinschaft« Foto: Heike Pabst

Für manche Kinder ist es das Beste, wenn sie nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen. Dann versuchen die Jugendämter verstärkt, sie in einem familienähnlichen Umfeld unterzubringen.

Der Bedarf an geeigneten Plätzen ist sehr hoch. Das »Netzwerk Pflegefamilien« im Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) NRW ist ein freier Träger, der im Auftrag der Jugendämter Kindern eine solche Perspektive verschafft und die Pflegefamilien betreut.

Die Familie Krömker in Exter wird vom Diplom-Sozialpädagogen Florian Kaczmarek vom VSE begleitet. Ihr Heim ist zugleich Maren Krömkers Arbeitsstelle. Es steht als »sozialpädagogische Lebensgemeinschaft« in einem vertraglichen Verhältnis mit dem VSE.

Viel Platz im Haus und im Herzen

Die Familie hat viel Platz in ihrem Drei-Generationen-Haus und auf dem Hof. Zudem hat Maren Krömker einen Bachelor in Pädagogik und etliche Fortbildungen absolviert. »Ich habe bei meinem Vater gesehen, mit welcher Freude er diesen Job macht«, nennt sie ihr Vorbild. Sie möchte anderen Menschen Mut machen, sich für ein Pflegekind zu entscheiden.

Vor acht Jahren nahmen Björn und Maren Krömker Erik (Name von der Redaktion geändert) auf, der damals vier Jahre alt war. Vor zweieinhalb Jahren kam der heute elfjährige Torsten (Name geändert) hinzu. Torsten lernte Maren Krömker zunächst anonym in einem Heim kennen. »Da sprühten gleich die Funken.«

Die jetzt zehnjährige Tochter Leni und der vierjährige Jante vervollständigen die Familie. »Leni kann sich nicht mehr an die Zeit vorher erinnern«, sagt Maren Krömker. »Natürlich weiß sie, dass Erik und Torsten nicht ihre leiblichen Brüder sind, damit gehen wir offen um. Aber sie lieben und sie streiten sich, wie Geschwister es eben tun.«

Kinder bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit

Auch zwischen den Erwachsenen und den Pflegekindern hat sich eine enge Bindung entwickelt. So ist es gewollt: Innerhalb dieser Bindung soll ein »Nach-Reifen« der Kinder ermöglicht werden. Das Ausbalancieren zwischen professioneller Haltung und emotionaler Zuwendung ist nicht leicht. Maren Krömker nennt es einen »Drahtseilakt«.

Auch unterschiedliche Wertvorstellungen und mitgebrachte Ängste der Kinder haben die Familie vor einige Herausforderungen gestellt. Dazu kommt: »Man muss sich bewusst sein, dass man sein Privatleben öffnet«, so Maren Krömker. Pflegefamilien oder »Sozialpädagogische Lebensgemeinschaften« stehen im ständigen Austausch mit Fachberatern, dem Jugendamt und Therapeuten.

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»Ich finde es großartig, Menschen direkt helfen zu können.«

Maren Krömker

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Dennoch würde sie sich immer wieder dafür entscheiden. »Ich finde es großartig, Menschen direkt helfen zu können und den Kindern ein Familienmodell vorleben zu können, das ich als sehr positiv erlebe«, sagt die Exteranerin. Jede erklommene Hürde im Zusammenleben habe die Krömkers enger zusammen gebracht.

Natürlich, so ergänzt Florian Kaczmarek, sei die Aufgabe anstrengend. »Aber es ist eine Arbeit, bei der man viel zurück bekommt.« Eine Rückkehr in die Ursprungsfamilie ist für die Kinder zumeist nicht vorgesehen. Kontakte mit den leiblichen Eltern sind aber üblich.

»Es geht darum, den Kindern einen langfristigen, sicheren Ort zu geben«, erklärt Kaczmarek, »nicht darum, dass sie ihre Wurzeln verlieren sollen.«

Auch Alleinerziehende können Pflegekinder aufnehmen

Die Kinder werden entweder in einer Westfälischen Pflegefamilie untergebracht, in einer sozialpädagogischen Lebensgemeinschaft oder in Verwandtschaftspflege: »Je nachdem, welche Eigenschaften und was für eine Geschichte das Kind mitbringt, suchen wir die passende Familie«, so Kaczmarek.

Dabei kann der Begriff »Familie« unterschiedlich ausgelegt werden – ein guter Ort muss kein Zuhause mit »Vater, Mutter, Kind« sein. Auch gleichgeschlechtliche Paare oder Alleinerziehende können ein Pflegekind aufnehmen, wenn die Rahmenbedingungen passen.

Telefonaktion informiert über Voraussetzungen

Am Freitag, 19. Januar, informiert das »Netzwerk Pflegefamilien« im VSE NRW e.V. Interessierte von 10 bis 18 Uhr bei einer Telefonaktion über die Möglichkeiten und Voraussetzungen zur Aufnahme eines Pflegekindes.

Zu erreichen sind Brigitte Peters unter 0521/950-39492, Jacqueline Fritsche (0521/950-39485) und Maik Schmittendorf (0521/950-39486).

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