Planer stellen in Vlotho Konzept für Umgestaltung der oberen Langen Straße vor Barrierefrei durch die City

Vlotho (WB). Die obere Lange Straße soll 2018 barrierefrei umgestaltet werden. Dafür nimmt die Stadt 525 000 Euro in die Hand. Zusätzliche 165 000 Euro Fördergeld erhält das ISEK-Projekt vom Land aus dem Städtebauförderungsetat. Am Mittwochabend haben das beauftragte Planungsbüro und die Stadtverwaltung den Konzeptentwurf für das Projekt im Rathaussaal vorgestellt.

Von Joachim Burek
Guter Besuch beim Info-Abend der Stadt im Rathaus: Dort stellen die Planer das Konzept für barrierefreie Umgestaltung der oberen Langen Straße vor.
Guter Besuch beim Info-Abend der Stadt im Rathaus: Dort stellen die Planer das Konzept für barrierefreie Umgestaltung der oberen Langen Straße vor. Foto: Joachim Burek

»Diese große Investition im Zugr des Gesamtprojektes Integrierte Innenstadtentwicklung ist ein deutlicher Schritt nach vorne für die Stadt«, waren sich Bürgermeister Rocco Wilken und Michael Fißmer von der Stabsstelle Stadtentwicklung in ihren Einführungsworten einig. Ziel der Umgestaltung sei in erster Linie die durchgängige Barrierefreiheit und die Modernisierung der oberen Langen Straße, machte der Bürgermeister deutlich. Die Einhaltung des Grundsatzes der Barrierefreiheit stelle auch die Förderfähigkeit der Maßnahme sicher.

Guter Besuch

Vor den zahlreich erschienenen Anliegern der Straße, Geschäftsleuten und interessierten Bürgern betonte Christian Hohmeier, Teamleiter der Wirtschaftsbetriebe, den Umgestaltungscharakter der Maßnahme. »Es ist kein Ausbau und deshalb fällt auch keine Kostenumlage an die Anlieger nach KAG an. Diese KAG-Schwelle dürfen wir nicht überschreiten.« Daher werde es keine Eingriffe in den Unterbau der Straße und eine Teilflächen-Umgestaltung geben. Auch müsse die gleiche Pflasterstärke verwendet werden.

Das Konzept

»Unser Konzept sieht eine klare Abtrennung der Bereiche Fahren, Parken und Gehen/Ausstellflächen vor. Diese optischen Abgrenzungen stellten keine Verbotszonen dar, sondern sollen den Nutzern eine klare Orientierung im Straßenraum ermöglichen«, erläuterte der Planer, Diplom-Ingenieur Rolf Krämer, vom beauftragten Planungsbüro Kortemeier und Brokmann. Prägendes Element sei ein auf beiden Seiten der Poller die Lange Straße durchziehendes, mittiges Band. Auf dieser drei Meter breiten, farblich abgesetzten Spur aus Betonpflaster soll sich der Fahrzeugverkehr bewegen. Daneben verlaufe ein taktiler Streifen mit einem 60 Zentimeter breiten Sicherheitsstreifen auf beiden Seiten, der durch seine strukturierte Oberfläche beispielsweise den Taststöcken Sehbehinderter Orientierung biete. Der mit rotem Klinker einheitlich gepflasterte übrige Bereich werde von den Fußgängern fürs Parken und für Ausstellflächen genutzt. Uneinheitliche, unebene Pflasterungen sollen verschwinden.

Weniger Verschwenkungen

Um die Übersichtlichkeit einer gradlinigen Straßenführung allen Verkehrsteilnehmern zu ermöglichen, sollen Hochbeete, Bäume und Parkplätze, die Verschwenkungen und Hindernisse bedeuten – Ausnahme: der Eingangsbereich Burgstraße zwecks Temporeduzierung –, zum Teil zurückgebaut werden. Krämer: »Natürlich sind Ausgleichsmaßnahmen gerade im Gründflächenbereich vorgesehen.« Konkret heißt dies: Von den derzeit 30 Stellplätzen bleiben 27 erhalten und es werden ergänzend 15 Fahrradabstellbügel (jeder Bügel für zwei Räder) aufgestellt. Aufgrund von Erkrankung beziehungsweise wegen ihres ungünstigen Standortes wird die Zahl der Bäume von 14 auf sieben reduziert. Die Planer empfehlen als Ersatz die Baumarten »Wildapfel« oder »Wollapfel«, die Blütenpracht entfalten, hitze- und frostbeständig sind und eine Wuchshöhe von maximal zwölf Metern haben. Als Gefahrenpunkte im Sinne der Barrierefreiheit soll die Rampe im oberen Fußgängerbereich am Haus Malz abgemildert sowie eine Rampe für Fußgänger am Roseneck entlang der Sandsteinmauer gebaut werden.

Der Zeitplan

Die Konzeptplanung wird dem Ausschuss für Umwelt und Planung am 13. Dezember zum Beschluss vorgelegt. Im Januar sollen Detailbesprechungen zur Ausführung vor dem endgültigen Beschluss folgen. Für die Bauzeit kalkulieren die Planer mit etwa einem halben Jahr. Die Maßnahme soll aber vor der Weihnachtszeit beendet sein.

»Wo es notwendig ist, wird Zug um Zug halbseitig umgebaut, damit die Geschäfte jederzeit für Kunden und Lieferanten zu erreichen sind. Auch wird die Zufahrt für Feuerwehr, Rettungswagen und Müllabfuhr gewährleistet«, so der Planer.

Fragerrunde

Weinhändler Uwe Schmidt brachte es am Schluss auf den Punkt: »Ich bin mit einer halben Faust in der Tasche hergekommen, bin aber jetzt zufrieden.« Es gab viel Lob insbesondere von den Geschäftsleuten und von Vlothos Behindertenbeauftragtem Ulrich Lauch für die Gradlinigkeit und Rationalität des Konzepts. Aber es gab auch Kritik. Dr. Dieter Gertmann vermisste die Umsetzung von Barrierefreiheit für Fußgänger, Senioren und insbesondere Gehbehinderte. Das Konzept, das hauptsächlich nur eine verbesserte visuelle Orientierung für die Nutzer bringe, hielt er für unzureichend. Die gerade Trasse für Autofahrer, der Rückbau von Verschwenkungen würde das zu schnelle Fahren von Auto-, Roller- und Fahrradfahrern nur erleichtern und die Querung der Straße erschweren, kritisierte er

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