Reparaturcafé Vlotho setzt Defektes bei Kaffee und Tee instand Zweites Leben für alte Geräte

Vlotho (WB). Matthias Lehre möchte mit seinem Reparaturcafé dem typischen Verhalten der Konsumgesellschaft, nämlich Geräte direkt in den Müll zu werfen anstatt sie zu reparieren, entgegenwirken. Das Reparaturcafé ist zweimal im Monat in der Kulturfabrik geöffnet.

Von Magdalena Struck
Silke Baacke hat ihren Mixer mitgebracht: »Er ist heruntergefallen und hat anschließend so komisch geklappert.« Elektrotechniker Gerhard Godtschlich schraubt das Gerät auf und überprüft die Funktion.
Silke Baacke hat ihren Mixer mitgebracht: »Er ist heruntergefallen und hat anschließend so komisch geklappert.« Elektrotechniker Gerhard Godtschlich schraubt das Gerät auf und überprüft die Funktion. Foto: Magdalena Struck

Seit Juni besteht das Reparaturcafé und jeder, der ein kaputtes oder nicht mehr richtig funktionierendes Gerät bei sich zu Hause hat, kann am ersten oder dritten Mittwoch des Monats von 17 bis 20 Uhr in das Erdgeschoss der Kulturfabrik in der Lange Straße 53 Vlotho mit dem Gerät vorbeikommen. Dort kann man dann zusammen mit ehrenamtlichen Helfern einen Reparaturversuch starten. Bei Kaffee und Tee wird zum Beispiel der alte Staubsauger, die Kaffeemaschine oder das Bügeleisen untersucht und es wird versucht, das Problem zu erkennen und im besten Fall zu beheben.

Interessante Nebeneffekte

Dieses Konzept besteht schon in mehreren europäischen Ländern und ungefähr 600 Mal in Deutschland. Matthias Lehre hat darüber schon viel gehört und »die Idee dankbar aufgenommen«. »Ich dachte mir, ich habe Zeit und mache dabei etwas für mich und andere«, begründet der 63-jährige Sozialarbeiter sein Engagement.

Sowohl für die Café-Gäste als auch für die ehrenamtlichen Elektriker oder Hobbyhandwerker könne das interessante Nebeneffekte haben, erläutert Matthias Lehre. »Jeder lernt etwas dazu.« Die Leute bringen überwiegend Haushalts- und Elektrogeräte mit. Trotzdem gibt es Geräte, die sich die ehrenamtlichen Reparateure nicht zutrauen und die man lieber professionell reparieren lassen sollte. Beispielsweise das Smartphone mit gesprungenem Touchscreen, denn bei einer solchen Reparatur kann vieles schiefgehen und »die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass wir es beim ersten Mal gut reparieren können«, schätzt Matthias Lehre das Können der Freiwilligen ein.

Spontan und ohne Anmeldung

Dennoch kann man mit allem spontan und ohne Anmeldung an einem der Termine vorbeikommen und das Gerät anschauen lassen. »Wenn man unsicher ist oder größere Geräte hat, kann man trotzdem gerne vorher anrufen«, so der Vlothoer, »wir können aber für nichts garantieren«.

Allerdings kann nicht immer alles sofort repariert werden, denn es kann vorkommen, dass ein Ersatzteil bestellt werden muss. Gerade Verschleißteile müssen häufig ausgetauscht werden. Die Reparatur wird dann beim nächsten Reparaturcafé-Treff fortgeführt.

»Oft können die Café-Gäste aber auch selbst die Reparatur durchführen und die Freiwilligen geben die nötige Hilfestellung«, erklärt der ehrenamtliche Helfer Harald Kuhlmann. »Beim letzten Mal hatte ein Mann ein altes Bügeleisen mit einem ausgefransten Kabel mitgebracht. Das konnte er letztendlich unter unserer Anleitung selbst reparieren.«

Aufschrauben und kontrollieren

Der 74-jährige Gerhard Godtschlich ist Elektrotechniker. Er ist seit dem ersten Mal dabei und hat mit seinen Kollegen schon Kaffeemaschinen, Bohrer, Staubsauger, Mixer und Milchaufschäumer wieder in Ordnung gebracht. Auch Silke Baacke kam mit einem Handmixer. »Der Mixer ist mir letztens heruntergefallen und hat anschließend so komisch geklappert.« Gerhard Godtschlich hat das Gerät im Reparaturcafé aufgeschraubt und kontrolliert: alles in Ordnung. »Jetzt weiß ich, dass alles gut ist. Es wäre ja schade, wenn ich ihn wegwerfen müsste«, sagt Silke Baacke erleichtert.

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