Besucherzahlen beim Dichter-Wettstreit in Vlotho bleiben hinter Erwartungen zurück »Slam« wird zum »Jam«

Vlotho (WB). Eigentlich ist ein Poetry Slam ein Wettstreit, bei dem das Publikum den Sieger durch heftiges Klatschen kürt. Doch beim »Rock’n’Slam« der Vlothoer Jusos kamen am Samstag dafür zu wenig Besucher an die Kulturfabrik: So wandelten die Veranstalter den »Slam« in einen »Jam« um.

Von Heike Pabst
Gut gelaunt: Moderator Michael Pauwels (vorne links) mit den Poeten Manuel Busse, Niko Sioulis, Alyssa Humke, Michael Schumacher, Kolja Fach und und Dennis van Bergen.
Gut gelaunt: Moderator Michael Pauwels (vorne links) mit den Poeten Manuel Busse, Niko Sioulis, Alyssa Humke, Michael Schumacher, Kolja Fach und und Dennis van Bergen. Foto: Heike Pabst

»Das ist aber wirklich schade!« Besucherin Anne schaut sich suchend um. Die Juso AG ist da, auch die Mitarbeiter der Kulturfabrik, Bürgermeister Rocco Wilken und Bundestagsmitglied Stefan Schwartze, Freunde und Angehörige der Bands, die »Slammer«, ein paar junge Männer, das war’s dann so ziemlich.

Konkurrenzlose Vorträge

Die Open-Air-Sause, die gemeinsam mit dem Jugendzentrum anlässlich des fünfjährigen Bestehens des »Weser-Slams« auf die Beine gestellt worden ist, hatten sich wohl alle anders vorgestellt. Trotzdem lassen sich die, die gekommen sind, den Abend nicht verderben.

Kurzerhand wird der »Slam« zum »Jam«: Die Wortkünstler tragen konkurrenzlos ihre Texte vor, freundlich-ironisch moderiert von Michael Pauwels: »Toll, dass ihr alle hergefunden habt«. Als »Team Rex« mit seinem elfjährigen Sohn Gabriel gibt Pauwels zu Beginn rappend einen Eindruck davon, wie spannend echte Wort-Duelle werden können.

Gesellschaftskritische Kurztexte

So kommt es zwar zu keinem Wettstreit unter den »Slammern«, aber dennoch zu einer interessanten Lesung mit humorvollen und auch gesellschaftskritischen Kurztexten von Manuel Busse, Niko Sioulis, Alyssa Humke, Michael Schumacher, Kolja Fach und und Dennis van Bergen.

Darunter sind etliche Perlen zu finden: Schumacher lässt die linke Gesellschaftsrevolution an fehlenden Anwesenheitslisten und Zwischenrufen wie »Wer hat das große Pils bestellt?« scheitern, Niko Sioulis inszeniert poetisch einen fremdbestimmten Arbeitsalltag und Kolja Fach nimmt sich die seltsame Lebensform des Fußballfans aus anthropologischer Sicht vor.

Rockiger Abschluss

Der Bürgermeisterwanderpokal erhält keine neue Namensgravur, da es keinen Sieger gibt, aber Gabriel freut sich: Als Dankeschön darf der Junge das von der Juso-AG gestiftete Vlotho-Kissen mit nach Hause nehmen.

Als der »Jam« vorüber ist, kommt der rockige Teil von »Rock’n’Slam«. Spielfreudig, widerspenstig und souverän glänzt »First of June« mit Coversongs und eigenem Material. Drummer Matthias Finkhäuser tritt zum ersten Mal auch als Sänger auf und meistert seine Premiere sehr gut. Multi-Instrumentalistin Hanna Ausländer holt sich bei einer leichtfüßigen, von allem Schwulst befreiten »House of the rising sun«-Version viel Extra-Beifall ab. Danach lassen die Bands »Para-shots« und »Tides« den Abend ausklingen.

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