Probleme mit gestrichenen Urlauber-Flügen von Niki 33 Stunden Verspätung

Vlotho (WB). Bei der Ferienfluggesellschaft Niki, einer Tochter von Air Berlin und Etihad Airways, ist es in den vergangenen Wochen zu Verspätungen von deutlich mehr als 24 Stunden gekommen. Ob die Krise der hochverschuldeten Mutter Air Berlin eine Rolle spielt, ist unklar.

Von Christian Althoff
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Am 19. Mai, einem Freitag, wollte ein Ehepaar aus Vlotho (Kreis Herford) um 21.15 Uhr von Düsseldorf nach Mallorca fliegen. »Der Flug wurde dann am Abend ohne Angaben von Gründen gecancelt, und wir wurden mit einem Bus zum Flughafen nach Köln gefahren«, erzählt die Urlauberin. Dort sei der Flug nach Mallorca zweimal verschoben und schließlich ebenfalls gestrichen worden. »Das war gegen 22.15 Uhr, und es war niemand mehr von Air Berlin oder Niki vor Ort.«

Die Reisenden seien ratlos gewesen, und einige seien auf eigene Kosten zurück nach Düsseldorf gefahren. »Wir haben dort übernachtet, und am Samstag hat uns der Reiseveranstalter einen Ersatzflug mit Lufthansa angeboten, der um 13.30 Uhr über München nach Mallorca gehen sollte.« Doch auch dieser Flug sei annulliert worden. »Wir mussten noch eine weitere Nacht in Düsseldorf schlafen. Erst am Sonntagmorgen ging es um 5.50 mit Niki nach Mallorca« – mit fast 33 Stunden Verspätung.

»Niki entschuldigt sich ausdrücklich«

Niki-Sprecherin Cornelia Krauskopf bestätigte dem WESTFALEN-BLATT die Schilderung und sagte, »unglücklicherweise« habe der Flug von Köln nach Mallorca »wegen einer technischen Unregelmäßigkeit« nicht durchgeführt werden können, und der Ground Service Desk sei nicht mehr besetzt gewesen. »Niki entschuldigt sich ausdrücklich für die Unannehmlichkeiten.«

Andere Urlauber mussten eine fast 30-stündige Verspätung bei ihrer Rückreise von Ibiza nach Düsseldorf hinnehmen. Die Passagiere wollten am 28. Mai, einem Sonntag, um 9.50 Uhr mit Niki nach Düsseldorf zurückfliegen. Sie mussten ihr aufgegebenes Gepäck jedoch wieder abholen, weil ihre Maschine gar nicht in Deutschland gestartet war.

Am nächsten Tag startete eine Ersatzmaschine erst mit mehreren Stunden Verspätung. Bei der Ankunft in Düsseldorf um 13.30 Uhr konnten die Urlauber die Maschine eine Stunde lang nicht verlassen, weil keine Treppen da waren. »Unser Gepäck bekamen wir erst gegen 16.30 Uhr«, sagt ein Passagier.

Sogar Busse eingesetzt

Bei Verspätungen von mehr als drei Stunden und Flugstrecken bis 1500 Kilometern Luftlinie (z.B. Düsseldorf-Mallorca) stehen Ur­laubern neben dem Ersatz von Hotel- und Verpflegungskosten 250 Euro Entschädigung zu. Nach Angaben von Verbraucherschützern versuchen Fluggesellschaften aber immer wieder, sich um die Zahlung zu drücken. Urlauber können versuchen, das Geld selbst einzutreiben, sie können einen Anwalt beauftragen oder Internetanbieter nutzen, die sich gegen Provision um die Erstattung kümmern.

Eines dieser Portale ist EuClaim. Sprecher Steffen Klinge: »In den vergangenen Monaten hatte Air Berlin Probleme, weil Crews und Maschinen fehlten und deshalb nicht alle angebotenen Flüge durchgeführt werden konnten. Um Passagiere ans Reiseziel zu bringen, wurden sogar Busse eingesetzt, wie beispielsweise am vorletzten Maiwochenende.« Statt eines 70-minütigen Fluges von Berlin nach Stuttgart gab es eine Halb-Tages-Fahrt im Reisebus.

Klinge sagte, in diesem Jahr habe jeder dritte Fall, der an EuClaim herangetragen worden sei, einen Flug von Niki betroffen. »Und das, obwohl andere Gesellschaften viel größer sind. Lufthansa etwa fliegt pro Tag mehr als 2000 Mal von und zu deutschen Zielen. Dagegen gibt es täglich nur 150 Niki-Flüge.«

Die Niki-Mutter Air Berlin hat im vergangenen Jahr 782 Millionen Euro Verlust gemacht und versucht, sich zu restrukturieren.

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