Genossenschafts-Beschluss aufgehoben – Vertrag mit Investor Rat stellt Weichen für Bahnhofs-Verkauf

Vlotho (WB). Der Stadtrat hat am Donnerstagabend seinen zwei Jahre alten Beschluss zur Übertragung des Bahnhofsgebäudes an die Bahnhofs-Genossenschaft einstimmig aufgehoben. In nichtöffentlicher Sitzung wurde anschließend die Verwaltung beauftragt, den Kaufvertrag mit dem Investor zu schließen.

Von Jürgen Gebhard
Ein Investor möchte aus der Bahnhofsruine eine Tierklinik machen. Der Rat hat deshalb gestern Abend die Vereinbarung mit den privaten Bahnhofsrettern aufgehoben.
Ein Investor möchte aus der Bahnhofsruine eine Tierklinik machen. Der Rat hat deshalb gestern Abend die Vereinbarung mit den privaten Bahnhofsrettern aufgehoben. Foto: Jürgen Gebhard

Der Ratsbeschluss vom 3. Juli 2014 sei aufgrund der aktuellen Entwicklungen hinfällig geworden, sagte Bürgermeister Rocco Wilken. Wie berichtet, möchte ein Investor das historische Empfangsgebäude für 1 Euro von der Stadt Vlotho übernehmen und dort nach Umbau für 3 Millionen Euro eine Tierklinik eröffnen.

Die bevorstehende Sanierung des Bahnhofs werte das Stadtbild auf, sagte Bürgermeister Rocco Wilken. Dem Bahnhofsverein sei es zu verdanken, dass das Gebäude überhaupt noch vorhanden sei. Die »Bürgerbahnhof Vlotho e.G.« sei mit dem Ziel gegründet worden, das Bahnhofsempfangsgebäude als Denkmal zu erhalten und eine nachhaltige Nutzung sicherzustellen. Gleichzeitig sollte der Abriss des Gebäudes verhindert werden.

»Betrieb durch einen Investor biete Vorteile«

Die Verantwortlichen der Genossenschaft hätten mehrfach erklärt, dass es ihnen nicht primär darum gehe, das Bahnhofs-Empfangsgebäude selbst zu übernehmen und zu sanieren. Ein »nachhaltiger Betrieb des Bahnhofs durch einen Investor biete grundsätzlich erhebliche Vorteile«, so die Beratungsvorlage. Um den Kaufvertrag mit dem Investor abschließen zu können, müsse die getroffene Regelung mit der Genossenschaft nun aufgehoben werden.

Ratsherr Klaus Wehr (CDU) fragte nach der Möglichkeit, dem Verein beziehungsweise der Genossenschaft die bislang entstandenen Kosten zu erstatten. Damit erntete er Widerspruch von August-Wilhelm König: »Wer sich ehrenamtlich in einem Verein engagiert, kann nicht das Geld für seinen Einsatz zurückfordern.«

»Blauäugig« und »aus dem Bauch heraus geplant«

Nach Aussage des zweiten Vorsitzenden Jochen Störmer seien im Zusammenhang mit der Gründung der Genossenschaft von dieser etwa 5000 Euro investiert worden. Offen blieb, ob es hier eine Regelung mit der Stadt geben kann.

In der Fragestunde für Einwohner hatte Tierärztin Marion Wiese-Twele »stellvertretend für alle Tierärzte in Vlotho« dieses Vorhaben als »blauäugig« und »aus dem Bauch heraus geplant« bezeichnet. Vor dem Hintergrund mehrerer in der Umgebung existierender Tierkliniken und der vorhandenen tierärztlichen Versorgung in dieser Stadt seien Realisierung und Wirtschaftlichkeit fraglich. Sie stellte fest, dass die Vlothoer Tierärzte zu keinem Zeitpunkt beteiligt gewesen seien.

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