350 Jahre alt und baufällig – Vlothos wohl kleinstes Haus wird zwangsversteigert Denkmal unter dem Hammer

Vlotho(WB). Ein Zweifamilienhaus für 10 000 Euro – das klingt nach einem guten Angebot. Die Immobilie in der Langen Straße, Hausnummer 63, soll am 7. September zwangsversteigert werden. Ein Gutachten macht allerdings deutlich: Das Denkmal ist unbewohnbar.

Von Heike Pabst
Postkarte aus besseren Zeiten: Zwar war das Haus an der Langen Straße 63 auch schon windschief, als das Nachbargebäude noch nicht »Ratsstuben«, sondern Hotel Götte war. Doch damals waren die historischen Füllbohlen und die Einlegearbeiten im Giebel noch deutlich besser erhalten.
Postkarte aus besseren Zeiten: Zwar war das Haus an der Langen Straße 63 auch schon windschief, als das Nachbargebäude noch nicht »Ratsstuben«, sondern Hotel Götte war. Doch damals waren die historischen Füllbohlen und die Einlegearbeiten im Giebel noch deutlich besser erhalten.

1671 wurde das Haus errichtet, 1840 entstand ein Anbau. Das Grundstück ist 91 Quadratmeter groß. Im Erdgeschoss des windschiefen, seit 2008 nicht mehr bewohnten Fachwerkhäuschens stehen etwa 57 Quadratmeter zur Verfügung, im Obergeschoss 63 Quadratmeter.

Vor vier Jahren wollte der Besitzer das Haus für 20 000 Euro verkaufen. Schon damals hatte das Haus unter anderem durch einen lange unentdeckten Rohrbruch gelitten. Ein Fußboden im Obergeschoss war entfernt worden, um die Bohlen zu trocknen.

Fußboden im ersten Stock fehlt

Daran hat sich nichts geändert, wie aus dem nun im Internet einzusehenden Verkehrswertgutachten vom Herforder Sachverständigen Philipp Launer hervorgeht. Das Haus wird als unbewohnbar bezeichnet. Allerdings hat es eine besondere Fachwerkfassade, die 1985 seine Aufnahme in die Denkmalliste der Stadt begründete. Sie zeigt Inschriften und verzierte Füllbohlen.

Hier könnte man vom ersten Stock ins Erdgeschoss fallen. Foto: Heike Pabst

Der Verkehrswert für das bebaute Grundstück wurde auf 10 000 Euro geschätzt. Es stellt sich jedoch die Frage, was ein möglicher Käufer mit dem Grundstück anfangen könnte, wenn das Haus nicht mehr darauf stünde. Nicht viel, macht der Gutachter klar. »Nach Abriss des Wohnhauses wären bei einer Neubebauung Grenzabstände von 3 Metern einzuhalten.«

Grundstück bestenfalls als Parkplatz nutzbar

Demnach bliebe »ein Baufenster mit einer Breite von 1 Meter übrig.« Es liege auf der Hand, dass eine Bebaubarkeit nicht gegeben sei. Philipp Launer schreibt: »Vielmehr wäre das Grundstück bestenfalls als Parkplatz verwertbar.«

Aktuell sieht es jedoch ohnehin nicht danach aus, als werde das Haus abgerissen. Das liege daran, so Stadtsprecher Axel Mowe, dass der Denkmalwert nicht erloschen sei und die Immobilie nach einer Sanierung nutzbar wäre. Die Stadt könne alleine nur im Rahmen der Gefahrenabwehr tätig werden.

So hat der Bauhof zerbrochene Fenster an der Vorderfront mit Brettern verschlossen, »damit da nicht etwa an Silvester eine Rakete reinfliegt«, so Mowe. Falls sich ein neuer Eigentümer finde, könne er sich wegen Hilfen zum Erhalt oder zur Planung der Sanierung an die Stadt wenden.

Die Zwangsversteigerung ist für Mittwoch, 7. September, um 10 Uhr im Saal 3 des Amtsgerichtes Bad Oeynhausen festgesetzt.

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