Im Interview: Spenges Bürgermeister Bernd Dumcke über Bauprojekte, Kultur und Finanzen in Zeiten von Corona
„2020 war vieles Neuland“

Spenge (WB) -

Er ist seit 2009 Bürgermeister der Stadt Spenge und im September 2020 erneut im Amt bestätigt worden. Doch auch ein so erfahrenes Stadtoberhaupt wie Bernd Dumcke dürfte die Corona-Pandemie vor neue Herausforderungen gestellt haben. Redakteurin Ruth Matthes hat mit ihm auf das außergewöhnliche Jahr 2020 zurückgeblickt und ihn nach seinen Plänen für 2021 befragt.

Freitag, 08.01.2021, 05:10 Uhr
Bürgermeister Bernd Dumcke auf dem Blücherplatz. Das Areal soll bis Ende des Jahres saniert werden und die Bürger zum Verweilen einladen. Foto: Ruth Matthes

Wie hat das Virus Ihren Arbeitsalltag verändert und geprägt?

Bernd Dumcke: Natürlich war 2020 vieles Neuland, aber ich möchte mich nicht beschweren. Es gibt andere Berufsgruppen, die weit mehr gefordert waren, wie Mitarbeiter in der Pflege, in Krankenhäusern, Kitas und Schulen. Die Aufgaben des Ordnungsamtes – bei uns nur mit einer halben Stelle ausgestattet – waren erheblich, sodass wir eine interne Gruppe mit Kollegen aus dem ganzen Rathaus gebildet haben, um Dirk Placke zu unterstützten. Oft mussten wir sehr kurzfristig reagieren, da das Land mehrfach am Freitag Nachmittag Verordnungen geschickt hat, die Montagfrüh umgesetzt sein sollten. Aber die Kollegen in Düsseldorf haben auch mit Hochdruck gearbeitet. Insgesamt, denke ich, haben sich unsere staatlichen Strukturen im Vergleich mit anderen Ländern als sehr handlungsfähig erwiesen.

Welche Projekte haben Ihrer Einschätzung nach besonders unter den Corona-Beschränkungen gelitten und wo hat sich Spenge trotz allem positiv entwickelt?

Dumcke: Von den Projekten hat keines unter Corona gelitten. Wir haben die Arbeiten an der Grundschule Spenge/Hücker-Aschen erst einmal abgeschlossen, sind beim Retentionsbodenfilter gut vorangekommen, das Hühnerhaus ist fertig saniert, die Mühle in Hücker-Aschen ist in Arbeit, das Dach der Mehrzweckhalle in Lenzinghausen repariert und die Digitalisierung der Schulen ist ebenfalls abgeschlossen. Gelitten hat dagegen der kulturelle Bereich und auch viele Veranstaltungen, wie das Lange-Straßen-Fest, bei denen die Bürgerinnen und Bürger miteinander in Kontakt kommen, konnten leider nicht stattfinden.

Die Folgen der Corona-Krise für die Wirtschaft werden gravierend sein, Kämmerin Britta Jenniches geht von einem Steuerausfall von mehr als einer Million Euro aus. Wie wollen Sie auf diese Entwicklung reagieren? Könnte es zu Steuererhöhungen oder zum Wegfall von Investitionen kommen?

Dumcke: Zunächst hat das Land für die Haushalte 2020/21 mit dem NKF-Covid-19-Isolierungsgesetz dafür gesorgt, dass wir coronabedingte Mehrausgaben und Mindereinnahmen aus dem Haushalt isolieren und somit die Haushaltssicherung vermeiden können. Wir müssen zunächst einmal sehen, wie die Impfung anschlägt und wie sich die Wirtschaft weiter entwickelt. Wenn sie sich schnell erholt und die Beschäftigungslage gut ist, kann es sein, dass die Folgen für den Haushalt gar nicht so schwerwiegend sind. Ein Problem bekommen wir erst, wenn der Motor der Wirtschaft nicht wieder anspringt und uns die Liquidität fehlt. Steuererhöhungen sind kein Thema und einen Wegfall von Investitionen wird es auf gar keinen Fall geben.

Der Blücherplatz dürfte das größte innerstädtische Sanierungsprojekt des neuen Jahres werden: Wann ist hier Baustart und für wann rechnen Sie mit der Fertigstellung?

Dumcke: Die Ausschreibungen laufen derzeit. Ich hoffe, dass wir gute Angebote erhalten und im Frühjahr beginnen können. Weihnachten 2021 sollte der Platz wieder schön sein.

2020 konnten die Mühlenburger Straße und die Neuenkirchener Straße saniert werden. Wie sieht es mit der Verbindung Wertherstraße/Engerstraße von Lenzinghausen nach Häger aus, die Straßen NRW bereits seit zwei Jahren in Angriff nehmen wollte? Geschieht hier 2021 endlich etwas?

Dumcke: Es stimmt, dass das Land hier tätig werden wollte. Ich habe aber leider keine Informationen, wie der aktuelle Zeitplan aussieht.

Gibt es weitere Straßenbauprojekte?

Dumcke: Wir haben jährlich 200.000 bis 300.000 Euro für Straßenunterhaltung verfügbar. Das wird auch 2021 so sein. Wir werden weiter in den Ortsteilen sanieren und wenn der Blücherplatz fertig gestellt ist, wäre es auch sinnvoll, die Decken der angrenzenden Poststraße, Engerstraße und Marktstraße zu erneuern.

Wie ist der Stand beim Bauprojekt auf dem Seippel-Grundstück an der Langen Straße? Werden dort bald die Bagger anrollen?

Dumcke: Das kann ich noch nicht sagen, da es dort neue Überlegungen gibt. Die Pläne für ein Ärztehaus haben sich ja bekanntlich zerschlagen. Ein neues Konzept wird derzeit von der Firma Bokermann Immobilien aus Bielefeld entwickelt. Liegt es vor, können wir in der nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses im Februar den vorhabenbezogenen Bebauungsplan voranbringen.

Projektvermittler Ulrich Inderwisch hat in unserer Zeitung mit der Idee geliebäugelt, den ehemaligen NP-Markt mit einem Anbau zu versehen und dort Wohnungen und kleine Läden unterzubringen. Was halten Sie von dieser Idee oder haben Sie bereits andere Pläne für das Areal am Lönsweg?

Dumcke: Der Leerstand gefällt uns in der Verwaltung auch nicht. Insofern sind wir grundsätzlich offen für Ideen, die diesen beheben und würden eine Lösung konstruktiv begleiten. Aber die Eigentümer des Ladenlokals und der Wohnungen in dem Komplex müssten natürlich mitziehen.

Das Baugebiet an der Bielefelder Straße beschäftigt die Politik und die Anlieger seit zwei Jahren. Worin sehen Sie die Ursachen, dass sich die Sache so hingezogen hat und wie optimistisch sind Sie, dass die Grundstücke noch in diesem Jahr erschlossen werden können?

Dumcke: Die unterschiedlichen Positionen in der Politik und die Einwände der betroffenen Anwohnerschaft haben den Prozess verzögert, der nach dem üblichen Verfahren abgelaufen ist. Hinzu kommt die Tatsache, dass Straßen NRW wegen Personalknappheit ein halbes Jahr braucht, um eine Anfrage zu beantworten. Es ist zu befürchten, dass wir auch bei den Anwohnern der Herforder Straße auf Kritik stoßen.Wenn wir im Februar einen neuen Vorschlag des Investors auf dem Tisch haben, alle optimal mitspielen und Straßen NRW schnell reagiert, könnte der Bebauungsplan noch vor den Sommerferien verabschiedet werden.

Welche weiteren Projekte hoffen Sie 2021 noch voranbringen zu können?

Dumcke: Es wäre schön, wenn der Förderantrag für das Sportzentrum Holzwiese positiv beschieden würde und wir dort mit der Sanierung beginnen könnten. Dasselbe gilt für den Ausbau des Feuerwehrgerätehauses in Lenzinghausen. Die Arbeiten an den innerstädtischen Wegeverbindungen und die Renaturierung des Besebaches werden fortgesetzt und auch an der Grundschule Spenge-Mitte sind wir noch nicht ganz fertig. Der Altbestand braucht dringend neue Farbe und neue Heizkörper. Außerdem hoffe ich, dass wir über die Vereinsförderung Umkleiden und Duschen für den Sportplatz Bardüttingdorf anschaffen zu können. Mittel- und langfristig müssen wir die Radwegeverbindungen verbessern, so zum Beispiel den Martinsweg sanieren und die Bürgerradwege an der Düttingdorfer und der Neuenkirchener Straße anlegen. Parallel dazu werden wir kontinuierlich daran arbeiten, Spenge klimafreundlicher zu machen – sei es durch Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden oder energieeffizientere Technik für die Abwasser- und Kläranlagensysteme.

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