Norbert Sahrhage veröffentlicht Biographie von Heinrich Hildebrand: erster Gemeindebürgermeister nach 1945 in Spenge
Engagiert bei Wiederaufbau

Spenge (WB) -

„Heinrich Hildebrand war einer der prägenden Männer der Gemeinde Spenge nach dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Norbert Sahrhage. Dem langjährigen Bürgermeister hat der Regionalhistoriker eine der zahlreichen Biografien gewidmet, die er für die Online-Bibliothek des Kreisheimatvereins geschrieben hat.

Sonntag, 06.12.2020, 05:55 Uhr aktualisiert: 06.12.2020, 06:00 Uhr
Norbert Sahrhage sammelt Biographien bedeutender Persönlichkeiten der Region. Dazu gehört Spenges langjähriger Bürgermeister Heinrich Hildebrand, im Foto mit Amtsdirektor Josef Roberz. Foto: Ruth Matthes

„Der Aufbau nach 1948, die mannigfaltigen Leistungen auf dem Sektor des Wohnungsbaues, der Neubau zahlreicher Straßen, der Schule, des Freibades, des Amtshauses und der Sporthalle fallen in seine ‚Regierungszeit‘“, schrieb eine Zeitung 1966 aus Anlass des 75. Geburtstags von Heinrich Hildebrands.

Insgesamt stand der gelernte Zigarrenmacher und Weber der Gemeinde Spenge von 1945 bis 1968 als ehrenamtlicher Bürgermeister vor. „Die damalige Gemeinde entsprach dem heutigen Bereich von Spenge-Mitte“, erklärt Sahrhage. Darüber gab es das Amt Spenge, zu dem auch die weiteren heutigen Ortsteile gehörten. Von 1956 bis 1964 war Hildebrand sowohl Gemeinde- als auch Amtsbürgermeister.

Wie bei Sahrhage nachzulesen ist, trat der 1891 geborene Spenger 1906 der Tabakarbeiter-Gewerkschaft und der Sozialistischen Arbeiterjugend bei und wurde 1909 SPD-Mitglied. 1912 heiratete er Marie Luise Johanne Borstädt, mit der er zehn Kinder hatte.

In der Kommunalpolitik engagierte sich Hildebrand ab 1919. „Bei der ersten Wahl war er erst 27 Jahre alt“, erzählt Sahrhage. „Das war für die SPD durchaus untypisch, da man eher auf ältere, politisch bewährte Genossen mit viel Lebenserfahrung setzte.“ Infolge der nationalsozialistischen Machtergreifung wurden den Sozialdemokraten 1933 die Mandate entzogen – so auch Hildebrand.

Erst 1945 konnte er sich wieder für seine Gemeinde engagieren. „Er war kein Widerstandskämpfer gewesen, hatte aber während der NS-Zeit verbotene Kontakte zu Bielefelder Genossen wie Arthur Ladebeck“, berichtet Sahrhage. Nach dem Krieg setzten die Engländer Hildebrand als Gemeindebürgermeister ein, ein Jahr später bestätigten ihn die Spenger im Amt, was sie bis 1964 mehrfach wiederholten.

„Er war kein Ideologe, sondern ein Praktiker“, charakterisiert ihn der Historiker. „Hildebrand war kein großer Redner, konnte aber in persönlichen Gesprächen überzeugen.“

So setzte er sich dafür ein, dass die Vertriebenen in Spenge Wohnraum erhielten – „bisweilen gegen den Widerstand einheimischer Hausbesitzer“. In seine Amtszeit fielen der Bau der Hauptschule an der Bussche-Münch-Straße, der Werburger Sporthalle und der Stadthalle. Er erwarb vom Freiherr von Bussche-Münch große Parzellen Land, die von der Gemeinde erschlossen und Bauwilligen angeboten wurden.

Für sein langjähriges Engagement wurde Hildebrand 1974 zum Ehrenbürger ernannt und 1975 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Er starb im Januar 1976.

 

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