Spenger Allgemeinmediziner sieht erhöhtes Risiko für Depressionen
Weniger Patienten mit Erkältungen

Spenge (WB). In den Medien, der Politik und dem öffentlichen Leben ist Corona allgegenwärtig und man könnte fast den Eindruck bekommen, es gibt keine anderen Krankheiten mehr. Aber stellt sich das Infektionsgeschehen in diesem Jahr wirklich komplett anders dar? Erzielen die AHA-Maßnahmen Abstand, Hygiene und Alltagsmaske tatsächlich einen Rückgang von Infektionskrankheiten?

Donnerstag, 05.11.2020, 05:40 Uhr
Andreas Schimke erlebt in seiner Praxis derzeit eine unausgewogene Frequentation: chronisch kranke Patienten blieben eher zu Hause. Foto: Daniela Dembert

Der Spenger Allgemeinmediziner Andreas Schimke sagt: „Ja. Wir haben weniger Fälle von schwerer Bronchitis, von Nasennebenhöhlenerkrankungen und den üblichen ‚Wald- und Wiesenerkältungen‘. Ich gehe davon aus, das ist auf die Hygienemaßnahmen zurückzuführen.“ Studien zu diesem Thema lägen allerdings noch nicht vor.

Allerdings sei eine Ambivalenz zu verzeichnen, denn Patienten mit Erkältungserscheinungen, die sich sonst ohne Konsultation eines Arztes auskuriert hätten, kämen nun in die Praxis, sei es aus Besorgnis oder weil der Arbeitgeber es fordert.

Chroniker sagen Termine ab

Insgesamt sei die Frequentation der allgemeinmedizinischen Praxen derzeit unausgewogen. „Das kennen wir schon aus dem ersten Lockdown“, sagt Schimke. „Einerseits kommen die Erkältungskranken, andererseits bleiben Patienten mit Impfterminen und die Chroniker aus. Menschen, die sonst regelmäßig beispielsweise zur Blutabnahme kommen, sagen Termine ab, weil sie die Schlangen vor den Praxen scheuen, Angst vor einer Infektion haben oder den Arzt nicht zusätzlich mit ihren Routinebehandlungen belasten wollen“, berichtet Schimke und stellt klar: „Das muss nicht sein.“

Für Patienten mit Erkältungssymptomen gebe es die Infektionssprechstunde. In den Praxen werde allgemein derzeit ein sehr großer Aufwand betrieben, um Patienten zu separieren und größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Chroniker dürften weiterhin beruhigt ihre Termine wahrnehmen.

Desinfizieren schadet Gesundheit nicht

Dass das regelmäßige Desinfizieren und Einhalten von Hygienemaßnahmen der Gesundheit auf Dauer schadet, glaubt der Allgemeinmediziner nicht. „Ich denke, man braucht nicht einmal im Jahr eine Erkältung, um das Immunsystem zu stärken. Man darf und sollte sich vor Krankheiten schützen, sonst wäre auch die Sinnhaftigkeit jeder Impfung in Frage gestellt.“

Nichtsdestotrotz könne man sein Immunsystem aktiv stärken, beispielsweise durch frische Luft, Bewegung und eine ordentliche Portion Natur. Das gelte vor allem für Kinder, deren Abwehrkräfte sich noch im Aufbau befinden. Spielen in und mit der Natur sei auch im Lockdown erlaubt und die beste Möglichkeit, etwaige Immundefizite zu kompensieren.

Sorge vor Depressionen

Vielmehr sieht der Mediziner eine ganz andere Krankheit auf dem Vormarsch, die sich durch die Corona-Situation verstärkt: die Depression. In der dunklen Jahreszeit ohnehin für viele Menschen ein Problem, trete sie während der Corona-Krise verstärkt in Erscheinung. „Wir erleben viele Patienten gereizt und unausgeglichen. Sonst tun wir alle mit Geselligkeit, mit Keksen, Kerzen und Liedern etwas gegen den aufkeimenden Novemberblues. Und genau das geht jetzt nicht.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7663112?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514632%2F
„Ein rabenschwarzer Tag für Bielefeld“
Die Bahnhofstraße am Samstagnachmittag: Viele Menschen waren unterwegs, aber deutlich weniger als am „Black Friday“, dem Tag der Schnäppchenjäger.
Nachrichten-Ticker