Zwei Absolventen der Agrarfachschule Herford erzählen
„Landwirte sind Allrounder“

Spenge/Kirchlengern (WB). Landwirte haben mit vielen Klischees zu kämpfen. Für Florian Böhmer (27) und Felix Samson (23) gibt es aber keinen schöneren Beruf. Sie sind zwei von vier Absolventen, die im Sommer ihre Prüfung zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt beendet haben.

Mittwoch, 04.11.2020, 05:15 Uhr aktualisiert: 04.11.2020, 05:20 Uhr
Im Herbst steht die Zuckerrübenernte an: Florian Böhmer mag die Vielseitigkeit des Berufs. Foto: Christina Bode

„In vielen Köpfen existiert das Bild von dem Bauern, der mit der Mistgabel über den Hof läuft und seine Schweine füttert“, sagt Florian Böhmer. „Landwirte haben aber eine große Verantwortung. Nicht nur ihren Tieren gegenüber. Sie müssen die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherstellen“, sagt der Spenger.

So war es für ihn wie ein Wink des Schicksals, dass gleich zwei Ausbildungsplätze zum Fachinformatiker platzten und er – eigentlich nur Übergangsweise – auf einem Bauernhof im benachbarten Riemsloh aushalf. „Die Arbeit war ganz anders als ich gedacht hatte. Seitdem ich auf dem Hof arbeite, geht es mir körperlich viel besser“, erzählt der 27-Jährige.

In den Beruf reingewachsen

Und auch Felix Samson liebt es, immer draußen in der Natur zu sein. Genau wie Florian Böhmer kommt auch der 23-Jährige nicht vom elterlichen Hof. „Ich bin quasi in den Beruf reingewachsen“, erzählt der Kirchlengeraner, der schon als Kind fast täglich auf dem Trecker des Nachbarhofes mitgefahren ist und dort immer mehr beigebracht bekam. „Irgendwann habe ich dann meinen Treckerführerschein gemacht, dann die Ausbildung zum Landwirt und nun den Agrarbetriebswirt“, berichtet Felix Samson. Für ihn hätte es nie zur Debatte gestanden, etwas Anderes zu machen.

Man könne schnell Verantwortung übernehmen und eigenverantwortlich arbeiten. „Das ist in anderen Jobs nicht so“, sagt er. Florian Böhmer gefällt auch die Vielseitigkeit des Berufs. „Wir sind sozusagen Allrounder. Man braucht ein gutes technisches Verständnis, um auch mal Maschinen zu reparieren“, sagt er. Außerdem sei man ein „halber Veterinär“, denn wenn es einem Tier schlecht ginge, müsse er das frühzeitig erkennen und dem Tierarzt vorab wichtige Informationen geben.

Morgens geht der erste Weg zu den Kühen: Felix Samson hat sein Hobby zum Beruf gemacht.

Morgens geht der erste Weg zu den Kühen: Felix Samson hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Foto: Bode

Die Ausbildung zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt sei mit der Meisterprüfung zu vergleichen, die auch zur Übernahme eines Hofes berechtige, erklärt Florian Böhmer. Beide haben im gleichen Zuge auf der Fachschule für Agarwirtschaft in Herford auch ihren Ausbilderschein gemacht und dürfen nun auch junge Leute ausbilden.

Fehlanzeige in diesem Beruf sind allerdings regelmäßige Arbeitszeiten. „Aber das macht mir gar nichts“, sagt Felix Samson. Für ihn zähle, dass er sein Hobby zum Beruf machen konnte. „Und wenn ich sonntagmorgens mit meinem Kaffee nebenan nach den Kühen schaue, ist das doch ein schöner Start in den Tag“, sagt er.

Nachfrage nach Ausbildungsplätzen steigt

Der Engeraner Landwirt Wilhelm Brüggemeier hat in den vergangenen Jahren erfreut festgestellt, dass die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen, gerade von jungen Menschen aus Familien ohne landwirtschaftlichen Hintergrund, gestiegen ist. „Generell sinkt im Kreis Herford die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe“, sagt er. Dadurch, dass viele Betriebe aber größer würden, stünden auch mehr Arbeitsplätze zur Verfügung.

„Mit der Ausbildung zum Landwirt hat man auch im vor- und nachgelagerten Bereich gute Aussichten auf einen Arbeitsplatz“, sagt er. So böte sie eine fundierte Basis, um im Landhandel oder in der Landtechnik zu arbeiten, aber auch im weiterverarbeitenden Gewerbe wie in Mühlen, Molkereien oder Zuckerfabriken.

Verständnis für Arbeit schaffen

Die Ausbildung sei ein Mittel gegen die Entfremdung zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung, sagt Jochen Höhner, Vorsitzende des Ortsverbandes Enger-Spenge des Westfälisch-Lippischen Landesverbandes (WLV). „Je mehr Landwirte es noch vor Ort gibt, desto mehr Verständnis und Sensibilität können wir für unsere Arbeit schaffen“, wirbt dafür, landwirtschaftliche Themen in die Bevölkerung zu tragen.

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