Rat Spenge: Hans-Jürgen Fischer zieht sich in die zweite Reihe zurück
Der Neueinsteiger und der alte Hase

Spenge (WB). „Als ich 1987 in die Kommunalpolitik einstieg, gab es noch Kampfabstimmungen zwischen den Kandidaten, die für den Rat nominiert werden wollten“, erinnert sich der scheidende SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Jürgen Fischer (71) schmunzelnd. Das jüngste Mitglied der SPD-Fraktion im neu gewählten Rat, Oliver Bartling (25), hat es da leichter gehabt.

Sonntag, 04.10.2020, 05:30 Uhr aktualisiert: 04.10.2020, 17:56 Uhr
Der Youngster der SPD-Fraktion im Spenger Rat, Oliver Bartling (25), und der scheidende Fraktionsvorsitzende Hans-Jürgen Fischer (71) vor dem Rathaus, in dem die Kommunalpolitiker das Schicksal der Stadt mitbestimmen. Foto: Ruth Matthes

„Damals konnte die SPD noch aus dem Vollen schöpfen“, erzählt Fischer. Doch auch heute sei die Partei noch vergleichsweise gut aufgestellt. „Wir können unsere Bezirke noch gut besetzen, ohne die ganze Familie einzubinden“, sagt er mit einem Seitenhieb auf die Konkurrenz.

Motivation

Der 71-Jährige, der bis 2013 als IT-ler tätig war, hat am 13. September nicht erneut für den Rat kandidiert. Er wollte die Jüngeren zum Zuge kommen lassen und freut sich, dass die SPD fünf neue Gesichter in den Rat bringen konnte, darunter auch jüngere wie Oliver Bartling und Ani­ka Eltgen (38). „Wir haben jetzt eine gute Mischung aus erfahrenen Kräften und jungen Leuten, die frische Ideen bringen.“

Die Motivation der beiden, in die SPD einzutreten und sich kommunalpolitisch zu engagieren, ähnelt einander, ist aber auch von der Zeit geprägt. Beide wollten nicht nur meckern, sondern selbst bei der Gestaltung ihrer Heimatstadt mitwirken und sich für Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit einsetzen. Während Fischer noch in einer Zeit eintrat, als die SPD eine Volkspartei war und es gerade um die Gründung der Gesamtschule in Spenge ging, entschied sich Bartling in einer Phase für die Sozialdemokraten, in der sie stark an Popularität eingebüßt hatten.

Grundwerte

„Ich bin 2018 in die SPD eingetreten, weil ich mit Schrecken das Erstarken der AfD beobachtet habe. Dagegen wollte ich etwas tun und mich politisch engagieren. Die Grundwerte der Sozialdemokratie von Freiheit, Gleichheit und Solidarität stimmten am meisten mit meinen Vorstellungen überein“, erzählt der Versicherungskaufmann.

Bartling erhielt schnell die Chance, als sachkundiger Bürger im Sozial- und Gleichstellungsausschuss die Kommunalpolitik kennen zu lernen. Er möchte dort auch als Ratsherr weiterarbeiten. Außerdem wünscht er sich einen Sitz im Schul-, Jugend- und Sportausschuss. „Als Handballer aus Lenzinghausen, der mit einer Erzieherin verlobt ist, liegen mir diese Themen am Herzen“, erklärt er.

Ratgeber

Auch Hans-Jürgen Fischer, der seit 1994 im Rat war, möchte sich nicht ganz aus der Kommunalpolitik zurückziehen: „Ich würde gerne noch als sachkundiger Bürger beim Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung dabei sein, und wenn jemand meinen Rat braucht, stehe ich zur Verfügung“, verspricht er. Denn Fischer, der von 1997 bis 2009 stellvertretender Fraktionsvorsitzender war und danach Vorsitzender, hat einiges an Erfahrung gesammelt und auch harte Zeiten erlebt: „Am meisten Sorgen haben mir in den Jahren die Finanzen der Stadt bereitet“, erzählt er. „Seit den 90er Jahren war erkennbar, dass wir uns immer mehr der Haushaltssicherung näherten, die dann 2015 Realität wurde. Was zur Folge hatte, dass wir harte Einsparungen beschließen mussten, die auch die Unterstützung des Ehrenamtes betrafen.“

Bartling dürfte künftig ebenfalls mit diesem Thema zu kämpfen haben, denn beide sind sich sicher, dass in zwei oder drei Jahren die fehlenden Steuereinnahmen als Folge der Corona-Krise der Stadt zu schaffen machen werden. Es bleibt also spannend – für Bartling in der ersten Reihe wie für Fischer als Ratgeber in der zweiten.

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