Michael Helm blickt im Bürgerzentrum Spenge auf 20 Jahren „Zwischen den Zeilen“ zurück
Texte von Tolkien, Tucholsky und Mark Twain

Spenge (WB/dd). Schönes, Absurdes, Trauriges und Politisches. Nicht mehr und nicht weniger als die ganze Bandbreite aus 20 Jahren „Zwischen den Zeilen“ hatte Michael Helm den Besuchern seiner Jubiläumslesung am Mittwochabend im Bürgerzentrum Spenge versprochen – und daran hat sich der Rezitator gewissenhaft gehalten.

Freitag, 02.10.2020, 13:07 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 13:10 Uhr
Michael Helm hat eine bunte Mischung verschiedenster Texte vorbereitet, die er gewohnt lebhaft vorträgt. Foto: Daniela Dembert

„Wenn man sich 20 Jahre einer Veranstaltungsreihe durch den Kopf gehen lässt, denkt man auch links und rechts, was sich drum herum so ereignet hat“, leitete Helm sein literarisches Potpourri ein und erzählte von den ersten Lesungen im alten Gebäude der Stadtbücherei, für die die Gläser immer herbeigeschafft und später in der winzigen Küche gespült werden mussten. „Das waren immer wunderbare literarische Gespräche beim Abwasch.“

Dass seine Vortragsreihe sich heute großer Beliebtheit erfreue, liege maßgeblich an der ehemaligen Büchereileiterin Christine Rickert, die an den wachsenden Erfolg des Formats geglaubt habe. „Es hat den Leuten gefallen, wirklich. Die zeigen das nur nicht so, die Ostwestfalen“, habe Rickert ihm nach seinen ersten Auftritten in Spenge vor einer Handvoll Zuhörern kulleräugig versichert und dann selbst darüber lachen müssen.

Alkoholschwangere Pointen

Rickert sollte Recht behalten. Helm konnte seine Fangemeinde ausbauen und stets aufs Neue für Klassiker, verkannte Literaten und seine Reiseberichte begeistern.

Christian Morgensterns „Galgenlieder“ gehörten zum skurrilen Part der Lesung. „Wir machen das Absurde einfach vorne weg, dann haben wir’s hinter uns“, kommentierte der Ruhrpottler. Morgensterns alkoholschwangere Pointen sollten aber nicht die einzigen Lachnummern bleiben. So erfuhren die Besucher von der nach wie vor ausstehenden Australienreise zweier Ameisen, die einst Joachim Ringelnatz zusammenreimte und von den Tücken der deutschen Sprache, von denen der amerikanische Schriftsteller Mark Twain ein Textchen zu schreiben wusste. Dieser hatte ernüchtert festgestellt: „Mir scheint, es gibt mehr Ausnahmen von der Regel als Beispiele für sie.“

Zwischen den Texten sorgte Helms langjähriger Freund Stefan Kallmer mit einigen Stücken auf Klarinette, Saxophon und Keyboard für den musikalischen Part der Lesung und setzte beim Nuscheln von Tom Waits „Waltzing Mathilda“ Anspielungen auf übermäßigen Alkoholkonsum.

Auch Politisches eingeflochten

Überraschend fand auch ein Text aus J.R.R. Tolkiens „Der Hobbit“ einen Platz im Programm. „Der ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Ich lese ihn immer mit Jungs der achten Klasse in einem Leseförderprojekt.“

Natürlich fand auch die literarische Frauenwelt mit Texten von Annette Droste-Hülshoff und Else Lasker-Schüler Gehör. Aber Michael Helm wäre nicht er selbst, wenn er nicht mit einem Robert Gernhardt-Gedicht und dem berührenden, von Kurt Tucholsky verfassten Kriegstrauma eines Vaters, der seinem Sohn Erinnerungen an die Schlacht von Verdun schildert, auch ein politisches Statement eingeflochten hätte.

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