Erster Spenger Bürgerbus fuhr am 25. September 2000 – Vorstand blickt zurück
20 Jahre ehrenamtlich hinterm Steuer

Spenge (WB). Eigentlich sollte das 20-jährige Betriebsjubiläum des Bürgerbusses Spenge groß gefeiert werden. Doch Corona machte den 25 Ehrenamtlichen, die werktags vornehmlich Schüler und Senioren von der Innenstadt nach Wallenbrück und Bardüttingdorf und zurück fahren, einen Strich durch die Rechnung. „Dann feiern wir eben das 25-Jährige groß“, kündigt Ilse Kirchhof an.

Samstag, 19.09.2020, 05:00 Uhr
Das Bürgerbusteam 2020: Jeden Werktag und samstags bis zum Mittag fahren die Ehrenamtlichen vornehmlich ältere Menschen zum Einkaufen oder zum Arzt in die Stadt. Einige der Fahrer sind seit 20 Jahren dabei. Foto: Kirchhof

Sie steht seit der Gründungsversammlung im Mai 1999 an der Spitze des Vereins: „Ich bin ganz unbedarft dahingegangen, weil ich es für eine gute Sache hielt, auf diese Weise auch die Menschen in den Außenbezirken an den ÖPNV anzuschließen, die von der BVO aus Rentabilitätsgründen nicht durchgehend versorgt wurden – und ich kam als erste Vorsitzende zurück“, erinnert sich Kirchhof.

Die Anfänge

Erste Ideen für einen Bürgerbus habe es bereits 1992 gegeben. Nach längeren Diskussionen in politischen und kirchlichen Veranstaltungen sei es Bürgermeister Christian Manz gewesen, der sich für die Realisierung eingesetzt habe. „Am 24. Juli 2000 gab es dann die Konzession für den Betrieb der Linie 666 vom Rathaus über Nordspenge, Wallenbrück, Hengstenberg und Mantershagen zum Rathaus und der Linie 667 vom Rathaus nach Südspenge, über Bardüttingdorf, Hengstenberg und Mantershagen zum Rathaus“, erzählt Ehemann und Vorstandsmitglied Hans-Egon Kirchhof. Außer ihm saß nur Björn Sondermann ebenfalls vom ersten Tag an hinterm Steuer.

Der erste Bus war noch geliehen: „Das war der Ersatzbus des Bürgervereins Kalletal“, erinnert sich Kirchhof. „Den ersten eigenen – ein Modell für Gas und Superbenzin – erhielten wir im März 2001.“ Seit Februar 2020 fahren die Ehrenamtlichen den vierten Bus. Er wurde zu Zweidritteln vom Land finanziert. Den Rest trägt die Stadt Spenge. „Fahrzeughalter ist aus rechtlichen Grünen die BVO“, erklärt die Vorsitzende.

Finanzierung

Fahren kann den kleinen Bus jeder, der einen Führerschein der Klasse 3 hat. „Wer neu anfängt, wird zunächst einmal von uns geschult“, ergänzt Ralph Golinski, 2. Vorsitzender und Fahrer. Das betrifft sowohl den Umgang mit dem Bus als auch mit dem Fahrscheindrucker, denn der Bürgerbus ist genauso Teil des Tarifgebietes wie jeder andere Bus. „Bei uns kann man Karten bis Hamm bekommen“, sagt Schriftführer Erich Heine. „Der Erlös der Tickets geht zunächst an die BVO. Für die Betriebskosten muss die Stadt gerade stehen. Im Gegenzug erhält sie aber einen Teil der Einnahmen aus dem Ticketverkauf“, so Kirchhoff.

Derzeit sucht der Verein wieder Fahrer: „Wegen Corona und anderer gesundheitlicher Probleme fehlen uns sechs von 25 Ehrenamtlichen“, erklärt Ilse Kirchhof. Auch Frauen, die mittlerweile stark in der Minderheit seien, sind herzlich willkommen. Die Touren sind jeweils halbtägig. Um 8.30 Uhr geht es los.

Fahrer gesucht

„Das Fahren macht viel Freude“, sagt Heine. „Die Passagiere sind sehr dankbar und gesprächig, die Stimmung ist viel freundlicher als im sonstigen ÖPNV.“ Außerdem sei das Team sehr gesellig. Von Anfang an habe es Ausflüge und Feiern gegeben. Ganz ohne Unfälle ist es in den 20 Jahren nicht abgegangen. Ein Fahrer musste einem Reh ausweichen, ein anderer geriet auf verschneiter Straße in den Graben. „Ernsthaft zu Schaden gekommen ist glücklicherweise niemand“, sagt die Vorsitzende.

Und was ist mit einem weiteren Bürgerbus für Hücker-Aschen und Lenzinghausen? „Ich bin zuversichtlich, dass wir das geregelt kriegen“, meint die Vorsitzende. Es fehle jedoch noch an Fahrern für diesen Bereich. Wer den Verein unterstützen möchte, kann sich unter Telefon 05225/859179 informieren.

Kommentar

In Zeiten des Klimawandels ist die Weiterentwicklung des ÖPNV als umweltfreundliche Alternative in aller Munde. Doch das kostet Geld, welches bekanntlich bei der Stadt ein knappes Gut ist – in Corona-Zeiten erst recht. Um so mehr ist es zu begrüßen, dass sich seit 20 Jahren Ehrenamtliche finden, die es den Bewohnern der Außenbezirke ermöglichen, mobil zu sein, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und gleich noch die Umwelt zu schonen. Man kann ihnen nur wünschen, dass sich weiterhin Fahrer finden, die diese Idee mittragen. Ruth Matthes

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