Stadtführer Eberhard Groeger kennt die Geschichte der Spenger Pfarrhäuser genau
Als Pfarrer noch auf Höfen wohnten

Spenge (WB). Pfarrhäuser sind in jeder Kirchengemeinde zu finden. Hier wohnen üblicherweise die Ortspfarrer mit ihren Familien. Die Pfarrhäuser in Spenge-Mitte haben bereits eine lange Geschichte. Ortshistoriker Eberhard Groeger kennt diese genau.

Samstag, 01.08.2020, 05:54 Uhr aktualisiert: 01.08.2020, 06:02 Uhr

Heute ist die Kirchengemeinde Spenge-Mitte in zwei Pfarrbezirke aufgeteilt. Pastor Andreas Günther und Pastorin Elke Berg teilen sich die Gemeinde. Doch das war nicht immer so.

„Pfarrhäuser waren früher landwirtschaftliche Anwesen“, weiß Eberhard Groeger. Auch das Pfarrhaus an der Martinskirche – es stand dort, wo heute der Friseur ist – war im 16. Jahrhundert ein Fachwerkhaus auch mit Kammern für Dienstpersonal, einem Pfarrkotten, in dem der Heuerling wohnte, Ställen mit Schweinen und Rindern und einem Pferd für die Kutsche. Gegenüber, dort, wo heute der Friedhofsparkplatz ist, wohnte der Küster in seinem Haus. Dazwischen schlängelte sich die Lange Straße, die damals noch eher einem Feldweg glich. „In dem Pfarrhaus an der Kirche hat später ein Herr Cremer einen ‚Krämerladen mit Brandweinausschank‘ eröffnet. Über den Bau existieren allerdings leider keine Urkunden“, sagt Eberhard Groeger.

Brand vernichtet Unterlagen

Viele Pfarrhäuser habe es im Laufe der Jahre in Spenge gegeben, weiß der 68-jährige Apotheker, der sich schon als Kind für die Stadthistorie interessierte und regelmäßig Stadtführungen durch den Spenger Ortskern anbietet. Wenige Jahre nur wurde ein Pfarrhaus in der Spenger Heide bewohnt, 1623 wurde ein neues Haus gegenüber dem Martinsstift, wo sich auch das heutige Pfarrhaus befindet, gebaut. „Nachdem dieses etwas verwohnt war, baute man ein neues Pfarrhaus ‚Auf dem Rottlang‘, in der Nähe der Charlottenburg“, erzählt Groeger. 1765 sei dieses jedoch von „bösem Gesindel“ angesteckt worden, heißt es in alten Aufzeichnungen. „Pfarrer Buddeus, der dort wohnte, wurde so schwer verletzt, dass er anschließend im Rollstuhl saß, seine Frau kam bei dem Brand ums Leben“, sagt Groeger. Der Brand hatte zur Folge, dass alle Unterlagen, die im Pfarrhaus lagerten, verbrannten. „Darum gibt es aus der Zeit vor 1765 so gut wie keine Dokumente aus Spenge“, sagt Groeger.

Seitdem ist der Sitz des Spenger Pfarrhauses I, wie man es nennt, auf dem Grundstück an der Poststraße. Während der Vorgängerbau noch immer ein ländliches Anwesen mit großem Garten war (Groeger: „Hier klauten wir als Kinder die köstlichsten Erdbeeren“), wurde 1904 das jetzige Pfarrhaus gebaut, in dem nach Pastor Lortzing, Pastor Schlemm, Pastor Müller, Pastor Ossenbühl, Pastor Blumenthal und von 1990 bis zu ihrem Tod vor knapp zwei Jahren Pfarrerin Brigitte Janssens wohnten. Ihr Ehemann lebt weiterhin in dem Haus.

Zweite Pfarrstelle

Groegers Urgroßvater, Bauunternehmer Heinrich Kreft, der auch Bürgermeister von Spenge war, baute dieses Haus, das durch seine neugotischen Elemente wie eine „repräsentative Villa eines residierenden Pastors“ wirkt.

Erst seit 1892 gibt es in Spenge eine zweite Pfarrstelle. Pastor Thimme, der später Präses der westfälischen Landeskirche wurde, war nach Pastor Schneider einer der ersten Pfarrer dieses Bezirks. Ihnen folgten Pastor Bohnenkamp, Pastor Heppe, Pastor Storck, Pastor Hartke und Pastor Budde, bevor Pfarrerin Elke Berg ihren Dienst antrat. Auch hier gab es damals noch einen großen Garten, später neben dem Pfarrhaus ein Konfirmandensaal gebaut.

„Ende der 70er Jahre verkaufte die evangelische Kirche das alte Pfarrhaus II an der Werburger Straße“, erzählt Groeger. Nachdem das Haus, das ebenfalls im neugotischen Stil gebaut ist, restauriert wurde, ist dort heute ein Nachhilfeinstitut untergebracht. Für die Pfarrer wurde direkt nebenan ein moderner Bungalow gebaut.

Kindergarten am Pfarrhaus

Auf dem Grundstück des jetzigen Pfarrhauses an der Poststraße wurde 1898 die erste „Kleinkinderschule“ in Spenge eröffnet. Das Backsteinhaus wurde an den Pfarrkotten angebaut. 1934, zu Beginn des Nationalsozialismus, als die Arbeitslosigkeit stieg und viele Frauen zu Hause blieben, wurde die Kleinkinderschule aufgelöst. Drei Jahre später baute die „NS-Volkswohlfahrt“ einen Kindergarten am Friedhof, wo er auch jetzt noch steht. Träger ist heute der Kirchenkreis Herford.

Allerdings gibt es aktuell Überlegungen, wieder zurück an das Pfarrhaus an der Poststraße zu ziehen. Da der alte Kindergarten in die Jahre gekommen ist und der Bedarf an Betreuungsplätzen – vor allem für Kinder unter drei Jahren – steigt, will der Kirchenkreis auf dem Grundstück neu bauen. Für das ehemalige Pastorenhaus, das unter Denkmalschutz steht, ist eine soziale, diakonische Nutzung angedacht.

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