Spenger Landwirt hat Nistmöglichkeiten für Turmfalken und Schleiereulen geschaffen
Nachwuchs auf dem Hof Dingerdissen

Spenge (WB). Ihr Körper ist noch von einem fusseligen, weichen Flaum bedeckt, die Gesichtszeichnung hingegen schon sehr ausgeprägt. Drei junge Schleiereulen sitzen in diesem Jahr im Eulenkasten auf Hof Dingerdissen. Seit etwa 40 Jahren freut sich Achim Dingerdissen regelmäßig über Greifvogelnachwuchs, der in einer von ihm selbstgebauten Nisthilfe heranwächst.

Montag, 08.06.2020, 14:00 Uhr aktualisiert: 08.06.2020, 14:10 Uhr
Drei der kleinen Falken kuscheln sich eng aneinander, einer der Piepmätze guckt frech in die Kamera. Die Küken sind um den 25. Mai herum geschlüpft. Foto: Dembert

Ein solcher Kasten sei nicht schwer zu bauen, erzählt der Landwirt. „Wichtig ist, dass er eine gewisse Größe hat und neben der Einflugkammer auch einen zugluftgeschützten Brutbereich hat.“ Auch andere Landwirte und Resthofbesitzer möchte Dingerdissen ermutigen, auf ihren Höfen einen Nistkasten für Greifvögel einzurichten: „Die Bauanleitung gibt’s im Internet und am Gebäudegiebel muss nicht einmal ein Anflugbrett befestigt werden“, erklärt er.

Schlafgelegenheit für Altvögel

Mit drei Jungtieren, die Anfang Mai geschlüpft sind, ist die Brut in diesem Jahr vergleichsweise klein. Bedingt durch den milden Winter sei es eigentlich ein gutes Mäusejahr, so dass die Altvögel genug Nahrung auf den Feldern um den Hof herum finden dürften. „Vielleicht ist die Versorgung nicht so üppig, weil eines der Elterntiere verunglückt ist“, vermutet Achim Dingerdissen. „Dafür spricht auch, dass noch ein weiteres, nicht ausgebrütetes Ei im Kasten liegt.“

Die drei jungen Schleiereulen sind für ihr Alter etwas spät entwickelt. Ein weiteres Ei liegt noch nicht ausgebrütet im Nest.

Die drei jungen Schleiereulen sind für ihr Alter etwas spät entwickelt. Ein weiteres Ei liegt noch nicht ausgebrütet im Nest. Foto: Dembert

Weil die Tiere aber nachtaktiv sind, habe er bislang nicht beobachten können, ob ein oder zwei Alttiere das Uhlenloch im Scheunengiebel anfliegen. Ganz wichtig sei es für die Euleneltern, tagsüber Ruhe vor den Küken zu haben. Deshalb habe er einige Meter entfernt in einem anderen Gebäude noch einen Tageseinstand geschaffen, in dem die Altvögel schlafen können. Einen solchen Rückzugspunkt zu bieten, ist unkompliziert: „Einfach eine Scheunenluke oder ein Dachfenster offen stehen lassen“, sagt Dingerdissen.

Ansitze aufgestellt

Jahrelang ist der Scheunen-Nistkasten immer im Wechsel von Schleiereulen und Turmfalken belegt gewesen und es hat sogar Kämpfe um die Niststätte gegeben. Als tagaktive Tiere hatten die Falken bei den Revierrangeleien häufig einen Vorteil. Entschlossen, einen weiteren Kasten zu bauen, hat sich Achim Dingerdissen als er eine Eule, die bei den Kämpfen um die Brutstätte umgekommen sein muss, auf dem Hof fand. Schnell wurde auch das zweite Domizil im Stallgiebel angenommen und Eulen und Falken leben friedlich nebeneinander auf dem Lenzinghauser Hof.

So auch in diesem Jahr. Im zweiten Nistkasten kuscheln sich vier Turmfalkenküken aneinander. Geschlüpft sind sie um den 25. Mai herum. Deutlich zu erkennen sind die kleinen Falken an ihren gelben Läufen.

Achim Dingerdissen zeigt eine der vier Julen, die er entlang seiner Felder als Ansitze für Greifvögel aufgestellt hat.

Achim Dingerdissen zeigt eine der vier Julen, die er entlang seiner Felder als Ansitze für Greifvögel aufgestellt hat. Foto: Dembert

Damit sich Greifvögel bei ihm so richtig wohl fühlen, hat der Landwirt an den Wirtschaftswegen seiner Felder mehrere, etwa vier Meter hohe Ansitze – sogenannte Julen – aufgestellt, von denen aus die gefiederten Jäger das Geschehen auf den Feldern überblicken können. „Das ist ökologische Schädlingsbekämpfung“, erklärt Dingerdissen. „Durch die milden Winter und die trockenen Sommer hat die Landwirtschaft zunehmend Probleme mit Mäuseschäden.“ Da eine Eulenfamilie am Tag durchschnittlich 50 Mäuse brauche, um zu überleben, sei die Jagd in den Feldern eine Win-Win-Situation für Landwirt und Vogel.

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