Geräte im Kreis Herford übermitteln Daten an Bundesamt – Expertin gibt Entwarnung
„Sorge um Radioaktivität unbegründet“

Spenge/Rödinghausen/Vlotho (WB). Genau 34 Jahre ist die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl her. Nun wüteten wieder Waldbrände im Umfeld des havarierten Kernreaktors. Wer die Katastrophe 1986 erlebt hat, macht sich auch hierzulande wieder Gedanken um seine Gesundheit. Doch Menschen im Kreis Herford haben keinen Grund zur Sorge, beruhigt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).

Freitag, 08.05.2020, 14:04 Uhr aktualisiert: 08.05.2020, 14:30 Uhr
Im Schulgarten der Grundschule Lenzinghausen steht diese – auf den ersten Blick unscheinbare – Sonde, die Strahlung misst. Foto: Daniela Dembert

Während die Internationale Ärzteorganisation zur Verhinderung eines Atomkriegs ebenso wie Umweltschützer davor warnen, dass radioaktive Wolken auch Deutschland erreichen könnten, erklärt das Bundesamt für Strahlenschutz, dass die Waldbrände keine Gefahr für Deutschland darstellen. „In Deutschland wurden keine erhöhten Messwerte festgestellt“, erklärt Anja Lutz, Pressesprecherin beim Bundesamt für Strahlenschutz auf Anfrage.

Drei Stationen im Kreis

An etwa 1800 Messstationen in ganz Deutschland wird regelmäßig die Strahlenbelastung vor Ort gemessen. Drei Messstationen stehen auch im Kreis Herford: In Spenge an der Grundschule Lenzinghausen, in Rödinghausen am Freibad sowie am Wasserwerk in Vlotho. „Um die Messergebnisse der deutschlandweit verteilten Sonden vergleichen zu können, ist es wichtig, dass die Standorte gewissen Kriterien unterliegen. Ein optimaler Sondenstandort zeichnet sich durch eine ebene gepflegte Wiese aus, auf der sich keine höheren Pflanzen, versiegelten Flächen oder Gebäude befinden“, heißt es vom BfS.

„Brächten Windströmungen Luft aus Tschernobyl, die durch die Brände aufgewirbelte radioaktive Stoffe enthält, nach Deutschland, würden sie auf dem langen Transportweg in der Atmosphäre sehr stark verdünnt“, sagt Anja Lutz. Die Mengen an radioaktiven Stoffen, die Deutschland erreichen könnten, wären so klein, dass sie auch mit sehr empfindlichen Messgeräten nur schwer nachzuweisen wären. Die Messsonden (ODL-Sonden) des BfS könnten gesundheitsrelevante Erhöhungen der Radioaktivität in der Umgebung sicher detektieren, diese Kleinstmengen allerdings nicht, sagt Lutz.

Geringe Strahlenbelastung

Eine Sonde beinhaltet zwei Geiger-Müller-Zählrohre um die natürliche Gamma-Ortsdosisleistung (ODL) zu messen. Auf dem angeschlossenen Messwertsender werden die Daten der Sonde zu Ein- und Zehn-Minuten-Werten verdichtet und in regelmäßigen Abständen an die Messnetzknoten übermittelt, die sich in Berlin, Bonn, Freiburg, Neuherberg bei München, Rendsburg und Salzgitter befinden.

Die natürliche Gamma-Ortsdosisleistung bewege sich in Deutschland je nach örtlichen Gegebenheiten zwischen 0,05 und 0,2 Mikrosievert pro Stunde. Wie man in einer Grafik auf der Homepage des BfS ablesen kann, lag die Strahlenbelastung zum Beispiel in Spenge in der vergangenen Woche konstant bei etwa 0,09. In Vlotho nur minimal höher bei etwa 0,1. Die Messstelle in Rödinghausen ist aktuell defekt. „Das geht auf eine Störung bei dem Telefonanbieter, über den die Messstelle angebunden ist, zurück“, erklärt Lutz. Die Strahlung, die durch den Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 freigesetzt wurde, trage heute nur wenig zur gemessenen „natürlichen” ODL bei.

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